Collagen boten den Teilnehmern eine Zusammenfassung der Werkstatt-Aktivitäten.Foto: Screenshot Foto: Schwarzwälder Bote

Mehrgenerationenhaus: Bilanz per Videokonferenz: Verantwortliche würden gerne an die Erfolge des Projekts anknüpfen

Nach dreijähriger Förderung durch die Fernsehlotterie endet zum Bedauern aller Beteiligten das Werkstattprojekt "Werkstatt Kreativ – Integrativ" des Mehrgenerationenhauses Haiterbach. Gemeinsam mit den Partnern und Förderern zogen die Verantwortlichen in einer Videokonferenz Bilanz.

Haiterbach. "Du bist ein Gewinn" lautet der aktuelle Slogan der Deutschen Fernsehlotterie, so der aus Hamburg zugeschaltete Pressesprecher des deutschen Hilfswerks, Felix Forberg. Das von 2018 bis jetzt laufende Werkstattprojekt war für alle Beteiligten ein großer Gewinn, darüber sind sich die Macher im Mehrgenerationenhaus, ihre Partner und Unterstützer einig. Umso mehr bedauern alle, dass die Förderung für dieses Projekt voller Kreativität und Spontanität zum 30. April ausläuft.

In den vergangenen drei Jahre überwies die traditionsreiche Soziallotterie 163 000 Euro an das Werkstattprojekt "Kreativ – Integrativ – Haiterbach". "Ohne diese Förderung hätte das Projekt nicht gestartet werden können", blickte die jetzige Projektleitung des Mehrgenerationenhauses, Birgit Riedel, zurück.

Marc Spies, Vertreter des Diakonieverbandes Nördlicher Schwarzwald und gleichzeitig Verantwortlicher für die Technik bei der Abschlussvideokonferenz, erinnerte an den Auftakt des Werkstattprojektes am 14. Juli 2018: "Voller Erwartungen starteten wir mit einem Familientag im Rahmen des Haiterbacher Stadtfestes auf dem prall gefüllten Marktplatz an einem heißen Sommertag das neue Projekt." Entstanden ist das Werkstattprojekt aus dem damals mehr als zehn Jahre bestehenden Arbeitskreis BiBer, also Bildung und Beruf, mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen in Haiterbach handwerkliche Fähigkeiten weiterzugeben, dabei kreative Potenziale zu fördern und deren Selbstbewusstsein zu stärken.

856 Teilnehmerbesuchten93 Workshops

Für das Werkstatt-Projektteam berichtete Kerstin Hafner-Bross über 93 Workshops mit 856 Teilnehmern und 87 ehrenamtlichen Helfern. Begonnen hatte es im Jahr 2018 mit gerade mal acht Workshops und 108 Teilnehmern. Die Zahlen explodierten bereits ein Jahr später, gezählt wurden in 2019 bereits 29 Workshops mit 327 Teilnehmern und 48 Ehrenamtlichen. 2020 erfolgte wegen Corona eine Umstellung auf andere Formen der Projektverwirklichung mit geringerer ehrenamtlicher Beteiligung, aber 44 Workshops sowie 328 Teilnehmern. Auch wenn im Abschlussjahr nur drei Monate zur Projektverwirklichung verblieben, konnten bis zum 9. April nochmals zwölf Workshops mit 93 Teilnehmern stattfinden.

Dabei sei zu spüren gewesen, dass die Kinder nach Abwechslung hungerten und statt der üblichen acht bis 14 Teilnehmer die Anmeldezahlen stark anstiegen und vielen sogar wegen Maximalbelegung abgesagt werden musste. Laut Hafner-Bross waren die Sechs- bis Zwölfjährigen am stärksten vertreten, es gab viele Mehrfachteilnehmer und stetiger Zuwachs an Neuankömmlingen. Sie sprach über meist ausgebuchte Workshops und insgesamt von einem vollen Erfolg.

Während der Pandemiezeit konnten rund 90 Prozent der Angebote umgeplant oder in neuer digitaler Form angeboten werden, trotz organisatorischem Mehraufwand. Für die Stadt Haiterbach, die für das Mehrgenerationenhaus Komplementärmittel bereitstellt, bedankte sich der stellvertretende Bürgermeister, Gerhard Gutekunst, beim gesamten MGH-Team.

Beteiligte Firmenberichten vonguter Zusammenarbeit

Zu Wort kamen per Videoeinspielungen drei junge Teilnehmer bisheriger Workshops. Sie berichteten über die tollen Angebote, bei denen sie vieles gelernt haben und viel Spaß hatten. Aufgezählt wurden beispielhaft Angebote im Bereich Töpfern, Apfelpresse, Tischkicker- oder Nistkästen-Bau, aber auch Back- oder Schoko-Workshops, Osterbasteln und Eis-Partys. Einig waren sich alle, dass es nicht nur eine schöne Zeit war, sondern auch, dass sie gerne weitermachen würden und sich weitere Werkstattprojekte wünschen.

Auch die beteiligten und mitwirkenden Firmen aus Haiterbach und Umgebung berichteten über die äußerst gute Zusammenarbeit. Für Maier Kartonagen sprach Ausbildungsleiter Asis Kaplan über den Bau von Tischkickern aus Wellpappe. Florian Dingler, Juniorchef von Meva, betonte die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und des Selbstbewusstseins bei den jungen Teilnehmern, denen zahlreiche Fähigkeiten an die Hand gegeben wurden.

Zum Abschluss des Werkstattprojektes fand mit Kindern und Senioren ein Inklusiv-Workshop statt, in dem Wünsche, Träume und Sehnsüchte an das Jahr 2021 ihren Niederschlag fanden. Die daraus entstandene zweiteilige Collage wird künftig im Mehrgenerationenhaus gezeigt.

"Das niederschwellige Angebot fördert soziale Kompetenz"

Zu Wort kamen auch die Kooperationspartner des Mehrgenerationenhauses, allen voran das "Urgestein" des Arbeitskreises BiBer, Heinz Urbschat, der von der ersten Stunde an dabei war und hofft, dass die Werkstatt-Idee weiterbetrieben wird. Dorothee Müller, Leiterin der Jugendkunstschule beglückwünschte das MGH zu diesem Projekt und drückte ihre Freude darüber aus, dass sie und ihr Team dabei sein durften. Renate Zaiser-Woischiski von der Fachstelle individuelle Lernbegleitung beim Kreisjugendring Calw betonte die besondere Chance durch das Werkstattprojekt, vor allem in der Übergangszeit zwischen Schule und Beruf. "Das niederschwellige Angebot fördert soziale Kompetenz, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. Genau das erwarten die Arbeitgeber von den Berufsanfängern", sagte sie.

"Es wurde viel erlebt, gebohrt, gesägt, gebastelt, gebacken, gelötet und so weiter. Dabei hat jedes Kind voller Stolz sein eigenes Werk in Händen gehalten. Das Mehrgenerationenhaus hat das Projekt sehr genossen", sagte Kerstin Hafner-Bross abschließend. Und Marc Spies ergänzte: "Das war’s jetzt – auch wenn’s schwerfällt, das Ende steht fest." Beim Diakonieverband will man sich auch weiterhin um Förderungen bewerben und schauen, was in die Landschaft passt. Spies ist sicher, dass es in irgendeiner Form weitergehen wird. Und Projektleiterin Birgit Riedel wünscht sich, an das bereichernde Werkstattprojekt anknüpfen zu können.

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