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Haiterbach Papier und Licht, mehr braucht es nicht

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Nur bei Beleuchtung erkennbar: Hermann Künerts Bilder erzählen davon, wie sich Humboldt durch die Urwälder Südamerikas kämpfte. Fotos: privat / Gezener Foto: Schwarzwälder Bote

Insgesamt 18 Papyrografien wird der Haiterbacher Papierkünstler Hermann Künert an diesem Samstag beim Haiterbacher Lichterabend zur Schau stellen. Wie seine Papiergrafiken entstehen, und wie er zu seinen Ideen kommt, verriert Künert unserer Zeitung.

Haiterbach. Eine seiner ersten Papyrografien erstellte Künert für eine Ausstellung "in Barcelona, das war 2006", erinnert er sich. Ein weiter Blick über die katalanische Metropole, die Sagrada Família und das Mittelmeer, all das konnte man sehen – wenn man die Papiergrafik beim Betrachten beleuchtete. Papyrografien entfalten ihre visuelle Qualität nämlich erst dann, wenn man sie gegen eine Lichtquelle hält. Bei manchen Papyrografien genügt schon ein kleines Teelicht, bei anderen muss schon mal eine Lampe herhalten.

"Die Idee Papyrografien zu machen entstand durch einen Zufall", sagt Künert. Er hatte ein Stück zerissenes Papier in der Hand und bemerkte, dass das Papier an der abgerissenen Stelle ihn an eine Berglandschaft erinnerte, als er das Papier gegen das Licht hielt. Und so wurde aus reinem Zufall reine Leidenschaft.

Die dreidimensionalen Strukturen in Künerts Bildern entstehen durch die Aneinanderreihung verschiendener Papierschichten. "Manche Bilder bestehen aus sechs oder sieben Papierschichten", sagt Künert. Er schneidet, reißt und zupft am Papier. Für seine Bilder verwendet Künert ausschließlich Papier. Selbst die kleinen Kästchen, in denen die fertigen Papierbilder platziert werden, sind aus Pappe, nicht etwa aus Holz.

Zunächst entwarf Künert fiktive Fantasielandschaften und hatte auch große Freude daran. Irgendwann hatte er davon aber genug. Denn die Betrachter wollten von Künert immer wieder wissen: "Wo ist der Ort, den ich hier sehe, eigentlich?" Da tat sich dann Künert mit dem Antworten etwas schwer bei seinen Fantastielandschaften. So fing Künert damit an, auch reale Landschaften abzubilden.

Künerts Faszination für Alexander von Humboldt

In jüngster Zeit hat sich Künert auf den im Jahr 1769 geborenen Naturforscher Alexander von Humboldt spezalisiert. Aus Anlass des 250. Geburtstags Humboldts hat Künert in den vergangenen Monaten diverse Papyrografien angefertigt, die sich insbesondere mit Humboldts Reisen in Südamerika befassen. "Alexander von Humboldt war eine faszinierende Person, ein unglaublich kluger Mann", sagt Künert. "Humboldt hat alles mögliche vermessen und dabei aufgezeigt, dass in der Natur alles irgendwo miteinander zusammenhängt", erzählt Künert. "Er hat in seinem Leben mehr als 50 000 Briefe geschrieben und hatte unglaublich viele Kontakte. Er war ein Netzwerk-Denker, eigentlich schon so etwas wie ein Pionier des Internets" erzählt Künert begeistert.

Das Buch "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur", geschrieben von Andrea Wulf, sowie der Comicband "Die Abenteuer des Alexander von Humboldt", ebenfalls geschrieben von Andrea Wulf und illustriert von Lilian Melcher, lieferten Künert zusätzlich interessante Einblicke in das spannende Leben des abenteuerlustigen Naturforschers.

Im Gegensatz zu Humboldt reist Künert selbst nicht so viel in der Welt herum: "Meine Reisen finden doch hauptsächlich im Kopf statt", sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Seine Reisen entstehen, wenn er sich in die Werke von Johann Wolfgang Goethe, Georg Forster oder Jules Verne vertieft. Anhand derer Erzählungen entstehen in Künerts Kopf Bilder, die er dann auf seine ganz eigene Art interpretiert. So entstehen die Ideen für Künerts Papyrographien. Er lässt sich aber nicht nur von literarischen, sondern auch von malerischen Werken inspierieren, wie etwa von Caspar David Friedrichs "Wanderer über dem Nebelmeer". Auch Wissenschaftler wie David Livingstone oder Carl von Linné sind wichtige Inspirationsquellen für Künert.

Im kommenden Jahr werden Künerts Kunstobjekte von November 2020 bis einschließlich Februar 2021 auch im Papiermuseum Düren (Nordrhein-Westfalen) ausgestellt werden, welches eines von insgesamt sieben Papiermuseen in ganz Deutschland ist. Wer nicht ganz so weit fahren oder einfach nicht so lange warten möchte, und gerne mal einen Blick durch Künerts leuchtende Papierlandschaften werfen möchte, sollte Künerts Ausstellung diesen Samstag beim Lichterabend auf dem Haiterbacher Marktplatz, Beginn um 16 Uhr, nicht verpassen. Künert wird dann 18 Papiergrafiken "aus der Bandbreite", ausstellen.

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