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Haiterbach Moderne Medien machen Probleme

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Schulsozialarbeiter Nils Dickmann (rechts), hier mit Marc Spies von Diakonieverband. Foto: Katzmaier Foto: Schwarzwälder Bote

Die Schulsozialarbeit ist aus dem Alltag der Burgschule Haiterbach nicht mehr wegzudenken. In der Arbeit von Nils Dickmann spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Sein Anspruch: Den Problemen immer einen Schritt voraus zu sein, um diese möglichst klein zu halten.

Haiterbach. An seinem aktuellen Büro – einer Materialkammer der Burgschule – gemessen, wäre man wohl geneigt, die Arbeit von Schulsozialarbeiter Nils Dickmann als unbedeutend zu betrachten. Das wäre ein Irrtum. Denn tatsächlich wird das reguläre Büro von Dickmann derzeit saniert, also fit für die Zukunft gemacht. Das passt schon eher ins Bild, das besagt: Dieser pädagogische Aspekt ist wichtiger Bestandteil der Bildungsstätte.

Doch warum braucht es überhaupt Schulsozialarbeit? Für Dickmann, der seine Schulzeit selbst ohne eine solche durchlebte, hat dies drei Hauptgründe. Eltern seien immer mehr in die Arbeit eingespannt, vor allem wenn beide Elternteile arbeiten. Schüler würden heute viel mehr Zeit in der Schule verbringen – bis zu zehn Stunden. Schon alleine dadurch verlagere sich viel in die Schule. Und letztlich würden Eltern dadurch auch Verantwortung abgeben, weil das Kind eben in der Schule sei.

Die Schulart hat nichts mit dem Bedarf zu tun

Dickmann ist für Grund- wie Werkrealschüler zuständig – inklusive Außenstelle Oberschwandorf. Doch mit der Schulart habe der Bedarf an Sozialarbeit nichts zu tun, weiß Marc Spieß vom Diakonieverband Nördlicher Schwarzwald, der Träger der Schulsozialarbeit in Haiterbach ist. Der Bedarf bestehe auch an Gymnasien – lediglich die Themen würden sich etwas unterscheiden. In der Grundschule gehe es um einen guten Schuleinstieg, bei den Neunern um einen guten Einstieg in den Beruf, im Gymnasium eher um die Persönlichkeitsentwicklung.

Für Dickmann ist Präsenz wichtig: "Ich bin in jeder Klasse drin." Beispielsweise um darzulegen, wie man Konflikte klärt. Vor allem aber aus einem Grund: "Ich möchte einen Schritt schneller sein als die Schüler." Ein präventiver Ansatz, der Themen möglichst schon erkennen soll, bevor sie zu Problemen werden. Guter Kontakt zu Schülern sei wichtig. Er stelle sich aber nicht immer vor sie bei Problemen. Schüler müssten auch Konsequenzen erfahren.

Eltern sollen davor verbündete sein. So sei er bei jedem Elternabend anwesend. Selbst Gespräche zwischen Tür und Angel würden auch Vertrauen stärken.

Schulsozialarbeit dürfe man von Elternseite nicht als Makel betrachten, sagt Marc Spies. Dem pflichtet Dickmann bei. Die meisten Dinge seien mit einem kurzen Gespräch, oft schon mit einem Telefonat erledigt. In etwa der Hälfte der Fälle gehe die Initiative zu einem Gespräch von den Eltern aus.

Bei der Erfordernis verweist Spies ganz allgemein auf gesellschaftliche Veränderungen. Früher sei es beispielsweise undenkbar gewesen, dass Eltern per Anwalt um Noten kämpfen.

Dickmann sieht insbesondere Defizite bei der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. So durch ausbleibende Anerkennung, die man früher unter anderem im Spiel mit Altersgenossen erfahren habe. Bei Erlebnissen in der freien Natur. In der Realität würden Schüler heute aber viel Zeit allein verbringen – "vor der Kiste", also mit Computer, Spielkonsole und Handy. Das spiegele sich in Gesprächen in der Schule, auf dem Pausenhof wider, wenn es darum gehe, wer wie viele in welchem Spiel abgeschossne habe.

Das habe Folgen für Selbstvertrauen und Eigenständigkeit, aber auch Ehrgeiz und Belastbarkeit. Letzteres deckt sich mit jüngeren Umfragen unter Ausbildungsleitern, die jungen Menschen eine rückläufige Ausbildungseignung bescheinigen. Doch das sei wichtig, nicht jeder könne "einfach so reich werden", wie Dickmann Schülerwünschen entnehme. Viele müssten eben arbeiten. Und in Haiterbach habe man gute Firmen, den Schülern würden viele Türen offen stehen.

Auch wenn in der Schule selbst Handyverbot herrscht, betrachtet Dickmann den Medienkonsum als großes Problem.

Und die Auswirkungen, so seine Prognose, werde man in den kommenden Jahren noch stärker zu spüren bekommen als heute. Dabei muss Dickmann auf Zack sein. So muss er sich mitunter von den Schülern auf dem Laufenden halten lassen, was auf Computer und Handy angesagt ist.

Gegensteuern möchte Dickmann hier mit Arbeitsgruppen wie Sportangeboten. Dazu gehört auch eine Waldwoche, die durchgezogen wird, egal wie das Wetter ist.

Neben den übergreifenden Themen gehören auch individuelle Probleme von Schülern zum Alltag von Dickmann. Dazu zählen Auswirklungen von Trennung und Scheidung von Eltern, wenn die Mutter weniger Zeit für das Kind hat, weil sie wieder abrieten geht, und auch der Tod von Familienmitgliedern.

Bei Dickmanns Vorgängern war die Stelle 50:50 zwischen Schulsozialarbeit und Jugendarbeit aufgeteilt. Heute macht die Schule 80 Prozent aus. Wobei man dies gar nicht so scharf trennen könne. Bei der Jugendarbeit gehe es letztlich eben mehr um die Freizeit wie Ferienangebote. Das Klientel sei aber das gleiche.

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