Geschäftsführer Martin Brodmann (von links), die Therapeutische Leiterin Annette Bury und FSJlerin Emely Pretze sind froh, dass sich die Bewohner im Haus Waldachblick verständnisvoll zeigten.Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder Bote

Pandemie: Corona-Maßnahmen machen Mitarbeitern und Bewohnern des "Haus Waldachblick" in Oberschwandorf zu schaffen

Besuchsverbote, keinerlei Arbeits- und Kreativtherapien sowie abgesagte Aktivitäten – für die 28 psychisch kranken Bewohner des Wohnheims "Haus Waldachblick" in Oberschwandorf und deren Betreuer waren die vergangenen Wochen nicht einfach.

Haiterbach-Oberschwandorf. Die Zeit, seitdem Hygiene- und Abstandsregeln sowie Besuchsverbote das Leben im "Haus Waldachblick" verändert haben, hat die Wohneinrichtung für psychisch Kranke hart getroffen und war für alle Beteiligten anstrengend. "Den Bewohnern im Alter zwischen 20 und 64 Jahren", so die therapeutische Leiterin Annette Bury, "fielen die Änderungen schwer, sie mussten ständig erinnert und motiviert werden. Und von einem Tag auf den anderen, waren alle ans Haus gebunden."

Das am Ortsrand von Oberschwandorf gelegene Wohnheim wurde zu zahlreichen Umstrukturierungen gezwungen. Alle Aktivitäten, wie Schwimmen, Sport und Arbeits- oder Kunsttherapien, mussten gestrichen werden. Damit musste für alle Bewohner die Tagesstruktur angepasst werden. Äußerst positiv empfanden alle in dieser Phase die Nähe zum Waldrand, der für kurze Spaziergänge in der Natur und an der frischen Luft genutzt werden konnte. Auch rund um das Gebäude laden mehrere lauschige Plätze zum Aufenthalt im Freien ein.

Die in der Großküche zubereiteten Mahlzeiten durften nicht mehr gemeinsam gegessen werden. Die Bewohner wurden auf zwei Gruppen verteilt und essen im Schichtbetrieb. Mund- und Nasenschutzpflicht besteht dabei für die Bewohner nicht. Das Personal an der Essensausgabe trägt die im ganzen Haus an alle verteilten Schutzmasken.

Nur zu dringenden Besorgungen und Arztterminen durften die Bewohner das Haus verlassen. Kleine Einkäufe, die üblicherweise von den Bewohnern selbst erledigt wurden, übertrug das Heimleitungsteam den Alltagsbegleitern und den beiden Freiwilligen. Emely Pretze ist eine von ihnen. Im September hat sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Haus Waldachblick begonnen hat. Während ihr Tätigkeitsbereich vor der Corona-Krise primär Aufgaben beinhaltete, die in der alltagspraktischen Betreuung und Förderung der psychisch kranken Bewohner lag, so verschoben sich die Tätigkeiten in Richtung Hauswirtschaft. Gründe dafür sind der Wegfall der Mittwochsaktionen, wie Ausflüge, Minigolfspielen oder Basteln.

Nach zwei Tagen gibt das Testzentrum Entwarnung

Pretze strebt nach dem FSJ den Studiengang "Soziale Arbeit für psychische Gesundheit und Sucht" in Villingen-Schwenningen an. Mit der dortigen Hochschule, so der Geschäftsführer des Vereins für soziale Integration und seelische Gesundheit, Martin Brodmann, bestünden gute Verbindungen. Üblicherweise offeriert das Haus Waldachblick die Möglichkeit, dort ein duales Studium zu absolvieren. "Allerdings", so Brodmann, "müssen wir in diesem Jahr aus Kostengründen darauf verzichten". Und Annette Bury ergänzte, dass zum September zwei freie FSJ-Stellen bislang noch nicht besetzt sind.

Übereinstimmend sind die Verantwortlichen froh darüber, dass sich die Bewohner des Hauses Waldachblick trotz der zahlreichen Veränderungen und Hygienevorgaben verständnisvoll gezeigt und mit den Umstellungen arrangiert haben. Dazu gehört auch, dass sich alle Besucher des Hauses in Listen eintragen müssen und an den Eingängen Desinfektionsspender aufgestellt wurden.

Immerhin sind die Werkstätten wieder geöffnet, und die Bewohner können sich auf freiwilliger Basis dort beschäftigen. Inzwischen wurde ein seit Mitte Juni gültiges Hygienekonzept umgesetzt, und die Werkstätten laufen wieder im Regelbetrieb. Martin Brodmann sprach ein großes Lob für alle Bewohner aus: "Sie reagierten besonnen, unproblematisch und waren bereit, trotz der schwierigen Situation und den vielen Vorgaben, mitzuziehen." Erfreut sind sowohl Geschäftsführung als auch Leitung darüber, dass lediglich zwei Bewohner über Erkältungssymptome klagten. Sie wurden auf ihren Zimmern isoliert, bis aus dem Corona-Testzentrum nach zwei Tagen Entwarnung kam, da beide Testergebnisse negativ waren. Die Einrichtung ist nach wie vor sehr vorsichtig. Jeden Morgen findet eine Symptomabfrage statt, und im Bedarfsfall wird Fieber gemessen – mit Mund- und Nasenschutz. Auch das Monitoring, so Annette Bury, wird trotz der Lockerungen weitergeführt.

Alle Beteiligten, sowohl Bewohner als auch Betreuer, bedauern, dass die regelmäßigen Freizeiten und Urlaube in diesem Jahr nicht stattfinden können. Alle genießen trotz der krisenbedingten Umstellungen die Lage des Hauses Waldachblick und seine vielfältigen Möglichkeiten.

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