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Haiterbach Die Schraube fällt nicht weit vom Rad

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Das Schrauben an seinen Fahrzeugen ist eine Leidenschaft für Christian Henßler geworden. Fotos: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

In einer Welt, in der kleine und große Räder ineinander greifen und laute Motorengeräusche den Ton angeben, ist Christian Henßler zuhause. Doch was kam zuerst – der Spaß am Basteln oder am Fahren?

Haiterbach. Es muss irgendwann im Haiterbach der 70er-Jahre gewesen sein. Der damals kaum 14-jährige Christian Henßler bastelt emsig an seiner Seifenkiste. Großes schwebt ihm dabei vor. Motorisiert soll sie werden. Ein richtig heißer Stuhl. Doch ein Teil bereitet ihm noch Kopfzerbrechen – die Achse.

Allerdings wird der junge Bastler beim nahegelegenen Schlosser fündig und erhält dort das gewünschte Teil. Als er fragt, was er dem Schlosser schuldig sei, antwortet dieser nur: "Zahlen brauchst Du nichts. Aber es gibt viel zu tun hier, bei dem Du mir gerne helfen kannst."

Ein paar Jahre später ist aus der kleinen Aushilfe ein Auszubildender geworden. Ein paar weitere Jahre später ein technisch versierter Schlosser mit Elan und Expertise. Und wäre Christian Henßler ein Auto, so würde man ihn heute zu den Oldtimern zählen. Zwar ist Henßler noch gute 20 Monate von der Rente entfernt, jedoch fühlt er sich unter Oldtimern durchaus gut aufgehoben. Denn inzwischen hat der Hobbybastler so manches alte Stück wieder auf Vordermann gebracht und so mancher totgeglaubten Blechkiste wieder neues Leben eingehaucht.

Oldtimerleidenschaft begann im Jahr 1993

Die Anfänge seiner Passion sind dem Techniker ebenso lebhaft in Erinnerung, wie jedes Kaufdatum seiner Schmuckstücke: "Meine Oldtimer-Leidenschaft begann 1993", erinnert sich der Hobbybastler.

"Meine Kinder waren damals noch sehr klein und liebten es, mit dem Opa und seinem Traktor über den Acker zu fahren. Aber der Großvater hatte viel zu tun und hatte nicht immer Zeit, Spaßrunden mit den Traktor zu drehen. Eines Tages sagte er zu mir: Kauf Dir doch selber einen." Ein Ratschlag, den der Großvater nicht tätigte, ohne bereits eine Broschüre mit einem interessanten Angebot in Petto zu haben. So dauerte es nicht lange bis Henßler seinen ersten Traktor – einen Lanz 1706 – sein Eigen nennen durfte. Auch zur großen Freude seiner Kinder. Doch nicht nur Spazierfahrten, sondern auch Erledigungen und Einkäufe ließen sich mit der Maschine bequem bewerkstelligen.

"Fahrten bei Regen waren natürlich weniger lustig. Also musste ein Dach her", beschreibt Handwerker Henßler seinen ersten Optimierungswunsch.

Und bei dem zusätzlichen Dach sollte es nicht bleiben. Eine Neuerung führte zur nächsten. So entstand nach und nach ein Hobby, welches über die Jahre zur Leidenschaft wurde.

Die Anforderungen, die Reparatur und Instandhaltung von Altmodellen mit sich bringen, können vielfältig und deren Lösungen anspruchsvoll sein. Ein versierter Hobby-Schrauber vereint daher Qualitäten von Lackierern, Schreinern, Elektrikern und Schlossern in sich. Im Fall der Familie Henßler steckt wohl auch ein wenig Rennfahrer mit drin.

Sowohl für Henßler selbst, als auch für seine Kinder begann die Faszination Technik mit Seifenkisten. Der Familienvater schlägt ein Foto-Album auf und blättert durch die Seiten. Zu sehen sind unzählige Bilder seiner Kinder beim Basteln und Schrauben unter Seifenkisten oder auf Siegerpodesten. "Wir haben alles gewonnen, was es gab. Von der Dorf- bis zur Landes-Meisterschaft. Aber irgendwann musste man sich entscheiden: Seifenkiste oder Zugmaschine."

1995 besorgte Henßler sich einen größeren Lanz mit zehn Litern Hubraum und auch ein Dach sollte diesmal nicht fehlen. Ein weiteres Jahr später folgte ein Hanomag, mit dem der Bastler so manche Strecke fuhr. "Um den zu holen, bin ich bis nach Köln. Und die 750 Kilometer zurück ging es ganz gemächlich mit dem Hanomag."

Distanz ist kein Hindernis, wenn der Weg das Ziel ist. Daher scheut Henßler auch weite Strecken ins Ausland nicht. Oft auch mit Familie und Wohnanhänger im Schlepptau. So ging es bereits kreuz und quer durch die Weltgeschichte. Ob England, Frankreich oder Schweiz. "Vor 20 Jahren waren Oldtimer-Treffen noch nicht so verbreitet wie heute. Da musste man schon ein Stück fahren, um unter Gleichgesinnte zu kommen", erzählt Henßler.

Auf jenen Treffen gibt es viel zu sehen, denn Schrauber sind ein Volk für sich, weiß Henßler. Geeint durch fachmännischen Informationsaustausch und in ständiger Konkurrenz um seltene Modelle und Ersatzteile.

Ein stets freundlich gesinnter Bastel-Kamerad ist Henßlers Sohn Heiko. Früher waren es Seifenkisten, doch inzwischen sind es Gefährte aller Art, an denen das Gespann regelmäßig gemeinsam herum werkelt.

"Jeder, der behauptet, seinen Traktor in drei Monaten fit gemacht zu haben, nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau", erzählt Henßler junior. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass das Werkeln mal gut und gerne 4000 bis 6000 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen kann. Selbst ein gekonnter Schrauber benötigt also in der Regel ein bis zwei Jahre. "Und es kommt immer wieder was neues dazu", erzählt Henßler senior, "Hier hat man eine neue Idee, da fällt einem noch was ein und schwupps sind dort wieder Reparaturen fällig." Kurzum: Langweilig wird einem echten Schrauber nie. Und sollte einem das Basteln doch einmal fad werden, unternimmt man einfach eine Spritztour. Sohnemann Heiko dazu: "Wir schrauben genauso gerne, wie wir fahren."

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