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Haiterbach "Brennerhaus" soll einem Neubau weichen

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Das "Brennerhaus" ist eines der mächtigsten Fachwerkgebäude in Oberschwandorf. Foto: Roland Buckenmaier

Haiterbach-Oberschwandorf - Das "Brennerhaus" ist eines der mächtigsten Fachwerkgebäude in Oberschwandorf. Und doch scheint sein Schicksal besiegelt. Seine letzten Tage wird es wohl als Flüchtlingsunterkunft fristen, bevor es abgerissen wird. Dabei steckt dieses alte Haus voller Geschichte.

Wer in dem Haiterbacher Teilort Oberschwandorf nach ortsgeschichtlichen Hintergründen sucht, der kommt an Walter Gutekunst nicht vorbei. Der heute 91-Jährige, einst selbst Ortsvorsteher in dem Ort, ist ein wandelndes Lexikon, was die eigene Sippen- und auch was die Ortsgeschichte anbelangt.

Aber beim Haus "Brenner", im Ortsjargon auch "Hofhaus" genannt, gerät auch der Oberschwandorfer Hobbyhistoriker an seine Grenzen. "Seit Generationen", erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung, "hat man sich in Oberschwandorf gefragt: Was war das für ein Haus?" Und in diesem Zusammenhang sei immer auch von einem Kloster die Rede gewesen.

War der Hof einst im Besitz eines Klosters?

Ein Kloster in Oberschwandorf? Die Forschung fand dafür in der Vergangenheit keine Hinweise. Aber dafür sind in alten Akten und Büchern Nachweise zu finden, dass es klösterliche Besitztümer in dem Ort gab. Belegt ist eine Schenkung von "Berta und Hugo de Sueindorf" um das Jahr 1150 an das Kloster Reichenbach im Murgtal. Ebenso wird - laut Oberschwandorfer Heimatbuch - das Kloster Kniebis, allerdings in einer "etwas unsicheren Quelle", als Besitzer eines "Gutes" in Oberschwandorf erwähnt. Urkundlich sicherer ist ein Hof des Klosters Reuthin, dessen eine Hälfte der Edelknecht Diem Kechler im Jahr 1416 der Priorin Agnes von Hohenberg verkaufte. Die andere Hälfte des Hofes gehörte dem Kloster bereits.

Oder führen die Spuren zum Convent des St. Franziskaner-Ordens in Dornstetten, der anno 1448 eine Wiese "zwischen den Schwandorffen" von einem Nagolder Bürger namens Wältzli Mettstetter kaufte?

Genau zuordnen oder lokalisieren lässt sich der klösterliche Besitz im Ort indes bis heute nicht. Aber für die Ortshistoriker, auch für Walter Gutekunst, führen die monastischen Spuren zum "Brennerhof", der auf einer alten Karte auch als altes Hofgefüge erkennbar ist und in einer Schätzungsliste zudem als "ziemlich alt" beschrieben wurde.

Für Walter Gutekunst liegt die Vermutung, dass das Hofhaus zu einem Konvent gehörte, nahe: "Das ist ein Riesenbau, den sich kein normaler Mann leisten konnte."

Klosterhof hin oder her: Im Dorf hatten die Brenners auch so schon eine besondere Stellung eingenommen: "Das war eine b’sondere Sort’, das waren keine Bauern", sagt Gutekunst. Wann aber hat die Sippe dieses Haus übernommen? Gutekunst ging dieser Frage akribisch nach.

Der erste Brenner, den er in den Oberschwandorfer Büchern gefunden hat, war Michael Brenner, ein Schuhmachermeister, geboren 1777 in Egenhausen. Nach seiner Heirat zog er wohl nach Oberschwandorf. Ihm folgte ein Mann selben Namens: Michael Brenner, geboren 1799, Leineweber von Beruf. Zum ersten Mal heiratete er 1823. Er zeugte 14 Kinder in zwei Ehen. Denselben Beruf, nämlich Leineweber, übte Gabriel Brenner aus, geboren 1842. Er heiratete 1868 und hatte zwölf Kinder.

Wie sollten, fragt Walter Gutekunst heute, Männer mit so einfachen Berufen und auch noch noch mit so großer Kinderzahl ein so stolzes und damit teures Haus bauen oder kaufen können, zumal sie früher auch noch Frondienst leisten mussten?

Auswanderer kamen in Amerika zu Reichtum

Der erste Bauer in dem Haus war Jakob Brenner, den Walter Gutekunst noch persönlich kannte. Dieser starb 1941. Besagter Jakob Brenner, geboren 1868, heiratete 1894 die Tochter des Sägewerkbesitzers Müller aus Oberschwandorf - sie war dessen 18. Kind.

Walter Gutekunst vermutet, dass dieser Jakob Brenner aus der vierten Familiengeneration den sehr alten Bau günstig erworben und mit Hilfe seines Schwiegervaters, des besagten Sägewerkbesitzers, renovieren konnte - samt des stolzen Fachwerkgiebels zur Hauptstraße hin, den Gutekunst jünger als das Haupthaus datiert.

Dass die Brenners geschäftstüchtige Leute waren, beweist im Übrigen die Geschichte mehrerer Auswanderer aus der Sippe nach Amerika. Viele seien zu Reichtum gekommen, heißt es aus Familienkreisen.

Der zuletzt genannte Jakob Brenner gab seinem Sohn wieder denselben Vornamen: Jakob. Dieser wurde 1949 zum Oberschwandorfer Bürgermeister gewählt und blieb es bis 1966.

Bis zuletzt wohnten Familienmitglieder in dem Haus - bis die Stadt Haiterbach es erwarb, die darin nun Flüchtlinge unterbringen will. Danach soll das Hofhaus wie auch die anderen alten Bauernhäuser, die von der Stadt Haiterbach im ganzen Stadtgebiet für die Unterbringung von Asylsuchenden aufgekauft wurden, im Rahmen der Ortskernsanierung einem Neubau weichen.

Man findet immer noch historische Ecken

Der Glanz früherer Zeiten ist von dem Gebäude längst gewichen. Das Brennerhaus wirkt heruntergekommen, die Böden sind schief, der Fachwerkgiebel neigt sich drohend nach innen. Nur notdürftig wurde mit Brettern das wankende Dachgebälk stabilisiert. Und doch findet man in dem Gebäude noch historische Ecken. Und man erkennt bis heute allein an der Zahl der Zimmer auf zwei Stockwerken, wie groß und wie herrschaftlich das Hofhaus einst gewesen sein muss.

Walter Gutekunst denkt noch gern an seine Kindheit zurück, als er mit dem Fahrrad von der Schule in Nagold kam: "Das erste, was ich vom Dorf g’seha hab, war der schöne Giebel. Das war a Freud’".

Dass dieser Giebel samt Haus aus dem Dorfbild verschwinden soll, ist für den 91-Jährigen nur schwer nachvollziehbar: "Ich hab’ was übrig für das Alte. Und das tät mir weh". Es sei für ihn ein Stück Heimat, das unwiderruflich verloren ginge.

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