Seit 40 Jahren ist das Haigerlocher Narrenblättle auf dem Markt – seine aktuelle Ausgabe bringt wieder manch kuriose Begebenheit im Städtle ans Tageslicht.
Die Haigerlocher Narren sind wieder unter die „schreibende Zunft“ gegangen und haben – getreu der über 125-jährigen Tradition der Herausgabe von Narrenzeitungen – zu Beginn dieser Woche druckfrisch, den „Städtlesrutscher“ veröffentlicht.
Ehrenzunftmeister Eberhard Butter und einem treuen Stamm von Mitschreibern ist es zu verdanken, dass das „Nichtamtliche Intelligenzblatt der Stadt Haigerloch“ seit vier Jahrzehnten lesenswerte und amüsante Fasnetslektüre bietet.
Auch 2026 schaut der „Städtlesrutscher“ wieder hinter die Kulissen in den Amtsstuben der Stadt wie auch innerhalb der Zunft selbst, er beäugt aber ebenso wie gewohnt Vereine und Gaststätten. Auf den 20 Seiten werden außerdem Missgeschicke von Privatpersonen aufgedeckt.
Die von Zunftkünstler Klaus Drescher gestaltete Titelseite in orange-gelb greift das 40-jährige Jubiläum des Haigerlocher Narrenblättles in der Gestalt eines in Gedanken versunkenen und angestrengt überlegenden Zunftdichters an seinem Schreibpult auf – mit dem Hinweis „Zum Vierzigsta älles Guate“.
Die Zeit – ein Phänomen
Dann geht es auf den folgenden Seiten rund. Da wird zunächst das „Haigerlocher Zeitzonenspektakel“ auf die Schippe genommen, denn die einzelnen Uhren am Römerturm zeigten im vergangenen Jahr über eine lange Zeitspanne hinweg verschiedene Uhrzeiten für die Unter- und Oberstädtler an: „Es war als lebten die Stadtbewohner in zwei verschiedenen Welten. Während die Unterstadt in voller Blüte ihre Arbeitskraft entfaltete, hing in der Oberstadt noch der süße Duft des Schlafs in der Luft“, so liest man da.
Und auch folgender Frage geht das Intelligenzblatt nach: „Mit welchem Maßstab wurde das 20 Zentimeter höhere Geländer in der Oberstadtstraße gemessen?“ War es das Landratsamt oder das Bauamt der Stadt?“. Kommentar der närrischen Redaktion: „Mit einem Schluck Martini im Bauch, sieht das Geländer erträglich aus“. Und im Anzeigenteil wirbt die „Krone“ damit, dass gegen eine Gebühr von einem Euro ein „Podestle“ ausgeliehen werden kann, um auf der gegenüberliegenden Aussichtsplattform über das zu hohe Geländer einen Blick aufs Städtle zu werfen.
So füllt man die Stadtkasse
„Kreativ gegen die Haushaltskrise“ haben die Zunftschreiber auch eine Lösung für den Hilferuf des Haigerlocher Bürgermeisters nach mehr finanziellen Einnahmen: Man könnte doch den Haigerlocher Wasserturms als große Werbefläche vermieten und das Betongrau mit bunten Werbesprüchen verzieren.
Auch wie die im letzten Jahr stets zu spät abgeholten Mülleimer das Städtle „zierten und aufhübschten“ ist den Narren nicht entgangen; ebenso die „Silberstreifen“ auf der Turmhaube der Schlosskirche als eventuell neue „Touristenattraktion“
Weitere Details aus den „Amtlichen Nachrichten“ sollen noch nicht verraten werden. Im „Städtlesrutscher“ gibt es natürlich auch wieder eine Rubrik „Zünftiges“; nämlich Hintergründiges aus der Narrenzunft selbst. Da werden Malheurchen von aktiven Dominos genauso aufgedeckt wie Neuigkeiten von „Fledermausausflügen“ berichtet. Den Bräutelbuben wird ein übereiltes „Traditionswahren“ nachgesagt. Sie hatten beim jüngsten Narrentreffen in Ehingen auf ihrem Heimweg einen ihrer Meinung nach zu früh abgebauten Christbaum entdeckt und schleppten diesen tatsächlich in ihr Zimmer. Bevor es am Sonntagmorgen zum Umzug ging, sah man die beherzten Bräutelbuben dann beim Saugen und Kehren der Tannennadeln und abgebrochen Zweige im Zimmer, Flur und Treppenhaus des Hotels.
Neugierig? Einfach lesen
Natürlich werden im Narrenblättle unter „Bekanntes und Unbekanntes“ kuriose Vorfälle ans Tageslicht gebracht. Weiter sind unter den Rubriken „Wirtschaftsteil“ oder „Wussten Sie schon?“ weitere Ungeschicklichkeiten bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten dem närrischen Spott ausgesetzt.
Unter „Zermischtes“ und dem „Vereinsleben“ weiß der „Barockengel mit Rätsche“ einige weitere Missgeschicke zu verkünden. Mehr soll, wie gesagt, nicht verraten werden, damit das Narrenblättle beim Lesen noch Überraschungen bereithält und die Lektüre Spaß macht.