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Haigerloch Zwischenschritt auf dem Weg in die Zukunft

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Der Anbau ans Pezet-Produktionsgebäude in einer Computer-Visualisierung und in einer Planskizze. Er soll dort entstehen, wo derzeit Flatterband für Untergrund-Untersuchungen die (noch vorhanden) Parkplätze absperrt. Foto/Skizzen: Kost/Pezet AG Foto: Schwarzwälder Bote

Zwischenschritt statt großer Lösung: So sieht die derzeitige Zukunftsplanung im Haigerlocher Unternehmen Pezet AG aus. Anstatt eines kompletten Neubaus im neuen Haigerlocher Gewerbegebiet "Lichtäcker" entsteht nun ein Anbau auf dem bisherigen Betriebsgelände im Madertal.

Haigerloch. Rückblende, Mai 2019: Pezet-Vorstand Jürgen Springindschmitten stellt der Öffentlichkeit Pläne für einen 12 500 Quadratmeter großen Neubau vor. Dieser soll im frisch von der Stadt erschlossenen Gewerbegebiet "Lichtäcker" entstehen. Der Neubau mit Produktionshalle, Lager und Verwaltung soll gut ein Drittel größer als der bisherige Pezet-Firmensitz werden. Mit ihm will das Unternehmen drängende Platzprobleme lösen und dank Produktion und Materialfluss auf einer Ebene (Lean Production) den Weg in eine erfolgreiche Zukunft gehen.

Wenige Tage nach der Präsentation der Neubau-Pläne rollen die Bagger an und beginnen damit, das neue Firmengelände einzuebnen. Doch dabei bleibt es dann auch. Nach der Planierung des Geländes erfolgten keine weiteren Bauaktivitäten auf "Lichtäcker".

Warum geht es auf der Baustelle nicht weiter? Eine Frage, die man in der Folgezeit im Stadtgebiet häufig zu hören bekommt. Und als vor wenigen Tagen im Weildorfer Ortschaftsrat ein Pezet-Baugesuch für einen Anbau auf dem jetzigen Firmengelände auf den Tisch kommt, dürfte dies die Spekulationen weiter befeuert haben.

Pezet-Vorstand Jürgen Springindschmitten sah also die Zeit gekommen, um die Situation und die nächsten strategischen Schritte seines Unternehmens zu erklären. Das tut er offen und durchaus selbstkritisch.

Wegen Verzögerungen aus internen und externen Gründen sei die vierjährige Planungszeit für den Neubau einfach viel zu lang gewesen, so der Pezet-Vorstand. Somit haben man das Ziel verpasst, in der Boomphase und noch vor dem wirtschaftlichen Abschwung mit dem neuen Werk auf "Lichtäcker" Geld verdienen zu können. Springindschmittens Fazit: "Der Baubeginn war zweieinhalb Jahr zu spät."

Und dann kam auch noch die Corona-Krise dazu. Dies alles führte die Unternehmensleitung zu der Einschätzung, dass das unternehmerische Risiko für einen Neubau auf "grüner Wiese" in der aktuellen Situation viel zu hoch ist. Deshalb habe man sich gemeinsam mit dem Aufsichtsrat für einen Zwischenschritt entschieden.

Und der heißt Anbau statt Neubau. Dieser – er umschließt eine Fläche von 1200 Quadratmetern – soll entlang der Ostseite der Produktionshalle entstehen. Der zweigeschossige Anbau ist zehn Meter breit und 60 Meter lang. In ihm entstehen eine Reinraum für Bauteile, die in der Medizintechnik benötigt werden, zudem will man dort neue Maschinen für den Werkzeugbau unterbringen.

Parkplätze werden auf die "grüne Wiese" verlegt

Die Umsetzung dieses Konzeptes ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Da baubedingt 37 Parkplätze wegfallen, entsteht auf einer Wiese neben der Firmenzufahrt ein geschotterter Parkplatz mit 45 neuen Stellplätzen. Da Pezet durch den Anbau auch näher an das benachbarte Gebäude der Firma Theben heranrückt, muss die Straße zwischen den beiden Betriebsstätten um ein gutes Stück in östlicher Richtung verschoben werden. Auch Bauarbeiten zur Verlegung von Starkstrom und die Neuverlegung des Abwasserkanals sind erforderlich.

Für Springindschmitten stellt dieser Kompromiss zwar "keine Lösung für die nächsten zehn Jahre dar", angesichts des hohen investiven Aufwandes ist er aus seiner Sicht jedoch weit mehr als eine Notlösung: "Es ist ein Zwischenschritt, der uns dabei hilft, die Probleme zu lösen, die uns am meisten drücken."

Denn im Blick auf die Zukunft will Pezet die Produktion von Kunststoffteilen ausweiten, die in der Medizintechnik eingesetzt werden. Das stellt nach der aktuellen Revision der entsprechenden EU-Medizinnorm jedoch hohe Anforderungen an die partikelfreie und toxikologisch und biologisch reine Herstellung solcher Teile. Pezet ist zwar schon seit 2018 nach dieser Norm zertifiziert, benötigt aber einen Reinraum der ISO-Klasse 8, um die geforderten Produktionsstandards erfüllen zu können.

Aber auch der Werkzeugbau profitiert von dem Anbau. Dieser hat aufgrund der fehlenden baulichen Voraussetzungen in den vergangenen sechs Jahren nur wenig Modernisierung erfahren. Mit der jetzigen Baumaßnahme werden Maschinen und Prozesse so weit erneuert, dass die Produktivität bei gleichem Personalstand um 25 Prozent gesteigert werden kann. Die neuen Maschinen werden laut Springindschmitten übrigens dank des viel geringeren Energieverbrauches von der EU bezuschusst.

Der Pezet-Vorstand und sein Produktionsleiter Robert Henne freuen sich, dass man mit den Genehmigungen für den Anbau schon relativ weit ist und die internen Gremien, die Behörden und die Finanzierer voll hinter dem Projekt stehen. Los gehen sollen die Bauarbeiten nach der Urlaubszeit. Ziel ist es, dass die für den eigentlichen Neubau auf "Lichtäcker" bestellten Werkzeugbau-Maschinen – sie werden Ende des Jahres geliefert – schon im Winter im Anbau zumindest untergebracht werden können. Mitte des nächsten Jahres, so hofft Jürgen Springindschmitten, soll dann die Produktion aufgenommen werden können.

Und wie sieht es mit der Pezet-Neubau im neuen Gewerbegebiet "Lichtäcker" aus? "Wir, die Pezet AG und auch die Theben AG als Hauptgesellschafterin, stehen weiter zu diesem Projekt", betont Firmenchef Jürgen Springindschmitten. Die Pläne dafür seien fertig, sobald die Wachstumszahlen wieder stimmen, werde man es weiterverfolgen.

Dass man jetzt nicht weitergebaut hat, hat aus seiner Sicht auch eine positive Seite. Der planierte Untergrund werde mit jedem Monat besser, wenn da noch zwei, drei Winter drüber gingen, meint er, sei die Festigkeit des Bodens optimal.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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