Eigentlich ist schon entschieden, dass der Kindergarten in Stetten dort bleibt, wo er ist und nicht in die Werkrealschule umzieht. Aber die Flamme der Enttäuschung über diese Gemeinderatsentscheidung flackert immer noch. Archivfoto: Kost Foto: Schwarzwälder Bote

Kleinkindbetreuung: Enttäuschung über Gemeinderatsentscheidung klingt im Ortschaftsrat nach

Die Enttäuschung darüber, dass in der Debatte um die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze an Kindergärten der Standort Stetten leer ausgegangen ist, sitzt noch tief. Erneut wurden junge Frauen und auch die Kindergartenleiterin Dagmar Pfeffer deshalb im Ortschaftsrat vorstellig.

Haigerloch-Stetten. Keine statt einer ganz großen Lösung: So sieht die Lage aus, nachdem der Haigerlocher Gemeinderat Ende April sich dazu entschieden hatte, nicht rund 3,8 Millionen Euro in den Umzug des Stettener Kindergartens und der Ortschaftsverwaltung in die leer stehende Werkrealschule zu investieren, sondern für weit weniger Geld (rund 900 000 Euro wurden als Hausnummer genannt) den Neubau eines Kindergarten im Bereich zwischen Haigerloch, Weildorf und Bittelbronn zu prüfen.

Sowohl Sabrina Neumann als auch die Elternbeiratsvorsitzende Birgit Pfeffer und Kindergartenleiterin Dagmar Pfeffer sparten am Montagabend nicht mit offener Kritik. Aus ihrer Sicht hätte die Entscheidung im Gemeinderat anders ausfallen können, wenn der Ortschaftsrat Stetten sich für den Kindergartenumzug stark gemacht hätte. "Ich finde es sehr traurig, dass sich der Ortschaftsrat nicht für einen Umzug eingesetzt hat", sagte Birgit Pfeffer.

Dagmar Pfeffer war sich sicher, dass der Gemeinderat die Situation vor Ort nochmals in Augenschein genommen hätte, wenn die entsprechenden Signale ausgesendet worden wären. Behauptungen, dass ausschließlich die Erzieherinnen sich einen neuen Kindergarten wünschen und die Eltern dies gar nicht so sehr fordern, wies sie energisch zurück.

Stattdessen wies Dagmar Pfeffer auf den Ernst der Lage hin: man habe zehn Plätze für U3-Kinder zur Verfügung, bis September 2022 würden 18 Kinder auf der Warteliste stehen – und zwar alle aus Stetten und nicht aus dem ganzen Stadtgebiet. Ab Februar 2024 werde auch das Platzangebot für Ü3-Kinder in Stetten knapp.

Auch Sabrina Neumann war der Meinung, dass die Zahlen im Kindergartenbedarfsplan der Stadt allenfalls eine Momentaufnahme seien, den tatsächlichen Bedarf aber nicht hundertprozentig widerspiegeln.

Viele Vorhaltungen also, gegen diese setzten sich Ortsvorsteher und Ortschaftsrat jedoch zur Wehr. "Es ist nicht wahr, dass der Ortschaftsrat den Kindergarten nicht unterstützt hat", antwortete Ortsvorsteher Walter Stocker. Schon in den Jahren 2018 und 2019 habe man sich mit dessen Situation befasst und sei sich mit allen Beteiligten über eine Erweiterung am jetzigen Standort einig gewesen.

Dann aber sei "aus heiterem Himmel" der Vorschlag gekommen, den Kindergarten ins Schulgebäude umzusiedeln. Und ab da sei damit begonnen worden, den alten Standort systematisch schlecht zu reden. Dabei stünde der so miserabel nicht da. Stocker: "Allein auf der Außenspielfläche mit 3500 Quadratmeter können laut KVJS-Richtlinien (Kommunalverband für Jugend und Soziales) 310 Kinder spielen."

Dass sich der Gemeinderat angesichts schwer zu finanzierender Kosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro für einen günstigeren Neubau nahe der Kernstadt entscheide, sei für ihn absehbar gewesen, so der Ortsvorsteher. Stocker: "Dass es so laufen wird, habe ich schon im November gesagt."

Auch Matthias Deppert, Armin Bauer und Matthias Klingel sprangen ihrem Ortsvorsteher bei und bekräftigen, dass der Ortschaftsrat Stetten mitnichten den Bedarf nach ortsnahen Betreuungsplätzen ignoriere, sondern sich mit dem Thema mehrfach befasst habe.

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