Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Haigerloch Statistiken, Rezepte und ein Blick nach Moria

Von

Auch nach der schrittweisen Schulöffnung ist das Schulleben noch weit von Normalität entfernt. Eingeschränkter Unterricht, halbierte Klassen und für manche Jahrgänge tagelange Warteschleifen, bis sie endlich das Schulgebäude wieder betreten dürfen. Not macht jedoch bekanntlich erfinderisch.

Haigerloch. Und so hat sich die Klasse 8b des Haigerlocher Gymnasiums gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin daran gemacht, eine Klassenzeitung zu erstellen. Schon im April trudelten die ersten Artikel in der "Redaktion" der Lehrerin ein und im Mai hielten die Schüler- und Schülerinnen ihr erstes gedrucktes Exemplar in den Händen. Schülerin Lena gab ihren Artikel mit den Worten ab: "Das war wirklich eine tolle Idee und hat viel Spaß gemacht!"

Einen bunten Themenfächer hatten sich die Achtklässler selbst ausgedacht und sich damit auch gegenseitig überrascht. Neben tagebuchartigen Gedanken zur Corona-Zeit und einem Pro und Contra zum Thema Homeschooling, fanden Empfehlungen für YouTube-Kanäle, Rezepte, Knobelaufgaben, Personenporträts, Workout-Ideen und Bauanleitungen den Weg ins Blatt.

Unmerklich und unbeschwert und ohne den Blick auf den Lehrplan bildeten die jungen Haigerlocher Gymnasiasten zum freudigen Erstaunen ihrer Lehrerin doch das Spektrum desselben ab. Was im Erwartungshorizont des Bildungsplans so klingt: "Standpunkte vertreten – argumentieren", "Sachtexte untersuchen", "Texte auswerten", "Arbeitsabläufe beschreiben", schlug sich dann in Artikeln aus der Lebenswelt der Schüler- und Schülerinnen nieder.

Zudem musste für die Zeitung auch ein Cover gestaltet, ein Name gefunden sowie Informationen recherchiert werden. Sogar das Ressort "Außenpolitik" wurde von einer Schülerin bedient. Sie hatte sich mit den Zuständen im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos beschäftigt und ein nachdenkliches Fazit formuliert: "Wir, die nicht als Flüchtlinge solchen Situationen ausgesetzt sind, sollten uns also jedes Mal, wenn wir wieder dabei sind zu meckern, daran erinnern, dass wir es doch eigentlich ganz gut haben. Wir haben genügend zu essen und zu trinken, Seife und Klopapier für die notwendige Hygiene und können problemlos Abstände einhalten, weil wir nicht einmal zur Schule müssen. Also genießen wir doch, auch in dieser Corona-Krise, unsere privilegierte Situation ein bisschen. Unsere Langeweile ist ein Luxusproblem!"

Wie schwierig es ist, ihre Zöglinge in diesen Zeiten bei Laune zu halten, haben vermutlich die meisten Lehrer- und Lehrerinnen zu Hause in der digitalen Begegnungswelt erfahren. Umso erfreuter war die Lehrerin der 8b darüber, dass sich ihre Klasse sogar für eine Juni-Ausgabe motivieren ließ.

Nach Schüler Dennys indirekter Aufforderung "Ich würde mich sehr freuen, wenn wir noch eine Ausgabe machen", war der Entschluss schnell gefasst. Erneut machte sich die Klasse daran, nun schon bekannte Ressorts weiterzuführen und neue Ideen in den Blick zu nehmen: Covid-Statistiken betrachten, ein Corona-Gedicht, eine Mundschutz-Nähanleitung, eine Buchempfehlung, standen dieses Mal im Fokus der jungen Schreiber und Schreiberinnen. Aufgrund der Reisebeschränkungen machte sich Viviana daran, ihre Mitschüler in der Juni-Ausgabe auf eine Traumreise nach Schottland mitzunehmen.

Auch zu diesem Zeitungsartikel wurde die Lehrerin von einem Schüler ermuntert: „Wenn sie wollen, könnten Sie ja vielleicht der Zeitung Bescheid geben, dass wir eine Klassenzeitung schreiben. Dann könnten die Leute rund um den Zoller auch mal erfahren, was wir in der Coronazeit noch so machen, um vom Schulstress runter zu kommen. So können wir vielleicht auch andere Klassen dazu bringen, ebenfalls so viel Spaß beim Gestalten einer Klassenzeitung zu haben, um nicht immer nur an Schule zu denken."

Letzten Endes war die Zeitung also auch ein Loblied auf analoge Welten in einer Welt, in der man immer seltener etwas "schwarz auf weiß" besitzt und getrost "nach Hause tragen" kann.

Eins ist für die Deutschlehrerin dieser Klasse schon jetzt sicher: Die Unterrichtseinheit zum Thema Zeitung im kommenden Schuljahr wird bei diesen Kindern auf offene Ohren stoßen.

Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Haigerloch

Thomas Kost

Fax: 07433 901-829

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.