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Haigerloch "Sogar d’Bohnastecka sind v’rfraora"

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Zum vierten Mal gab es in Haigerloch einen Mundartstammtisch. Im Bittelbronner Gasthaus Rössle begeisterten zunächst die "Gluzger" aus rottenburg (oben) das Publikum. Hervorragend auch die Auftritte der Amateur-Schauspielerin Anneliese Kopp (links unten) und des Hechinger Zauberers Artur Zeeb (rechts unten). Fotos: Gaus Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Feuerwerk schwäbischer Unterhaltungskunst erlebten die Zuschauer des vierten Haigerlocher Mundart-Stammtisches am Freitagabend im Bittelbronner "Rössle".

Haigerloch-Bittelbronn (wg). Der Mundartautor Werner Gaus als Vertreter des veranstaltenden Vereins "schwäbische mund.art" moderierte die gut besuchte Veranstaltung. Als Stargäste konnte er die populäre Schwoba-Jazzband "Die Gluzger" aus Rottenburg begrüßen, die in diesen Tagen ihr 40-jähriges Jubiläum feiern dürfen. Ein Heimspiel hatte hierbei deren aus Haigerloch stammender Bandleader Rupert Leger, der es sichtlich genoss, mal wieder in heimischer Umgebung auftreten zu dürfen. 

Mit einigen ihrer bekanntesten schwäbischen Titel ("Hol Moscht", "Knoblauch", "Kehrwochablues", "Äbbes") und den themenbezogenen Titeln wie "I suach mei Brill" nach der Melodie des Fats-Domino-Hits "Blueberry Hill", "Raus aus am Kreiz ond nei ens Rössle" oder ihr kurzer Pausenhit "Nao noo Duurscht" gelang es ihnen schnell, die Herzen des Publikums zu erobern. Bei einem 20er-Jahre-Medley ließ sich ein Pärchen sogar zu einem Charlston-Tanz animieren.

Im offenen zweiten Teil des Abends bestand wie immer für das Publikum die Gelegenheit, selber aufzutreten, um eigene Texte zu präsentieren. Von dieser Möglichkeit wurde auch reger Gebrauch gemacht.

Den Anfang machte der aus Waldenbuch stammende Mundartdichter Herbert Demel. Die ersten Lacher erntete er bei der Erzählung alter Waldenbucher Episoden wie aus jener kalten Winternacht, in der selbst die Bohnenstangen im Gemüsegarten erfroren. Mit Titeln wie "’S Nähkäschtle von d’r Oma" oder "’S Badhaus em Dörfle" zitierte er einige Titel seines Waldenbuch-Büchleins, die er mit Geschichten wie "’S Gsangbuach em Kraut" oder der Zeitungsanzeige "Tausche Hond gega Frau" ergänzte. "Den Tausch dät i ao gern macha", wie Demel kommentierte. 

Die mit Abstand weiteste Anreise hatte Gertrudis Weiß aus Offenburg, der Metropole der Ortenau. In einem Streifzug quer durch die badischen und schwäbisch-alemannischern Sprachräume rezitierte sie unter anderem Gedichte von Helmut Pfisterer, Petra Zwerenz, Margret Mauthe, Manfred Mai und natürlich Sebastian Blau (D’r Neck’r). Auch der Haigerlocher Mundartautor Heinz E. Hennige wusste mit einigen zündenden Sprüchen das Publikum zu begeistern.

Schwäbische Magie wurde als nächstes von Moderator Gaus angekündigt. Der Hechinger Zauberer Artur Zeeb zog mit seinen Zaubertricks das Publikum in seinen Bann. Unter Mithilfe verschiedener Zuschauer gelang es ihm, Illusionen und magische Momente in den Saal zu zaubern.

Ein absolutes Highlight des Abend war der überraschende Auftritt der Amateur-Schauspielerin Anneliese Kopp aus Bodelshausen. In einer temperamentvollen Darbietung, reich an schauspielerischer Mimik und Theatralik, bewies das aus Wessingen stammende Temperamentsbündel das in ihr steckende Bühnentalent, welches sie einstmals bei Auftritten mit ihrer eigenen Theatergruppe oder im ehemaligen Sketchduo "Schwäbisch mit Schuss" immer wieder unter Beweis stellte. "Em Hemm’l wird am Sonndig it g’schafft, erst recht it kocht", betonte sie etwas spöttisch in ihrer Erzählung von dem enttäuschten Schwaben im Himmel, wo es jeden Tag dreimal nur "Milch ond Eibrockets" gab, wohingegen in der Hölle köstliche Fleischspeisen aufgetischt wurden.

Den letzten Publikumsbeitrag steuerte  die Rottenburger Stadtführerin und dort als schwäbisches Wäschweib "Berta Sauberle" bekannte Martha Engstler bei mit bekannten und auch weniger bekannten Gedichten des "Raottaburger" Ehrenbürgers Josef Eberle alias Sebastian Blau.

Den krönenden Abschluss des absolut vergnüglichen Abends lieferte Gastwirt Werner Fechter mit seinem Akkordeon. Gemeinsam mit Moderator Werner Gaus lud er das Publikum zum gemeinsamen Singen ein.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Haigerloch

Thomas Kost

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