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Haigerloch Neue Heimat auf der Alb gefunden

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Foto: Schwarzwälder Bote

Im Rahmen seiner historischen Forschungen stieß Heimathistoriker Heiko Peter Melle auf einen interessanten Zusammenhang und auf die bereits 1837 abgebrochene Kirche in Haigerloch. Die Heiligen Ulrich und Augustinus sind von dort auf Umwegen nach Lautlingen gekommen und werden hier in Ehren gehalten.

Albstadt/Haigerloch. In der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptista in Lautlingen stehen fast lebensgroß die beiden heiligen Bischöfe Ulrich und Augustinus. Die Figuren sind 162 Zentimeter groß und wurden vermutlich zwischen 1720 und 1730 geschnitzt. Ihren Urheber konnte Heiko Peter Melle bisher noch nicht herausfinden, dafür wird noch ein tieferes Aktenstudium notwendig sein. In jedem Fall jedoch haben beide Figuren eine tiefe künstlerische Aussage.

Die Herkunft der beiden Heiligen war für Melle jedoch interessant: Sie stammen aus der früheren St.-Ulrich-Kirche in Haigerloch, auch Oberstadtkirche genannt. Das Internet bot hier zunächst wenig Anhaltspunkte, außer, dass der so genannte "Römerturm" auch einmal der Glockenturm von St. Ulrich gewesen ist. Im Staatsarchiv Sigmaringen wurde er dann fündig und so wurde ihm klar, was da abgebrochen worden war – die Oberstadtkirche, sie musste für ein Försterhaus Platz machen.

Römerturm ein "Campanile"

In den umfangreichen Akten des Staatsarchives fand sich auch ein Grundriss, der mittels etwas grafischer Arbeit am Computer in einen neuzeitlichen Plan integriert werden konnte und schon weiß man wo im heutigen Stadtgefüge diese Kirche stand. Erwähnt wird sie meistens nur dann, wenn es um den Römerturm geht, der 1744 bis 1746 den zweigeschossigen achteckigen Aufbau mit der welschen Haube erhalten hat und ab dieser Zeit als Glockenturm für diese Kirche fungierte.

Der geniale Haigerlocher Baumeister Christian Großbayer plante und führte den Bau aus. Allerdings wurde bei einem furchtbaren Unfall, als ein Holzklotz vom Turm geworfen wurde, der dortige Pfarrherr erschlagen. Der Turm wurde deshalb umgebaut, weil der eigentliche Turm von St. Ulrich so baufällig war, dass sich kein Handwerker traute, ihn für Reparaturen zu betreten. Was lag also näher, als den nahegelegenen romanischen Turm der früheren Burg quasi als eine Art "Campanile" zu nutzen?

Laut dem überlieferten Grundriss besaß die Oberstadtkirche einen gerade abgeschlossenen Chorraum an den direkt die vermutlich 1348 gegründete Klause angebaut war. Hier wohnte eine Ansammlung frommer Frauen, die sich vermutlich den Regeln der Franziskanerinnen angeschlossen hatten, allerdings ohne das ewige Gelübde abzulegen. Diese Art Ansammlung gab es in vielen Städten und sie entstanden im 13. Jahrhundert als Beginenhäuser.

Über die Jahrhunderte hatten die Klausnerinnen einigen Besitz angesammelt, vermutlich auch durch Stiftungen frommer Haigerlocher Bürger. Mitte des 16. Jahrhunderts zerstörte ein Brand die Klause, und die letzten beiden Schwestern fanden Aufnahme im nahen Kloster in Gruol, das später als Vermächtnis über dieses Vermögen bestimmen konnte.

Allerdings bestimmte Graf Christoph von Hohenzollern-Haigerloch mit seiner Gemahlin Katharina, geborene von Welsperg später, dass das Vermögen der untergegangenen Klausen Haigerloch, Stetten und Weildorf für den Bau der Haigerlocher Schlosskirche verwendet werden solle, wogegen sich die Ordensprovinz der Dominikaner heftig wehrte.

1837 bis 1839 brach man schließlich die alte Oberstadtkirche St. Ulrich ab und die dortigen Kunstgegenstände kamen teilweise in Privatbesitz und/oder später in den Antiquitätenhandel.

Als man in Lautlingen nach dem schweren Erdbeben vom 16. November 1911 eine neue Pfarrkirche im neobarocken Stil erbaute, war es der kunstsinnige Pfarrer Albert Pfeffer, selbst langjähriger Vorsitzender des diözesanen Kunstvereins Rottenburg, der aus seinem Privatvermögen einige Figuren ankaufte, um sie "seiner Lautlinger Kirche" zu stiften. Bischof Ulrich von Augsburg und den großen Kirchenlehrer Augustinus, die auf dem Hochaltar in Haigerloch gestanden haben könnten, erwarb er 1916 bei einem Kunsthändler namens Schweizer in Rottenburg.

Ob sie damals noch weiß mit goldenen Säumen waren oder sich schon im heutigen farbenfrohen Zustand befanden, überlieferte Pfeffer leider nicht. Nach mehreren Restaurationen haben sie in Lautlingen einen Ehrenplatz auf dem Seitenaltar der Evangelienseite gefunden, der von einem Altarbild mit dem Erzengel Michael geziert wird, das der Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll aus seinem Privatbesitz der Lautlinger Kirche schenkte.

Interessant ist auch was, die Buchstaben und Zahlen auf dem Lageplan aussagen, die Skizze basiert auf einem Grundriss aus dem Staatsarchiv Sigmaringen. Sie gibt Auskunft über Gebäude, Grundstücksnutzungen und auch deren damalige Bewohner. Die Übersicht: (a) Der alte Friedhof; (b) Zum Kaplaneihaus gehöriger Gemüsegarten; (c und e) Gemüsegärten des Raimund Fechter; (d) Gemüsegarten des Xaver Vogt; (f) Der Glockenturm (Römerturm); (188) Haus Johann Schullian; (189) Haus Raimund Fechter; (191) Haus Stephan Geigendasch, (193) Die Oberstadtkirche St. Ulrich; (194) Das Kaplaneihaus; (195) Haus Gregor Vogt; (196) Haus Joseph Eberhart.

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