Kunsthändler Apollyon (links Helge Biscalchin) beim "Ausverkauf" am Hof des Kaiser Romulus (sitzend,Max Waiblinger). Die Umsetzung eines Stückes von Friedrich Dürrenmatt gelang der Theater AG des Gymnasiums bestens. Foto: Gotthardt Foto: Schwarzwälder-Bote

Roms Ende: Theater-AG des Gymnasiums setzt vielschichtiges Dürrenmatt-Stück klasse um

Haigerloch. Lebhaft wie auf einem Hühnerhof ging es am vergangenen Freitag und Samstag im ausverkauften Fruchtkasten des Schlosses zu: Schülerinnen und Schüler der Theater AG am Gymnasiums Haigerloch führten die Dürrenmatt­-Komödie "Romulus der Große" auf.

Dürrenmatts 1949 uraufgeführtes "ungeschichtliches-historisches" Theaterstück bildet in vier Akten die Ereignisse in der Villa des letzten römischen Kaisers Romulus Augustus vom Morgen des 15. auf den 16. März 476 ab, als die Germanen sich anschicken, das Römische Reich zu erobern.

Reiterpräfekt Spurius Titus Mamma (Cecilie Fischer) prescht mit letzter Kraft in den Kaiserhof, um vor den herannahenden Germanen zu warnen. Weil der erschöpfte Bote von den Kammerdienern des Kaisers, (Alyssa Friederich, Fabienne Pieper) stoisch abgewiesen, dringt seine Warnung aber nur schwerlich zu Kaiser Romulus (Max Waiblinger verkörpert) durch. Dieser hat längst auf die Insignien höfischer Macht verzichtet und zelebriert auf seinem Kaiserhof ein beschauliches Landleben als Hühnerzüchter. Viel mehr als die Nachricht vom drohenden Untergang Roms interessiert ihn nämlich, welche seiner Hühner mit den Namen seiner kaiserlichen Vorgänger Eier gelegt haben.

Sieht der Imperator den Sinn seines Lebens in der Hühnerzucht, so pocht der Reigen der Hofbediensteten darauf, gegen die Germanen Krieg zu führen oder wenigstens vor ihnen zu flüchten. Sowohl der Innenminister (Hanna Fieler), als auch der Kriegsminister (Pia Haug), des Kaisers Frau (Thit Jørgensen) und seine Tochter (Deborah Kämmerling) richten entsprechende Appelle an den Kaiser. Vergeblich, denn Romulus hat einen anderen Plan: Da eine auf Blutvergießen gestützte imperialistische Machtpolitik, ihm zutiefst zuwider geworden ist, will er dem Kunsthändler Apollyon, (Helge Biscalchin in einer von drei Rollen) seinen Besitz verhökern. Auch Zeno der Isaurier, als oströmischer Kaiser-Kollege (Johanna Fischer), kann, entmachtet durch seine Kämmerer (Lea Schubert und Nastasija Dania), Romulus nicht mehr umstimmen. Als dann auch noch der Hosenfabrikant Cäsar Rupf (Maximilian Rath) das römische Reich durch Heirat der einzigen Tochter retten will, da wird’s dem Kaiser zu bunt. Er beschwört seine Tochter, den eigentlichen Geliebten Ämilian (Tom Kussberger), der gerade aus germanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, nicht zu verschmähen.

Am Ende scheitern alle Versuche zur Rettung des römischen Imperiums. Selbst ein Attentat auf den Kaiser misslingt. Und als der gesamte Hofstaat auf der Flucht vor den Germanen jämmerlich ertrinkt, quittieren sogar die Kammerdiener ihren Dienst.

Am Ende blickt Romulus furchtlos und allein dem Einmarsch der Germanen entgegen, jedoch, und sonst wäre es kein echter Dürrenmatt, kommt alles anders als gedacht: Germanenfürst Odoaker (Helge Biscalchin) entpuppt sich ebenfalls als "Hühnerzüchter von Format" und trachtet dem Kaiser gar nicht nach dem Leben, sondern schickt ihn würdevoll in Pension.

Eine engagierte Theatertruppe hat sich mit viel Lust und Können unter der Leitung von Kerstin Gotthardt an ein heute wenig gewürdigtes Stück herangetraut. Auch Schulleiter Helmut Opferkuch zollte den jungen Darstellern Respekt. Sie verschmolzen ganz mit ihren Rollen, waren gut aufeinander eingespielt und konnten den Zuschauer manches Lachen abringen konnten. Unterstützt wurden die jungen Schauspieler von zahlreichen Helfern hinter den Kulissen (Plakat: Marlon Bassi, Technik: Bastian Zappe, Clemens Gotthardt, Maske: Elisa und Julia Siedler, Bühnenbild: Theater AG und Stefan Möller, Kostüme: unter anderem Marianne Möller) – und das alles für nur zwei Aufführungen.