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Haigerloch Holzwirtschaft wird zum Minusgeschäft

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Foto: Kost Foto: Schwarzwälder Bote

Eigentlich war der Wald für die Stadt Haigerloch immer so etwas, wie für eine Privatperson das Sparbuch: Keine hochspekulative Aktie, sondern eine solide verzinste Geldanlage, die jedes Jahr etwas Gewinn abwirft. Doch das war gestern.

Haigerloch. Die Folgen des Klimawandels machen der Forst- und Holzwirtschaft zunehmend zu schaffen. Aufgrund von Trockenheit, Hitze, Stürmen und Borkenkäferplagen entstand 2018, 2019 und 2020 so viel Schadholz, dass in Europa der Holzmarkt zusammenbrach und in Deutschland der Markt durch Sturmholz überschwemmt ist. Im Jahr 2020 werden voraussichtlich bundesweit 170 Millionen Festmeter an Käferholz anfallen.

2019 sackte der Preis für Nadelholz laut Forstdirektor Hermann Schmidt derart dramatisch in den Keller, dass man im Haigerlocher Stadtwald den planmäßigen Holzeinschlag einstellte und nur noch Brennholz und nachgefragte Sondersortimente einschlug. So wurden nur 4635 von 8200 Festmetern eingeschlagen.

Das führte 2019 zu einem sechsstelligen Minus bei den Holzeinnahmen, das nur abgefedert werden konnte, weil auch die Ausgaben unter dem Planansatz lagen. So landete man am Ende bei einem noch verschmerzbaren Verlust von knapp 12 000 Euro.

Doch die Verlustwirtschaft setzte sich auch 2020 fort. Sturm Sabine im Februar sorgte laut Forstdirektor Schmidt dafür, dass man im Stadtwald mit viel Aufwand rund 2350 Festmeter Nadelholz aufarbeiten musste, um den Wald vor weiteren Schäden durch eine Borkenkäferausbreitung zu schützen.

Die Borkenkäferplage im Sommer blieb dann im Gegensatz zu 2018 und 2019 erfreulicherweise aus. Schmidt: "Es fielen nur 481 Festmeter Fichte und Tanne dem Borkenkäfer zum Opfer." Dennoch kochte die Waldwirtschaft auf Sparflamme, erst in diesem Oktober erholten sich die Preise für einige Sondersortimente wieder etwas, so dass man zum Beispiel Holz für einen Anbieter von Blockhäusern einschlagen könnte.

Insgesamt bleibt aber auch der Forstwirtschaftsplan 2020 hinter seinen Planzahlen zurück. Von 8600 Festmetern werden bis Jahresende laut Schmidt gerade einmal 5000 Festmeter eingeschlagen und dementsprechend liegen die Holzeinnahmen wohl um rund 125 000 Euro unter dem Planansatz. Aber auch die Ausgaben werden sich um 110 000 Euro reduzieren, so dass am Ende sich das Defizit wohl um die 20 000 Euro bewegt. Das ist deswegen nicht ganz so dramatisch, weil Schmidt und sein Team mit den Revierförstern Michael Bauer und Gabriel Werner sowie Sophie Remensperger ohnehin mit einem Defizit von 36 000 Euro gerechnet hatten.

Dieses Defizit fällt 2021 voraussichtlich noch viel größer aus. Weil die Holzerlöse auf der Basis von den schlechten Preisen für Sturm- und Käferholz kalkuliert sind, geht Hermann Schmidt von einem Minus von rund 104 000 Euro aus.

8300 Festmeter an Einschlag sind geplant, doch wenn der Preis weiter im Keller bleibt, so kündigte es der Chef des Forstbereiches Hechingen an, werde man nur sehr zurückhaltend Holz machen. Schmidt: "Wir hüten uns davor, Holz zu Schundpreisen einzuschlagen."

Doch es gibt Zeichen der Besserung. Ein Preis von 80 Euro pro Festmeter beim Fichtenholz guter Güte scheint realistisch und wenn sich diese Tendenz stabilisiert, wird man im Haigerlocher Stadtwald wieder mehr Holz fällen. Zudem könnte eine Förderung vom Bund das 2021 eingeplante Defizit ausgleichen. Nicht verzichten möchte man auf rund 50 000 Euro an Ausgaben, um Arrondierungen von Waldflächen hinzukriegen.

Der Haigerlocher Gemeinderat nahm den Vollzug des Waldwirtschaftsplanes 2020 zur Kenntnis und stimmte auch der Planung für das Jahr 2021 zu.

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