Sonntag Vortrag über jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg
Haigerloch (schu). "Jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg": Zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren beleuchten am Sonntag, 20. Juli, Robert Frank und Margarete Kollmar diesen Aspekt der Geschichte. in der ehemaligen Synagoge im Haag und auf dem jüdischen Friedhof.
"Pfui Teufel! Dazu hält man für sein Land den Schädel hin", zitiert Robert Frank einen entsetzten Ausruf des jüdischen Vize-Feldwebel Julius Marx, als dieser mit einem Fragebogen konfrontiert wurde. Dabei handelte es sich um die so genannte "Judenzählung" unter den Soldaten, angeordnet im Oktober 1916. Diese Diskriminierung der jüdischen Minderheit, die nicht nur in Deutschland alltäglich war, wird im Vortrag thematisiert. Die Teilnahme an Kriegen war für die Juden ein wichtiger Weg, um endlich die tatsächliche Gleichstellung (Emanzipation) zu erreichen. Ob sie nun im Ersten Weltkrieg gelang oder eben nicht gelang, bildet den Schwerpunkt des Vortrages von Robert Frank. An Einzelschicksalen wird verdeutlicht, wie der "Dank des Vaterlandes" unter der Nazi-Herrschaft auch in der Ermordung enden konnte.
Im zweiten Teil des Vortrags wird Margarete Kollmar die Vortragsbesucherinnen und -besucher auf den nahe gelegenen jüdischen Friedhof begleiten. Nach dem Ersten Weltkrieg gedachte man in Haigerloch der katholischen, evangelischen und jüdischen Gefallenen innerhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft mit Gedenktafeln. Der Volkstrauertag jedoch wurde in einer gemeinsamen Feier begangen. Auf dem jüdischen Friedhof befindet sich der Gedenkstein für die Gefallenen, der früheren jüdischen Gemeinde Haigerloch wie auch für einen russischen Gefangenen des Ersten Weltkriegs.
Margarete Kollmar ist Empirische Kulturwissenschaftlerin aus Tübingen. Robert Frank ist Lehrer und Heimatforscher aus Weildorf. Beide sind Mitglied im Vorstand und erweiterten Vorstand des Gesprächskreises ehemalige Synagoge Haigerloch. Der Vortrag beginnt um 11 Uhr.