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Haigerloch Enge Freundschaften gab es nicht

Von
Garry Fabian Foto: Schwarzwälder-Bote

Nein, es ist kein Blick zurück im Zorn: Garry Fabian, der als Kind das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt hat, hat seine Geschichte aufgeschrieben, um die heutige Generation am Schicksal der verfolgten Juden während der Nazi-Zeit teilhaben zu lassen.

Haigerloch. Geplant war eine Lesung Fabians in der Ehemaligen Synagoge aus seiner Autobiografie "Blick zurück – wie ein Stuttgarter Junge das KZ Theresienstadt überlebte" werden. Garry Fabian zog es jedoch vor, aus dem Gedächtnis heraus zu erzählen, was ihm und seiner Familien mit der Deportation 1942 nach Theresienstadt widerfahren ist.

Garry hieß damals noch Gerhard und war acht Jahre alt. Das Grauen des Lebens in dem restlos überfüllten Baracken, die körperlichen Entbehrungen, Krankheit und Hunger, die Willkür, Grausamkeit und der Zynismus der Deutschen, die Deportationen: Der 82-Jährige schildert dies sachlich aus der Distanz eines langen Lebens. Mit der Frage "Wie hast Du das empfunden?" könne er nichts anfangen. "Ich war ein Kind, ich kannte kaum Normalität. Ich habe gespürt, dass das Lagerleben nicht normal war, aber es war unser Alltag", meint er.

Die Ungewissheit, wer am nächsten Tag noch da sein wird

Er habe im Lager nie enge Freunde gemacht, erinnert er sich, denn man wusste nie, wer am folgenden Tag noch da war. Auch im Leben danach, in das er wie alle anderen Holocaust-Überlebenden mühsam zurückfinden musste, sei er sehr vorsichtig mit Freundschaften gewesen.

Das Leiden war für die Überlebenden nach dem Ende des Naziterrors noch lange nicht vorbei. Garrys Familie spürte, dass Europa ihr keine Zukunft bieten würde. Sie wagten den Neuanfang in Australien. Seine Töchter haben ihn schließlich ermutigt, sich mit seinen deutschen und jüdischen Wurzeln zu befassen und seine Geschichte aufzuschreiben.

Die Familie fühlt sich mit Deutschland verbunden, Töchter und Enkel haben sogar die deutsche Staatsbürgerschaft, "auch, wenn wir die Sprache nicht sprechen", wie Tochter Carol in der Synagoge erzählte. Trotz all der erlebten Grausamkeiten ist es Fabian in einem langen Prozess gelungen, den Deutschen zu vergeben, ohne die Gräuel zu vergessen. Es sei wunderbar zu sehen, wie jüdisches Leben heute in Deutschland wieder stattfinden kann, hat Fabian bei seinen Besuchen in Deutschland festgestellt.

Am Morgen hatten bereits die Oberstufenschüler des Gymnasiums Haigerloch einen ganz besonderen Geschichtsunterricht bekommen. Ungefähr 100 Jugendliche lauschten in der Aula aufmerksam den Worten Fabians und stellten zahlreiche Fragen, die sowohl das Alltagsleben im KZ Theresienstadt als auch das aktuelle politische Weltgeschehen betrafen.

Schüler überhäufen den Referenten mit vielen Fragen

"Haben Sie an Flucht gedacht?", "Konnten Sie Ihre Eltern in Theresienstadt treffen?", "Wie sah Ihr Tagesablauf aus?", "Was ist Ihre zentrale Erinnerung", "Haben Sie heute noch Kontakt zu ehemaligen Mithäftlingen?", "Was gab es zu essen?", interessierte die jungen Menschen ebenso, wie die Frage, in welcher Form ihn die aktuelle politische Lage beschäftige.

Durch die Begleitung von Fabians Tochter und dem SWR-Redakteur Joachim Auch, der 2003 eine Dokumentation über Fabians Leben gedreht hatte, wurde die Veranstaltung schnell zu einem lebendigen Dialog zwischen den Generationen.

Geduldig und offen gab Fabian Auskunft. Er sei dies den Menschen, die den Holocaust nicht überlebt haben, schuldig. Er halte die Erinnerung an diese dunkle Seite der deutschen Geschichte wach, damit sich Vergleichbares nicht wiederhole. Fabian betonte, wie wichtig ein versöhnlicher Blick nach vorne sei: "Hass ist eine so zerstörerische Emotion."

Der herzliche Applaus von Schülern, Schulleitung und Lehrern und nicht zuletzt die zwei Klezmerstücke, die Carlotta Koch auf der Geige vortrug, drückten Anerkennung und Dankbarkeit für diese Veranstaltung aus.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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