Die jungen Darsteller der Theater-AG des Gymnasiums überzeugten mit ihrer Aufführung von Max Frischs Andorra in der Owinger Eyachtalhalle. Foto: Fechter Foto: Schwarzwälder-Bote

Gymnasium: Theater AG zeigt "Andorra" von Max Frisch

Von Birgit Fechter

Haigerloch. Es war wahrhaftig keine leichte Kost, was die Theater AG des Gymnasiums auf der Bühne der Owinger Eyachtalhalle bot. Für das Publikum nicht, und vor allem nicht für die jungen Akteure selber, die in der sehr dialoglastigen Produktion "Andorra von Max Frisch um Vorurteile, Fremdenhass, Schuld und Verdrängung überzeugend spielten.

Erstes Bild: Ganz Andorra wird weiß getüncht, es soll ja alles schön aussehen. Aber die Angst vor einem Platzregen, der die Farbe abwaschen könnte, ist latent vorhanden. Nicht zu Unrecht: Fast jeder ist in dem Musterstaat Andorra schuldig geworden.

Das Stück zeigt, wie das angebliche jüdische Findelkind Andri (Timo Schittenhelm) – ein anfangs optimistischer junger Mann – durch Vorurteile, Fremdenhass und Feigheit zunächst gebrochen und dann vernichtet wird. Berufswahl, Partnerwahl, alles wird ihm verwehrt. Die Wahrheit wird nach Belieben verbogen und passend gemacht. Andri, der zunächst nicht begreift, was an ihm anders sein soll, nimmt sein Anderssein schließlich an.

Als sich sein leiblicher Vater zu ihm bekennt, ist es zu spät, die Vernichtungsmaschinerie durch die antisemitischen "Schwarzen" aus dem Nachbarstaat, die Andorra überfallen, ist längst ins Rollen gekommen. Einzig Andris Halbschwester Barblin (Marie Waiblinger) hält zu ihm, und sie endet in geistiger Umnachtung.

Natürlich hat niemand in Andorra Schuld an der fatalen Entwicklung. Es gibt Rechtfertigungen, aber keine Selbsterkenntnis. Denn schließlich ist ja allgemein bekannt, dass "der Jud" sein eigenes Unglück heraufbeschwört. Dass Andri gar kein Jude ist, habe man ja nicht wissen können.

Die Hauptdarsteller Marie Waiblinger, Timo Schittenhelm, der einzige männliche Darsteller, sowie Nastasja Dania als Vater und Lehrer, der an den eigenen Lügen zerbricht, zeichneten ihre Figuren überzeugend mit viel Leidenschaft.

Auch die anderen Protagonisten boten eine tolle Leistung: Julia Götz als brutaler Soldat, Doreen Kohle als profitgieriger Wirt, Laura Fechter als fieser Tischler, Marleen Hahn als wohlmeinender Pater, der das Unglück auch nicht verhindern kann, Patrizia Dania als feiger Geselle, Jasmin Friedrich als Doktor, der sein Mäntelchen nach dem Wind hängt, Carlotta Koch als "Jemand", Lisa Fecker als verzweifelte Stiefmutter von Andri und Kira Schneider als dessen leibliche Mutter. In weiteren Rollen waren Alexandra Ellinger, Marion Pötzsch, Antonia Reichmann und Tina Grözinger zu sehen.

Szenenapplaus blieb während des Stücks weitgehend aus, zu groß war die Beklemmung der Zuschauer über das Geschehen auf der Bühne. Zum Schluss war der Beifall für die großartige Leistung der Akteure dafür umso begeisterter. Eine sichtlich erleichterte und stolze Regisseurin Kerstin Gotthardt dankte allen Beteiligten, der stellvertretende Schulleiter Rolf Ege überreicht allen Darstellern und Helfern hinter den Kulissen je eine Rose.

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