Freizeit: Ob im orientalischen oder alpenländischen Stil – Reiner Müller aus Gruol gestaltet besondere Krippen
Wenn Reiner Müller von seinen Krippen spricht, ist sofort klar: für ihn ist das Krippen-Bauen mehr ein schönes Hobby für die Weihnachtszeit. Seine Krippen sind akribisch geplante und handwerklich ausgefeilte Kunstwerke – und die beschäftigen ihn so ziemlich das ganze Jahr über.
Haigerloch-Gruol. Mit dem Krippen-Virus ist der 57-Jährige seit rund fünf Jahren infiziert, als er seine erste Krippe baute – und eine Besserung ist nicht in Sicht. "Die Faszination steigt mit jeder Krippe, die man baut. Das ist wie eine Sucht", erklärt Müller, der sich in der Umgebung auch als Kunstmaler einen Namen gemacht und einige Hobbykünstler-Ausstellungen organisiert hat. Wer eine Krippe gebaut hat, baut wieder eine, ist er überzeugt.
Inspiration holt er sich in Südtirol, wo die Familie Müller gerne ihre Urlaube verbringt. Das Grödner Tal ist eine Hochburg der Krippenbauerkunst. Dort kauft der Gruoler seine Krippenfiguren, so nach und nach, denn die filigranen, handgefertigten Figuren sind nicht billig.
Nach der Größe der Figuren wird dann das Krippenbauwerk erstellt. Da gibt es fast so viele Regeln zu beachten wie bei einem Baugesuch für einen Neubau. Müller hat sich einem Kreis von Krippenbauern angeschlossen, die in den Sozialen Medien Erfahrungen austauschen, ihre Ergebnisse präsentieren, Tipps geben, aber gegebenenfalls auch hart kritisieren. Die Krippen-Parameter sind dabei genau festgelegt. So muss es in jeder Krippe Wasser geben – als Symbol für das Leben. Ebenso eine Brücke – sie steht für den Übergang vom Alten ins Neue Testament steht.
Die Gebäude werden aus Styrodur gemacht, ein besonders festes Styropor. Der Krippen-Rohling wird dann mit den verschiedensten Materialien so gestaltet, dass lebensecht wirkendes Gemäuer, Pflanzen, Felsen und Gelände entstehen. Für den Putz kommt zum Beispiel der Schleifstaub von Parkett zum Einsatz. Winzige Maiskolben gestaltet Müller aus Zahnstochern und Polenta. Für Dachrinnen hält Holz vom Holunderbusch her, Pflanzen werden aus Tuja und Lavendel gebastelt, Gras aus Dill und anderen Kräutern, und und und…. Da kommt der Künstler ins Spiel. Das ganze Jahr über sammelt Müller Materialien, sowohl in der Umgebung als auch bei Wanderurlauben in Südtirol, und findet Wege, sie haltbar zu machen.
Seitdem er vor fünf Jahren seine erste Krippe gebaut hat, hat der gelernte Maler viel dazugelernt. Inzwischen, erzählt er stolz, greifen Krippenexperten von Südtirol bis Neapel auch seine Ideen auf.
Für seine Familie hat Müller vor zwei Jahren eine orientalische Krippe gebaut. Die wird vom Beginn der Adventszeit bis Mariä Lichtmess am 2. Februar, ständig ergänzt. Der Beginn mit der Verkündigung Mariens, die Herbergsuche, die Ereignisse um die Geburt treten wie im Theater in den Mittelpunkt des Geschehens und rücken wieder in den Hintergrund, bis am 6. Januar die Heiligen Drei Könige mit Pomp einziehen. Auch die Flucht nach Ägypten wird nicht ausgespart.
So eine Krippe ist ständig im Wandel und im Werden. Für seine orientalische Familienkrippe hat Müller bisher rund 300 Stunden aufgewendet, für seine alpenländische, ein Prachtwerk aus Holz, schlagen etwa 230 Stunden zu Buche.
Müller fertigt auch Krippen im Auftrag. Der Kunde darf seine Ideen einbringen, aber dann bekommt er die Krippe erst zu sehen, wenn sie fertig ist. Und da nicht jeder zu Hause Platz für eine große Krippe hat, hat Reiner Müller für die Gruoler Dorfweihnacht im vergangenen Jahr eine neue Idee entwickelt: Er hat die Geschehnisse der Heiligen Nacht in einer großen Laterne aufgebaut. "Die passt in jedes Eck, und das ist auch praktisch, wenn man kleine Kinder hat, die kommen da nicht ran", erklärt Müller die Vorzüge dieser Variante.
In Südtirol, erzählt er abschließend, feiern die Krippenbauer übrigens Richtfest , wenn das Fachwerk-Gerüst der Krippe steht. Sie stoßen an mit einem Schnaps. "Und das mache ich auch", so der Krippenbauer schmunzelnd.