Foto: Kost Foto: Schwarzwälder Bote

Tüftler Yves Opizzo hat den Prototyp einer Sonnenuhr gebaut, die einem Corona-Virus verblüffend ähnlich sieht

Für den genialen Tüftler Yves Opizzo ist es gewissermaßen eine persönliche Form der Rache an der Corona-Pandemie. Der sympathische Südfranzose hat nämlich das Covid-19-Virus und dessen bizarre Ästhetik in einer Sonnenuhr nachgebildet – und fühlte sich danach gleich besser.

Haigerloch. Die optischen Darstellungen diesen winzigen Virus, das gerade mal einen Durchmesser von 0,12 Mikrometer erreicht (zum Vergleich: ein Haar misst im Durchmesser 20 Mikrometer), haben ihn fasziniert. So wie einen die schreckliche Schönheit eines Atompilzes fasziniert. "Alle dies Spitzen, bilden eine Art gnomische Krone", stellte er dabei fest.

Könnte man diesen Ansatz für eine Sonnenuhr in Globusform nutzen?, fragte sich der aus dem sonnigen Nizza stammende 69-jährige Sonnenuhren-Bauer, der schon eine gefühlte Ewigkeit in Haigerloch lebt. Ja man kann – und es ist von der Theorie her gar nicht so schwierig, die Erde ist nämlich seit fast anderthalb Jahrhunderten in 24 Zeitzonen eingeteilt und das lässt sich für den Bau einer Sonnenuhr perfekt nutzen.

Berechnungen, die Opizzo normalerweise für seine hochkomplexen Sonnenuhren anstellen muss, waren für die "Corona-Sonnenuhr" fast nicht nötig. Dafür viel Geduld und handwerkliches Geschick. Zunächst hat er sich einen Erdglobus von einer guten Marke beschafft und dann nach und nach mit einer kleinen Bohrmaschine von Hand jedes einzelne Loch gebohrt und die Gewinde für die darin zu verankernden Schrauben geschnitten.

Nur jede Zeitzone auf dem Globus als kleinen "Virenstachel" abzubilden, wäre aber doch ein bisschen wenig gewesen, denn das ergäbe gerade mal 24 Spitzen. Also hat Yves Opizzo für jede Zeitzone je einen Zeiger der sieben traditionellen Tierkreisdeklinationen hinzugefügt. Und – jetzt wird‘s richtig fachlich – nach dem Prinzip der "Erweiterten Minimalen Zone" zu den sieben Tierkreislinien die extremen Werte der Monddeklination hinzugefügt. Unterm Strich ergibt das pro Zeitzone neun Spitzen also insgesamt 216. Alle Schrauben haben somit einen astronomischen Sinn und damit sieht der Globus einem SARS-CoV2-Virus schon sehr, sehr ähnlich.

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht, denn das Konzept bietet für einen versierten Sonnenuhrenbauer wie Yves Opizzo einige Erweiterungsmöglichkeiten. So könnte man Spitzen bei den Hauptstädten jedes Landes oder an den Polarkreisen anbringen. Die Corona-Sonnenuhr hätte dann 48 weitere Schrauben oder, präziser gesagt: Zeiger.

Auch wenn sie naturgemäß etwas begrenzter als die vielen anderen komplexen Sonnenuhren ist, die Yves Opizzo bisher erschaffen hat (zum Beispiel den 2009 vorgestellte Himmelsapolyter der Sternwarte Rosenfeld oder die Sonnenuhr in Ahldorf), so lassen sich schon jetzt eine Vielzahl von Informationen daraus ableiten. Zum Beispiel lässt sich kinderleicht der Ort auf der Erde finden, an dem die Sonne gerade im Moment am höchsten steht oder die höchsten Stellen des Mondes.

Im Moment ist die Corona-Sonnenuhr freilich nur ein Prototyp, aber Yves Opizzo hat seinen Entwurf bereits dem mit ihm befreundeten promovierten Maschinenbau-Ingenieur Carlo Heller, Gründer und Inhaber von Helios Sonnenuhren, vorgestellt.

Wenn sich aus seinem Entwurf ein reale Sonnenuhr bauen ließe, wäre das für Opizzo grandios. Eine professionell aufgebaute Corona-Sonnenuhr mit einem Durchmesser von zwei Metern würde aus seiner Sicht eine faszinierende Licht-Schatten-Mischung ergeben.

Es wäre dem enthusiastischen und mehrfach bei Wettbewerben in Italien ausgezeichneten Uhrenbauer zu wünschen, dass sich solche Träume erfüllen. Denn die derzeitige Realität sieht für einen Mann wie ihn eher etwas trübe aus. Opizzo ist mit seinen Sonnenuhren gerne auf Kunstmärkten präsent, doch diese können wegen der Pandemie gerade nicht stattfinden.

Immerhin arbeitet er in diesem Jahr an einem Projekt auf dem Museumsgutshof "Villa Rustica" in Stein. Dort soll an einem sieben Meter hohen Obelisken eine römische Sonnenuhr entstehen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: