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Haigerloch Alte Häuser, die Geschichten erzählen

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Gisela Schumayer (links) vom Gesprächskreis Ehemalige Synagoge führte am Tag der Jüdischen Kultur durch das frühere jüdische Wohnviertel Haag in Haigerloch. Dabei machte man auch Halt vor der Mikwe (Badehaus; hinten rechts) und der Synagoge. Foto: Schwarzwälder Bote

Obwohl der Sonntag von den Wetterbedingungen alles andere als einladend war, so fand sich doch eine respektable Zahl von geschichtsinteressierten Leuten zum Rundgang durch das ehemalige jüdische Wohnviertel Haag in Haigerloch ein.

Haigerloch. Dorthin hatte der Gesprächskreis am Europäischen Tag der jüdischen Kultur eingeladen. Dieser besondere Tag des Erinnerns und Gedenkens wird mittlerweile in rund 30 Ländern begangen. Sein Sinn und Zweck: Das europäische Judentum, seine Bräuche und Traditionen besser bekannt machen.

Auch der Haigerlocher Gesprächskreis Ehemalige Synagoge ist einer von vielen Vereinen in Baden-Württemberg, der den Europäischen Tag der jüdischen Kultur aufgreift. Und so konnt man sich diesmal von der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Gisela Schumayer durchs Haag führen lassen. Um sie scharten sich einige geschichtsinteressierte Leute, die manches Vorwissen mitbrachten und zum Teil auch selbst in Vereinen aktiv sind, die dem Gesprächskreis ähneln.

Mit ihnen steuerte Gisela Schumayer markante Gebäude an, wie das in seiner jetzigen Form 1770 errichtete Haagschlössle, das 1815 an Juden verkauft wurde. Dann ging es zur ehemaligen Matzenbäckerei, zur "Metzig", zum früheren jüdischen Gemeindehaus, zum Viehhändlerhaus oder zur jüdischen Schule. Das jüdische Gasthaus Rose am Eingang des Wohnviertels Haag durfte bei dieser Tour ebenso wenig fehlen, wie Gebäude, in denen früher jüdische Geschäfte und Läden untergebracht waren. Davon gab es mal fast 40.

Die Tour bot natürlich nicht nur die Chance, sich Gebäude anzusehen, sondern diente auch dazu, auf die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Haigerlochs aufmerksam zu machen. Eine erste dauerhafte Gemeinde bildete sich erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, was mit der Vertreibung von Juden aus Württemberg und den Reichsstädten im Zuge der Reformation zu tun hat. Die Zollergrafen gewährten damals Zuflucht gegen die Zahlung von Schutzgeld und die Ausstellung von Schutzbriefen.

So wurde deutlich, wie und unter welchen Bedingungen sich die jüdische Gemeinde in Haigerloch bis 1933 zu einer Größe von bis zu 14 Prozent der Gesamtbevölkerung entwickeln konnte bis sie von den Nationalsozialisten in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sukzessive ausgelöscht wurde.

Über die zusammen mit der Synagoge 1783 eingeweihte Mikwe (Badehaus) ging es zum 1803 am unteren Ende des Haages angelegten jüdischen Friedhof und zum Schluss in die Dauerausstellung "Spurensicherung – Jüdische Geschichte in Hohenzollern" in die Synagoge. Dort wies Gisela Schumayer besonders auf ein Hochzeitsbild Louis Bernheims hin und beschäftige sich ausführlich mit dem Inhalt zweier Vitrinen.

Auch der Dokumentarfilm "Die Wohnung" von Arnon Goldfinger, der nach der Führung in der Synagoge gezeigt wurde, war gut besucht. 32 Leute wollten diesen Film sehen, der sich mit der Auflösung der Wohnung der 2006 verstorbenen Gerda Tuchler befasst. Die Jüdin und ihr Mann Kurt waren 1936 vor den Nazis aus Berlin nach Tel Aviv geflüchtet und die Auflösung der Wohnung durch ihren Enkel Arnon fördert spannende Zeitdokumente zu Tage. Insofern wurde die Filmvorführung dem Thema des Tages der Jüdischen Kultur 2018 bestens gerecht. Dessen Leitthema hieß nämlich "Geschichten erzählen (Storytelling)." Die Einführung zum Film hielt übrigens Margarete Kollmar vom Gesprächskreis.

Nach der Führung als auch dem Film war die Spendenbereitschaft groß, darüber freute sich Gisela Schumayer.

Ihre Redaktion vor Ort Haigerloch

Thomas Kost

Fax: 07433 901-829

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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