Holger Miconi (rechts) zieht es ans Meer: Der Hagelfliegerpilot arbeitet künftig in Ostfriesland. Peter Hellstern, Vorsitzender der Hagelabwehr Südwest, war es beim Abschiedsgespräch anzumerken, dass er den bewährten Fachmann ungern ziehen lässt. Foto: Hella Schimkat

Holger Miconi steigt bei der Hagelabwehr Südwest aus. Wohin genau es ihn ab 1. Oktober zieht und warum er auch seinen Handwerksbetrieb verkauft hat, verrät er hier.

Hoppla, das geht schnell. Im Gespräch mit Holger Miconi und Peter Hellstern, Vorsitzender der Hagelabwehr Südwest, erklärt der scheidende Pilot, wie und warum er so kurzfristig alle Brücken in Schwenningen abbricht und damit auch als Pilot des Hagelfliegers der Hagelabwehr Südwest fehlen wird.

 

Während Hellstern etwas gequält lächelt, erklärt Miconi die Gründe für seine schnelle Entscheidung, seine Zelte hier abzubrechen.

80 Jahre habe es die Firma Fliesen Miconi, die sein Großvater gründete, gegeben. Er habe die Arbeit geliebt, die allerdings sehr auf die Knochen und Gelenke gehe. Aber sein Herz hänge nun mal am Fliegen, betont er.

Er war Pilot und Ausbilder

Zehn Jahre war er in der Saison immer wieder als Pilot des Hagelfliegers bei Gewitter unterwegs. Am Flugplatz Schwenningen setzte er auch die Fallschirmspringer ab und war als Ausbilder für zukünftige Piloten tätig.

„Ich habe die Anzeige des Ostfriesischen Flugdienstes, die einen Piloten suchen, vor acht Wochen gelesen und mich spontan dort gemeldet“, so Miconi. Mit dem Einverständnis seiner Ehefrau Carola sei er nach Emden gefahren, habe sich vorgestellt und gleich einen theoretischen Test bestanden.

Anschließend durfte er sich mit einem der fünf Flieger der Firma bekannt machen und nach Borkum fliegen, natürlich in Begleitung des Flugdienstes. „Als ich mich der Landebahn von Borkum näherte, sah ich, dass die von unzähligen Möwen besetzt war, also fragte ich meine Begleitung: ’Touchdown und wieder hoch oder landen’? ’Touchdown’, lautete die Antwort, „also setzte ich kurz auf, während die Möwen widerwillig Platz machten, und flog wieder hoch und zurück nach Emden“. Nachdem er diesen Test auch bestanden hatte, war für die Herren des Flugdienstes klar: „Wir nehmen Sie gerne“.

„Das ist ein Vollzeit-Job in Emden, die fliegen 364 Tage im Jahr, natürlich gibt es immer nach ein paar Tagen eine Ablösung und Ruhetage“, betont er. Die Firma besitze fünf Propeller-Maschinen, eine einmotorige und vier zweimotorige.

Wind, Möwen und Räder

Künftig wird er alle ostfriesischen Inseln von Borkum bis Wangeroog und Helgoland anfliegen. Wenn er am 1. Oktober seinen Job antrete, müsse er sich erst einmal mit den Wetterbedingungen vertraut machen und ein Survival Training absolvieren, erzählt er. Bei seinen Flügen zu den Inseln müsse er mit starkem Seitenwind umgehen und nicht nur auf die Möwen, sondern auch auf die zahlreichen Windkrafträder achten. „Da habe ich erst einmal gesehen wie hoch die sind,“ lacht er. Mit dem Hagelflieger sei er starken Wind plus Hagel gewöhnt, die Aufwinde seien immer heftig und Seitenwinde gebe es auch, da komme er auch an der Nordsee klar, weiß er.

Er könnte vielleicht auch wieder zusätzlich als Fluglehrer tätig werden, denkt er voraus. Aber jetzt ist erst einmal Stress angesagt: „Ich werde das Haus und die Firma verkaufen, in Emden erst einmal mit Carola in einem Apartment wohnen, dann werden wir ein Haus suchen“. Er sei jetzt 54 Jahre alt und es sei für ihn die letzte Gelegenheit, noch einmal von vorne anzufangen – „und dann noch als Pilot“, zeigt er sich begeistert.

Gemietet wird mit Pilot

Frage an Peter Hellstern, was er denn zu dem Ausstieg von Holger Miconi sage? „Mir blieb die Spucke weg“, antwortet er. „Wir mieten den Hagelflieger in jeder Saison von Jumara Air Service. Der Geschäftsführer Markus Duwe, auch Hagelflieger-Pilot, muss Ersatz für Holger suchen, wir mieten den Flieger mit Pilot.“

Aber vielleicht kehre Holger Miconi ja in einem Jahr zurück, unkt er mit hoffnungsvollem Unterton. „Ja ja“, lacht dieser.

Holger Miconi hat den Flugschein zum Privatpilot in Schwenningen gemacht. Anschließend machte er, zusammen mit Sebastian Keller, den Zusatzpilotenschein als Verkehrspilot, das war in Linz. Sebastian Keller ist ebenfalls Pilot des Hagelfliegers, genauso wie Markus Duwe, der auch nicht begeistert ist über den Wegzug von Miconi. Alle gönnen ihm den Neustart in Emden – und alle bedauern seinen Weggang von Schwenningen.