Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Schätzungen zufolge erkranken in Deutschland jedes Jahr knapp 70 000 Frauen daran – und rund 750 Männer. Auch wenn die genauen Ursachen dafür nach wie vor nicht bekannt sind, Vorsorgemöglichkeiten gibt es.
Schwarzwald-Baar-Kreis - "Im vergangenen Jahr wurden in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 233 AOK-versicherte Frauen und fünf Männer wegen einer Brustkrebserkrankung stationär oder ambulant versorgt", berichtet Werner Reisbeck, Leiter des Kundencenters in Tuttlingen. Ein Jahr zuvor zählte die Krankenkasse in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 287 betroffene Versicherte. Vor allem in der ersten Pandemiewelle im Frühjahr 2020, aber auch in der zweiten Welle von Oktober 2020 bis Februar 2021 gab es bundesweit starke Einbrüche bei den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen für gesetzliche Versicherte. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
Auf Arztbesuche verzichtet
Eine Erklärung für diesen Rückgang könnte sein, dass in der Pandemie aus Furcht vor einer Ansteckung auf Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen verzichtet wurde (so gab es 2020 beim Mammografie-Screening bundesweit einen Rückgang von 8,1 Prozent). "Das lässt den Schluss zu, dass im Jahr 2020 möglicherweise weniger Erstdiagnosen gestellt wurden und die Behandlungszahlen damit niedriger ausgefallen sind", vermutet Reisbeck.
Die Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. "Zu den Risikofaktoren, die zur Entstehung beitragen können, zählen unter anderem das Lebensalter der Frau, die hormonelle Situation, Übergewicht, genetische Veranlagung, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und das Rauchen", so Ärztin Gudula Kirtschig. "Einfluss auf das Risiko hat auch, ob und in welchem Alter Frauen Kinder bekommen, die Zahl der Kinder und ob und wie lange sie die Kinder stillen." Ein höheres Risiko tragen auch Frauen in Wechseljahren mit Übergewicht. Das Fettgewebe bildet Hormone, die zu einem Anstieg des Östrogenspiegels beitragen. Auch eine Hormonersatztherapie könne bei längerer Anwendung nach den Wechseljahren das Krebsrisiko erhöhen.
Gesunder Lebensstil beugt vor
Zur Vorbeugung kann ein gesunder Lebensstil beitragen sowie das Vermeiden von Risiken, die eine Frau selbst beeinflussen kann. "Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto besser kann er behandelt werden und umso größer ist die Chance auf Heilung", so die Medizinerin. Sie rät Frauen, einmal im Monat Brüste sowie Lymphknoten in den Achselhöhlen, am Brust- und am Schlüsselbein selbst abzutasten und auf Veränderungen zu achten.
In Deutschland gibt es ein gesetzliches Programm zur Krebsfrüherkennung, zu dem auch Angebote zur Früherkennung von Brustkrebs gehören. Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren erhalten alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie-Untersuchung – einer Röntgenuntersuchung der Brust. "Die Teilnahme an der Krebsfrüherkennung ist selbstverständlich freiwillig." Empfohlen wird, sich vom Arzt über die Vorteile und Risiken der Untersuchungen beraten zu lassen.
Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs sind vielfältig und reichen von Operation bis zur Chemotherapie und Bestrahlung – je nach Größe und Ausbreitung des Tumors, seinen feingeweblichen und genetischen Eigenschaften sowie der individuellen Situation der Patientin. "Es ist sinnvoll, sich über die Vor- und Nachteile der jeweils individuellen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Dabei sind die Aspekte Wirksamkeit, mögliche Belastungen durch die Behandlung sowie kurz- und langfristige Folgen von besonderer Bedeutung." Die AOK weist außerdem darauf hin, dass bei Unsicherheit eine zweite ärztliche Meinung sinnvoll sein kann.