Katja Blöchle von "Blattwerk Floristik" in Hopfau geht am liebsten selbst auf Tour – und bringt ihren Kunden "Tüten voller Lebensfreude". Foto: Blöchle

Einzelhandel in Corona-Krise. Nachfrage nach Büchern groß. Händler äußern sich zu Regelung.

Wie ist die Resonanz der Kunden auf das "Click & Collect"-Format in Sulz? Sind die Einzelhändler mit der ersten Woche zufrieden? Je nach Branche scheint das unterschiedlich zu sein. Für die meisten Geschäfte ist der Abholservice nur ein schwacher Trost, andere zeigen sich zufrieden. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

 

Sulz - Von guter Kauflaune sind die Kunden immer noch weit entfernt – genauso wie die durch die Schließungen stark gebeutelten Einzelhändler von satten Umsätzen. Zwar klingelt immer wieder das Telefon, und auch die eine oder andere E-Mail trudelt ein – doch richtig viel verkauft wird in den meisten Läden trotz der Lockerung mit "Click & Collect" nicht.

Verkürzte Öffnungszeiten im Blass

In "Blass Erlebniswelt" im Backsteinbau ist immerhin ein Teil der Verkaufsfläche mit Büroartikeln nicht abgesperrt, auch die Kassen sind geöffnet – allerdings zu verkürzten Öffnungszeiten. Die Spielwaren dagegen dürfen nur online vorbestellt und dann im Laden abgeholt werden. "Der Januar ist bei uns immer ein relativ ruhiger Monat. Auch jetzt ist die Resonanz nicht so hoch", stellt Inhaberin Inga Elsayed in der zweiten "Click & Collect"-Woche fest.

Kontakt nehmen die meisten Kunden telefonisch auf. "Viele rufen an und fragen, was man überhaupt kaufen kann und wie der Abholservice funktioniert", schildert sie. Bestellt werden dann meistens Spielsachen und Heliumballons. "Richtig gefeiert werden darf ja gerade nicht, so wollen die Eltern ihren Kindern trotzdem eine Freude machen", erklärt Elsayed. Sie betont, dass sie ihren Stammkunden für die Unterstützung sehr dankbar ist.

Der Lieferservice bis zum Kofferraum kommt bei älteren Kunden an

Nach wie vor bietet sie in "Blass Erlebniswelt" einen "Kofferraum-Lieferservice" an: Der Kunde kann am Geschäft parken, kurz anrufen – und die Ware wird bis zum Auto geliefert. "Vor allem ältere Menschen nutzen den Service, weil sie nicht unbedingt unter Leute gehen wollen", sagt Elsayed.

Insgesamt kann man nicht von einem Andrang sprechen, macht sie klar. "Weihnachten war ja auch erst. Es ist nicht die Zeit zum Schenken." Sie ist überzeugt: "Wenn wir den Abholservice an Weihnachten gehabt hätten, wäre das wirklich gut gewesen."

Schlitten, Langlaufski und Wanderstöcke werden oft bestellt

Eher verhalten ist die Resonanz auf das "Click & Collect"-Format im Sportgeschäft Stiehle am Marktplatz. "Es wird auf jeden Fall angenommen, und wir bekommen vereinzelt Nachfragen, die wir bedienen können – aber es ist kein Vergleich zu dem, wie wenn der Laden offen wäre", machen Ludwig und Eberhard Stiehle deutlich.

In den vergangenen Tagen waren vor allem Schlitten, Bobs, Langlaufski und Wanderstöcke begehrt – verständlich bei den winterlichen Verhältnissen. "Wir beraten telefonisch, aber es darf keiner rein in die Kabine zum Anprobieren. Das ist schwierig", schildern die Brüder.

Auch im Haushaltswaren-Laden gegenüber ist es ziemlich ruhig. "Es ist ja so, dass die Lebensmittelgeschäfte alles verkaufen dürfen, auch Pfannen. Sie werben ja sogar extra mit Non-Food-Artikeln. Das stört uns am meisten, weil es einfach ungerecht ist", zeigen Ludwig und Eberhard Stiehle kein Verständnis.

Ihnen fehlt auch das rege Treiben und das Leben im Städtle. "Auf dem Marktplatz kann man jetzt immer parken", stellen die beiden mit einem Schmunzeln fest.

Wenig hält von der "Click & Collect"-Aktion Werner Caspar vom Lederwarengeschäft in der Unteren Hauptstraße. "Ich habe es noch gar nicht beworben", meint er. Bei ihm ruft auch kaum jemand an.

Anders ist es im Elektrofachgeschäft "Euronics Hauser" in der Holzhauser Straße. "Unser Service wird von den Kunden gut angenommen", fasst die Geschäftsführerin Helga Hauser die Erfahrungen zusammen. "Das Telefon klingelt ständig, auch mit der Abholung klappt es gut. Wir haben einen speziellen Bereich eingerichtet für die Warenausgabe", erklärt sie.

Fachverkäufer aus allen Bereichen sind in Kurzarbeit

Die meisten Sulzer greifen am liebsten zum Telefon, wenn es um Bestellungen geht. Vereinzelte Anfragen kommen auch über E-Mail.

Was die Stimmung allerdings trübt: Auch beim Euronics Hauser sind die Fachverkäufer aus allen Bereichen seit Mitte Dezember in Kurzarbeit. "Das bis zum Lockdown hervorragende Weihnachtsgeschäft wurde durch diese Maßnahme leider jäh beendet", macht die Geschäftsführerin deutlich.

"Trotzdem bieten wir unseren Kunden den gewohnten Service, egal, ob die Waschmaschine kaputt ist, der Fernseher nicht mehr läuft, der PC ausfällt oder für das Homeoffice eine Druckerpatrone benötigt wird", fügt sie hinzu. Trotz des Lockdowns ist das Euronics-Team  von Montag bis Freitag täglich für die Kunden telefonisch erreichbar.

"Im Ladengeschäft haben wir einen Umsatzrückgang von über 70 Prozent. Der stationäre Einzelhandel, der ohnehin schon ständig mit den großen Online-Händlern zu kämpfen hat, ist leider der große Verlierer", stellt Hauser fest.

Zufrieden blickt man auf die erste Woche "Click & Collect" in der Buchhandlung "Buchlese" am Marktplatz. "Unsere Zwischenbilanz ist sehr gut", sagt Filialleiterin Ute Szymanski. Die Kunden können per Telefon, E-Mail oder über den Onlineshop (www.buchlese.net oder genialokal.de) bestellen. Der Kunde kann dabei auswählen, ob er seinen Einkauf im Ladengeschäft abholen oder ihn zu sich nach Hause senden lassen möchte.

"Wir haben schon seit Jahren einen Onlineshop, der aber seit Anfang letzten Jahres von der Kundschaft viel häufiger besucht und genutzt wird", berichtet Szymanski. Die Buchlese ist auch in sozialen Netzwerken vertreten.

Wird denn im Lockdown mehr gelesen? "Ja", sagt die Filialleiterin. Bestellt werden derzeit neben der klassischen Literatur auch "Herzschmerz", positive seelisch-aufbauende Literatur sowie Sport- und Yogaanleitungen für Zuhause, Lernhilfen und viele Kochbücher.

Momentan hat die Buchlese-Filiale Kurzarbeit und daher nur begrenzt geöffnet, und zwar täglich vormittags von 9 bis 12 Uhr. "Hier kann man dann auch seine Reinigungsware abgeben oder abholen. Totto/Lotto, Zeitungen/Zeitschriften und BW-Post ist möglich in dieser Zeit", informiert die Filialleiterin.

Die Buchlese hat ihren Lieferdienst mittlerweile außer Kraft gesetzt

Den Lieferdienst hat die Buchlese in Sulz außer Kraft gesetzt. Seit Mitte Dezember war man viel unterwegs. "Es war eine sehr anstrengende Phase mit den Ausliefertouren, die auch sehr kostenintensiv war, aber weil es kurz vor Weihnachten war und wir unsere langjährigen treuen Kunden nicht vor den Kopf stoßen wollten, haben wir keine Mühen und Kosten gescheut und haben täglich die Weihnachtsbestellungen ausgeliefert", hebt Szymanski hervor. Nun freut sich das Team, dass "Click & Collect" wieder zugelassen ist.

Daniel Böhmerle von "Blumen Schwarzwälder" sagt, er bekommt ab und zu Anfragen über Telefon. "Wir richten dann alles und liefern aus."

Der Abholservice wird dagegen eher selten genutzt. "Wir arbeiten lieber auf Zustellung", sagt Böhmerle. Problematisch ist für sein Geschäft, dass alle Veranstaltungen abgesagt und dementsprechend alle damit verbundenen Aufträge storniert sind. "Es ist bei Weitem nicht so viel, wie wir früher gemacht und verkauft haben", macht er klar.

"Blattwerk" trotzt der Krise mit kreativen und pfiffigen Ideen

Katja Blöchle von "Blattwerk Floristik" in Hopfau sagt, sie versucht, aus der Situation das Beste zu machen – um weiterhin präsent zu sein und im Gedächtnis der Kunden zu bleiben. Aktiv ist sie unter anderem in sozialen Netzwerken. "Wir bieten unseren Kunden viel an, wir liefern immer noch frei Haus und verkaufen neben Blumensträußen auch Sets zum Selber basteln", schildert sie. Diese Woche ist es ein goldener Loop mit Eukalyptus. "Das kommt ganz gut an, die Menschen freuen sich, was Frisches auf dem Tisch zu haben", sagt Blöchle. Und sie freuen sich über ihre "Tüten voller Lebensfreude" von "Blattwerk Floristik".

Das kontaktlose Abholen bei "Click & Collect" funktioniert bei Katja Blöchle ganz gut. "Wir takten es so, dass keiner den anderen trifft." Wirtschaftlich gesehen ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Man versucht nur, zu überleben und im Gedächtnis zu bleiben", meint sie.