Der schwäbische Kabarettist, Sänger und Starunterhalter Bernd Kohlhepp, alias Herr Hämmerle, begeisterte in der Altheimer Turn- und Festhalle am Samstagabend auf Einladung der Freiwillige Feuerwehr Horb, Abteilung Altheim sein Publikum.
Geplant war der Abend mit Kohlhepp schon seit vielen Wochen, doch den Feuerwehrkameraden ist derzeit das Lachen vergangen, wie ihr Kommandant Michael Fabert kurz vor Veranstaltungsbeginn im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilte. Grund dafür ist ein Verkehrsunfall in Salzstetten, bei dem ein Feuerwehrkamerad der Abteilung Altheim beim Gassigehen mit seinem Hund aus noch ungeklärter Ursache von einem 27-jährigen Sprinter-Fahrer erfasst und lebensgefährlich verletzt wurde.
Bangen um den Kameraden
„Während unser Kamerad in der Tübinger Uni-Klinik um sein Leben ringt, können wir hier nicht fröhlich sein“, machte Fabert klar, betonte aber, dass man die Veranstaltung nicht mehr absagen konnte. „Deshalb halten wir uns etwas zurück und die Moderation übernimmt Jochen Beck für uns“.
Und so makaber es klingt und so traurig dieser Unfall auch ist, die Veranstaltung war ein voller Erfolg und die Leute bogen sich teilweise vor Lachen.
Schicksal in grünem Anzug
Der mehrfach preisgekrönte Kabarettist ist ein Meister seines Faches. Blitzgescheit, mit sehr gutem Gehör und Gespür für die Situation ausgestattet, routiniert und noch immer mit viel Schalk im Nacken, nutzt er jede Gegebenheit im Saal, um sie in sein Programm einzubauen.
Hämmerle, das Schicksal im grünen Anzug, das auch einen Hut aufhat, war mit allen Menschen sofort per Du und fragte mal gleich, nachdem er die Bühne betreten hatte einen Mann in der ersten Reihe, warum er da sei. „Du siehst nämlich arg mitgenommen aus“, stellte er fest, konzentrierte sich dann aber auf die Damen in den ersten Reihen, um diese abendfüllend ins Programm einzubauen.
Hämmerle ist solo
An einer Dame namens Sandra fand er besonders Gefallen. Sandra, das hört man auf jeder Baustelle – „breng mol Sand rah, und schon kommt der mit dem Schubkarren“ –schwadroniert er und hatte die ersten Lacher auf seiner Seite. Nur Sandra lachte nicht, dafür erfuhr sie, dass der vornamenlose Herr Hämmerle derzeit Solo sei, weil seine Frau aus einer Kur nicht mehr nach Hause gekommen sei. „Und wie geht’s dir, Sandra?“ „Gut!“ „Ja isch dein Mah au en Kur?“ fragte er nach. Und zack war er zur Freude aller Menschen, die nicht in den ersten Reihen saßen, mittendrin, sein Umfeld abzuchecken und es gehörig ins Programm einzubauen. Ob die Unfreiwilligen sich ärgerten, weiß man nicht, sicher ist jedoch, dass der Herr Hämmerle eskaliert“.
Neues aus Bempflingen
Es gibt so viel Dinge, über die sich der Mann aus Bempflingen aufregen kann, so viele, dass man dabei leicht den Überblick verliert. Brötchenpreise, Amts- und Gsälzschimmel sowie Nachbarschaftsstreit und Ampeln, die man überfahren kann.
„Naja, wenn man derzeit eine rote Ampel überfährt, ist das ja eigentlich nicht schlimm“, kalauerte er, doch bis die La-Ola-Welle des Kapierens in die letzten Reihen ankam, war der Herr Hämmerle schon bei der nächsten Baustelle.
Er lüftete das Geheimnis des Algorithmus beim Online-Dating, stellte der toxischen Männlichkeit eine botoxische Weiblichkeit gegenüber und pappte hinterher alles wieder zusammen. „Nicht Tesa, Uhu oder Brit – am beschten isch, du nimmst mich mit“, so sein Tipp an die Damen im Saal.
Tipps für den Alltag
Und über allem stand die Frage: Wie kommen wir durch den neuen Alltag? Und der Philosoph aus der 3500-Seelen-Metropole Bempflingen wusste: „Bloß, weil einem noch nicht klar ist, wogegen man ist, ist man noch lange nicht dafür!“
Das Publikum erfuhr auch, warum er keine Katzen mag. „Die dürfen alles, was ein Mann nicht darf. Auf allen Vieren nach Hause kommen und mit dreckigen Füßen ins Bett.“ Inzwischen darf er das aber auch. Seine Frau ist ja weg und er entdeckte dafür Gebiete im Kühlschrank, wo er bisher noch nie hinkam. Er wollte seine Frau zwar überreden, zu ihm zurückzukommen, wenigsten alle vier Wochen für die Kehrwoche, doch das klappte nicht. Dafür darf er nun einfach in seinem Sessel hocken, ohne gefragt zu werden, was er denn tue. „Ein Mann tut immer was. Hocken, sehen, überlegen, was man tun könne, wenn man denn wolle“, lautete seine Erkenntnis. Zum Beispiel den Keller aufräumen.
Von wegen Algorithmus
Und dies nach dem Motto: „Alles was man zwei Jahre nicht in der Hand hatte, wegschmeißen“. Ein Grundsatz, der ihn dann doch etwas ins Grübeln brachte. Doch das ist ein anderes Thema, bei dem der Herr Hämmerle so richtig schön eskalieren kann.
In seinem aktuellen Kabarettstück stimmt er zur Freude seiner vielen Fans auch etliche neue, aber auch bekannte Lieder an, in die er die örtliche Couleur, wie beispielsweise die frühere Kneipe „Sockenschuss“ einbaute. „Im Sockenschuss, im Sockenschuss gibt’s Alkohol und Rhythmus und das nennt man heute Algorithmus“, sang er zur Freude seiner Zuhörer.
Es war ein schöner, heiterer Abend mit einem gut aufgelegten Bernd Kohlhepp, auch wenn sich die Betroffenheit über das Schicksal des Feuerwehrkameraden wie ein dunkler Schatten über die Veranstaltung legte.