Resolut: Die Wildbergerin Chantal Hagel klärt vor Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg. Foto: Eibner/Memmler

Die Frage, ob der Hype um den Frauenfußball nach der Europameisterschaft geblieben ist, dürfte beantwortet sein – ja, ist er. Nun lautet die Frage: Wie lange hält er an?

Über 23 000 Fans haben sich vor gut einer Woche das Eröffnungsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München (0:0) in der großen Frankfurter Arena angeschaut – Rekordkulisse für die Frauen-Bundesliga. Medial werden die Profis ebenfalls gewürdigt. Die beiden Nationalspielerinnen Laura Freigang und Felicitas Rauch waren kürzlich zu Gast im aktuellen Sportstudio.

Highlight-Spielen kommen an

Nun stellt sich also eine neue Frage: Wie lange wird dieser Hype anhalten, und was muss dafür getan werden, damit dieser erst gar nicht mehr abebbt? Die Wildbergerin Chantal Hagel von der TSG Hoffenheim sieht – wie Rauch und Freigang – einen großen Schritt getan mit Spielen in den größeren Stadien und die gezielte Ansetzung von Highlight-Spielen bei den Frauen.

Für Nagold und Eutingen am Ball

So war die Vorfreude auf das Spiel der TSG gegen den VfL Wolfsburg riesig bei der 24-jährigen Mittelfeldspielerin, die das Kicken unter anderem beim VfL Nagold und dem SV Eutingen gelernt hat. Denn am Samstag empfingen die Mädels von der TSG die Wölfinnen in der Prezero-Arena, wo normalerweise die Hoffenheimer Herren ihre Spiele austragen. "Wir freuen uns wahnsinnig auf dieses Duell im großen Stadion. Ich sehe es als große Wertschätzung für den Frauenfußball, dass wir vor einer größeren Kulisse spielen dürfen", sagte Hagel vor dem Duell unserer Redaktion. Über 5000 Fans würde sie sich schon freuen – letztlich kamen sogar gut 7000 Fans in die Arena.

VfL dreht das Spiel noch

Diese sahen dann ein durchschnittliches Fußballspiel, beinahe mit einem Happy-End für die Kraichgauerinnen. Denn bereits in der 14. Minute verwandelte Katharina Naschenweng einen Eckball sehenswert direkt ins kurze Eck. Bis in die Schlussphase liefen die Wölfinnen diesem knappen Rückstand hinterher – auch weil Hagel an diesem Tag in der Innenverteidigung die eine oder andere gefährliche Situation entschärfte. Doch in der 85. Minute kam der VfL dann doch noch zum Ausgleich. Ausgerechnet die Ex-Hoffenheimerin Jule Brand drehte die Partie in der 89. Minute noch komplett.

"Auf hohem Niveau spielen"

Trotz der zweiten Pleite im zweiten Saisonspiel dürfte das Spiel vor überdurchschnittlich vielen Fans in guter Erinnerung bleiben. Doch Duelle in großen Stadien reichen laut Hagel nicht aus, um den Hype weiter aufrechtzuerhalten. "Wir müssen vor allem hart arbeiten und weiter auf hohem Niveau Fußballspielen. Dann kommen die Fans auch weiter zu unseren Spielen."

Champions League das Ziel

Die 24-Jährige hat mit der TSG hohe Ziele: "Wir wollen wieder um eine Teilnahme in der Champions League spielen", sagt Hagel. Dafür müssen die Hoffenheimerinnen am Ende auf Platz 3 stehen. Mit null Punkten aus zwei Spielen eine Herausforderung, aber keinesfalls unmöglich. Mit dieser kämpferischen Leistung vom Wochenende hat es zwar nicht gereicht, den übermächtigen VfL zu ärgern, aber mit dieser Leistung wird es nicht lange dauern, bis die ersten Siege eingefahren werden. Und wie sehen die Ziele für Hagel in der Nationalmannschaft aus? Bei der EM hätte es fast gereicht für einen Platz im Team. Am Ende war sie als Nummer 24 nominiert und verpasste damit den Sprung in den 23-köpfigen EM-Kader. Für die gebürtige Calwerin war dies aber keine Enttäuschung, sondern ein riesen Erfolg. "Ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt so weit komme und bin froh über die Lehrgänge, die ich besuchen durfte. Das waren tolle Erfahrungen." Die WM im kommenden Jahr ist für Hagel noch weit weg und deswegen aktuell kein Gesprächsthema.

Feedback von Schülern

Sie selbst, das habe sie im Sommer gemerkt, ist nach dem tollen Turnier ihrer Fußballkolleginnen dafür umso mehr Gesprächsthema geworden. So wird die angehende Lehrerin nun immer mehr von Schülern oder Lehrerkollegen angesprochen: "Das ist schon schön, wenn Schüler auf mich zukommen, Fragen rund um den Fußball haben oder mir sagen, dass sie beim nächsten Spiel zuschauen werden", freut sich die Spielerin. So dürfen Hagel und Co. beim nächsten Heimauftritt am 16. Oktober wieder auf eine tolle Kulisse hoffen – egal in welchem Stadion. Dann geht es gegen die Lokalrivalinnen aus Freiburg.