Einblick in den Stall von Manfred Haas – jetzt droht erneut das Verbot der Rinderhaltung. Foto: Marcel

Landwirt Manfred Haas aus Flözlingen fürchtet erneut um seine Existenz. Das Veterinäramt kündigt an, ihm die Tiere wegzunehmen. Es gibt eine lange Vorgeschichte.

Vor einem Jahr drohte das Veterinäramt dem Landwirt und einstigen Kreisbauernverbands-Vorsitzenden bereits, ihm die Rinderhaltung zu verbieten, doch nach Verbesserungen wurde das Verbot wieder aufgehoben.

 

Nun sei es erneut so weit, dass das Amt ankündigt, ihm seine Tiere wegzunehmen, berichtet er, was nach Haas’ eigenen Worten den Ruin seines Betriebs bedeuten würde. Denn würde er das Heu seiner Wiesen verkaufen müssen statt zu verfüttern, bekäme er kaum Geld dafür – „sechs Euro der Doppelzentner – da lohnt sich das Mähen nicht.“ Und Wiesen zu Äckern umbrechen, das ist nicht erlaubt. „Dann kann ich mir die Kugel geben.“

Wöchentliche Kontrollen

Bereits 2020 sorgte Haas landesweit für Schlagzeilen: Seine Schweinezucht wurde stillgelegt, nachdem die „SOKO Tierschutzschockierende Videos aus seinem Stall veröffentlicht hatte.

Das Veterinäramt wirft Haas jetzt wieder vor, dass er seine Rinder nicht gut behandelt. Die Prüfer schauen derzeit jede Woche vorbei, um zu kontrollieren, ob er die Vorschriften des Tierschutzes einhält, und gaben es ihm nun schriftlich: Nein, das tue er nicht. Man habe bei den Prüfungen gesehen, dass die Tiere zu wenig Streu hatten, nicht genug Platz, um sich hinzulegen, und auch die Sauberkeit der Tiere wurde beanstandet, zudem seien auch Krankheiten entdeckt worden.

Kollegen kritisieren strenge Prüfungen

Bei einem Vorort-Termin mit Vertretern des Landwirtschafts- und des Veterinäramts waren auch Kollegen von Haas dabei, die die strengen Prüfungen kritisierten: Die Tiere von Haas seien in einem guten Zustand, da sehe es bei manchen Landwirten schlechter aus. Zwei Kälber, die das Veterinäramt als vernachlässigt ansah, seien Zwillinge, betonte ein anderer Landwirt. Und bei Zwillingen komme es nun einmal vor, dass sie sich langsamer entwickelten.

„Klar gibt es Mängel, die gibt es immer“, so der Kollege von Haas. „Aber die holen immer die Historie hinten vor, wollen ihm einfach nicht glauben, dass er es jetzt besser macht.“ Dabei hat Haas nach eigenen Angaben inzwischen schon 60.000 Euro in den Umbau seines Stalls oberhalb von Flözlingen gesteckt, dort sollen die Tiere dann offen gehalten werden.

Kollegen fürchten Repressalien

Mangelnde Neutralität ist es, was die Kollegen dem Veterinäramt vorwerfen, „die haben halt so lange gesucht, bis sie was gefunden haben, das ihnen nicht passt.“ Und sie betonen, dass das Landwirtschaftsamt die Situation auf dem Hof von Manfred Haas ganz anders einschätzt als das Veterinäramt. Dass sie als Landwirte mit Tierhaltung ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, liegt nach ihren eigenen Worten daran, dass die Repressalien fürchten – sprich, dass es ihnen genauso geht wie ihrem Flözlinger Kollegen.

Andrea Schmider erläutert als Pressesprecherin des Landratsamt, wie es zu den unterschiedlichen Einschätzungen der beiden Behörden kommt:

„Haben nichts zu verbergen“

„In Bezug auf den landwirtschaftlichen Betrieb von Manfred Haas sind die beteiligten Fachbereiche weiterhin in Abstimmung. Dass dabei die fachlichen Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert werden, ist für eine objektive Entscheidung sehr wichtig und innerhalb eines Landratsamts ein üblicher Vorgang. Das Landwirtschaftsamt und das Veterinäramt haben unterschiedliche gesetzliche Aufgaben und damit teilweise unterschiedliche Blickwinkel auf die Situation.“

Sie betont weiter: „Während das Landwirtschaftsamt den Betrieb aus agrarfachlicher Sicht begleitet und bewertet, liegt beim Veterinäramt insbesondere die Beurteilung der tierschutzrechtlichen Anforderungen.“ Im Rahmen der aktuellen Gespräche würden selbstverständlich auch die zwischenzeitlich erfolgten Umbauten und die Entwicklungen auf dem Betrieb von Herrn Haas berücksichtigt. Dazu wird es weitere fachliche Bewertungen geben“, so Schmider.

Sie sagt: „Eine abschließende Entscheidung zum Rinderhalteverbot ist derzeit noch nicht getroffen.“ So hat Manfred Haas nun noch ein klein wenig Hoffnung. Und er lädt die Bevölkerung ein, gerne bei ihm in Flözlingen vorbeizuschauen. Er meint: „Wir haben nichts zu verbergen.“