Schock für viele Frauen im Raum Rottweil: Sie stehen Ende Juni ohne Frauenarzt da. Ihnen wurde die Behandlung aufgekündigt. 500 Frauen sind betroffen. Hier alle Hintergründe und wie es weitergeht.
Einen Frauenarzt zu finden, der noch Patienten aufnimmt, ist im Kreis Rottweil bekanntlich höchst schwierig. Die Praxen sind am Anschlag, viele haben einen Aufnahme-Stopp. Und weite Wege in andere Landkreise sind für viele kaum zu realisieren.
Groß war deshalb die Freude, als das Zollernalb-Klinikum im August 2022 ankündigte, dass in Rottweil ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Bereich der Gynäkologie gegründet wird. Man wolle „zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung beitragen“ – und dies erstmals über die Landkreisgrenze hinweg.
In der Königstraße eingesprungen
Hintergrund: Die Fortführung der Praxis von Siegfried Riek in der Königstraße 27 war aufgrund einer fehlenden Nachfolge in Gefahr. Das Zollernalb-Klinikum sprang ein und holte neben dem bisherigen Inhaber auch eine Frauenärztin aus Spaichingen ins Boot. Zudem praktizierten Ärzte des Zollernalb-Klinikums vor Ort in Rottweil – natürlich auch mit Blick auf die Anbindung der Patientinnen ans Klinikum und die Geburtshilfe in Balingen.
2023 noch das Team aufgestockt
Kapazität für neue Patientinnen sei vorhanden, wurde damals betont. Ein tolle Nachricht für viele Frauen in der Raumschaft. Anfang 2023 berichtete das MVZ außerdem, dass ein weiterer Frauenarzt das Team in Rottweil verstärke.
Nun hat sich eine Patientin in unserer Redaktion gemeldet. Ihr sei die Behandlung zu Ende Juni aufgekündigt worden – sie sei völlig geschockt und wisse nicht, wo sie jetzt für die medizinische Betreuung hin solle. Auf unsere Nachfrage beim Zollernalb-Klinikum, ob das so stimmt und wie viele Patientinnen betroffen sind, wird das ganze Ausmaß deutlich. Über die Pressestelle antwortet Stefanie del Basso, Leitung und Personalservice MVZ, auf unsere Fragen und spielt mit offenen Karten. Ja, es stimmt. Und: Es seien rund 500 Patientinnen betroffen.
Ärzte sind abgesprungen
Auf unsere Frage nach den Gründen erklärt Del Basso: „ Es ist uns nach der Übernahme zunächst gelungen zwei weitere teilzeitbeschäftigte Gynäkologen für die MVZ-Praxis in Rottweil zu gewinnen. Leider haben sich beide entschieden ab Juli andere Aufgaben zu übernehmen. Wir sind seit Monaten auf der Suche nach geeigneten Nachfolgern. Diese Suche war bisher leider nicht erfolgreich, wird aber fortgesetzt.“
Für einige Frauen Lösung in Balingen oder Albstadt
Doch kann die Anzahl der betreuten Patienten irgendwann wieder aufgestockt werden? Dazu sagt sie: „ Wenn es uns gelingt, wie gesagt, innerhalb der nächsten Monate zusätzliche Ärzte zu einem Wechsel nach Rottweil zu motivieren, dann gerne.“ Man unterstütze die Frauen auf der Suche nach einer neuen gynäkologischen Betreuung natürlich im Rahmen der Möglichkeiten. „Es konnten auch schon einigen Frauen zukünftige Behandlungsmöglichkeiten in unserem MVZ Balingen erfolgreich angeboten werden. Angebote sind auch für unseren MVZ-Standort Albstadt möglich. Allerdings sind auch diese beiden Bereiche nur begrenzt aufnahmefähig.“
Medizinersuche immer schwieriger
Zur Gesamtentwicklung am Standort Rottweil sagt Stefanie del Basso: „Uns war es von Anfang an bewusst, dass ein MVZ-Standort außerhalb unseres primären Versorgungsauftrages eine besondere Herausforderung darstellen wird. Maßgeblich davon abhängig, dass wir Mediziner finden, die dauerhaft in der ambulanten Versorgung eine persönliche berufliche Herausforderung sehen. Leider stellt sich dies, wie insgesamt bundesweit zu beobachten als immer schwieriger dar.“
Nicht nur für die direkt betroffenen Frauen, sondern auch für alle anderen im Raum Rottweil heißt das, dass sich die Lage womöglich weiter zuspitzt. Schon jetzt liegt die Wartezeit auf einen Termin teilweise bei bis zu einem Jahr. Oder sogar länger.