Axel Güntner freut sich über seine Nachfolgerin Alexandra Roth. Zum 1. April übernimmt sie seine Frauenarzt-Praxis. Foto: Thiercy

Die Frauenärztin Alexandra Roth übernimmt zum 1. April die Praxis von Axel Güntner.

Axel Güntner strahlt, denn ihm ist gelungen, was wenige seiner Ärzte-Kollegen schaffen: Er hat eine Nachfolgerin für seine gynäkologische Praxis gefunden. „Das ist wie ein Sechser im Lotto!“

Zum 1. April übernimmt Alexandra Roth die Praxis. Seit Dezember schnupperte sie regelmäßig, lernte das Team kennen und schätzen. Roth stammt aus Bayern, ihren Facharzt hat sie an der Uniklinik Tübingen gemacht.

So spannend die zahlreichen Fälle waren, so wenig lag ihr die „Laufkundschaft“ in der Klinik. Das bekräftigt auch ihr baldiger Vorgänger Güntner. „In unserem Fachbereich begleiten wir die Patientinnen über viele Jahre hinweg.“

Teilzeitkräfte belegen volle Sitze

Im Zollernalbkreis suchen Frauen oft lange, bis sie einen Termin bei einem Gynäkologen bekommen. Das stößt auch Güntner sauer auf, denn „eigentlich sind wir ein überversorgtes Gebiet“.

Güntner ist im Ärztenetz Zollern aktiv. Und er weiß, wie der Ärztemangel im Landkreis zustande kommt: Grundlage für neue Zulassungen ist jener Schlüssel, den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nicht überbieten darf. „Aber da prallen Papier und Realität aufeinander.“

Ein neuer Arzt kann erst dann zugelassen werden, wenn ein anderer aufhört. Die Krux im Fachgebiet der Gynäkologie sei, dass der Frauenanteil immens hoch sei. „Diese Kolleginnen arbeiten häufig in Teilzeit, belegen aber einen vollen Sitz.“ Für die KV sei dennoch rein rechnerisch die erforderliche Ärztezahl erreicht.

Gute Organisation als Voraussetzung

Ein bisschen auffangen könnten die Praxen den Ansturm der Patientinnen trotzdem, meint Güntner. Er setzt, wie seine Nachfolgerin, auf eine deutliche Struktur, in die zeitliche Puffer für Notfälle oder Anrufe eingebaut sind.

In Balingen soll bald das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) für Gynäkologie und Geburtshilfe eröffnen. Nach Einschätzung Güntners jedoch mit einem Nachteil: Die Frauen würden oft von immer anderen Medizinern untersucht. „Gerade in einer Schwangerschaft sollte man aber als fester Ansprechpartner für die Frauen da sein.“

Genau diesen Anspruch hat Alexandra Roth an ihre neue Aufgabe. Mit ihrem Mann lebt sie aktuell in Mössingen. Sie hätte sich in einer Klinik anstellen lassen können. Aber das liege ihr nicht.

Alexandra Roth nimmt die Herausforderung an

Die junge Ärztin ist sich der Herausforderung bewusst. „Ich bin dann der gesundheitliche und der wirtschaftliche Chef.“