Das Geburtstagskind mit seiner Tochter beim Musizieren Foto: Fürst

Der Lahrer feiert an diesem Donnerstag einen besonderen Geburtstag. Mit unserer Redaktion spricht er von seinem langen Leben und dessen vielen Herausforderungen.

Wer die Wohnung von Daniel Teiz betritt und ihm die Hand schüttelt, ist zunächst einmal verwundert – denn er entspricht nicht dem Bild, das einem vielleicht in den Kopf kommt, wenn man an einen fast 100 Jahre alten Mann denkt.

 

Er hält sich täglich an ein striktes Programm. Um 8 Uhr steht er auf und macht mindestens eine halbe Stunde Sport. „Das muss sein, ohne geht’s nicht“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der 100-Jährige hat sich in all den Jahren vor allem seinen Humor bewahrt, das merkt ihm man.

Schon in jungen Jahren hielt er sich fit und fuhr insgesamt 42 Kilometer täglich mit dem Rad zur Arbeit und wieder zurück. Auch im Ruhestand radelte er weiterhin regelmäßig. Das ging so bis 2017, danach ließ Teiz’ Gesundheit das nicht mehr zu. Bereits 1990 kam er mit seiner Frau Elsa und seinen Kindern nach Lahr. Verkuppelt wurden die beiden von seinem besten Freund, sie heirateten im März 1953. Es war Liebe auf den ersten Blick, berichtet das Geburtstagskind. Das Paar bekam sieben Kinder und zahlreiche Enkel und Urenkel.

Nun lebt Teiz schon seit 36 Jahren in der Stadt und hat es, wie er sagt, nie bereut, denn das Leben von seiner Frau und ihm war nicht immer einfach. Die beiden wurden in der Ukraine geboren, während der Kriegsjahre verschleppt und nach Polen, Deutschland und in das tadschikische Dorf Moskau zwangsumgesiedelt.

„Mein Vater hat sein Leben lang hart gearbeitet, damit seine Familie alles hat, was sie braucht, dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Teiz’ Tochter Olga Billiau. Er arbeitete fast zwei Jahrzehnte in einem russischen Schweinebetrieb und mehr als 25 Jahre in der Landwirtschaft.

Doch auch als sie nach Deutschland kamen, war ihre Reise noch nicht zu Ende. Sie wohnten mit ihrer Familie in einem Übergangswohnheim und zogen, auch als sie nach Lahr kamen, mehrmals um, bis sie schlussendlich ihr Heim in der Hohbergstraße fanden.

Ein Altenheim kam für die Familie nicht in Frage

Nach 67 glücklichen Ehejahren starb Teiz’ Frau Elsa im Jahr 2019. Teiz lebt auch weiterhin in den eigenen vier Wänden. Seine Tochter Olga bemerkt: „So etwas wie ein Altenheim kam nicht in Frage, wir sind eine große Familie und wir kümmern uns umeinander. Wir haben festgelegte Tage, an denen unterschiedliche Familienmitglieder vorbeikommen.“

Auch geistig hält sich Daniel Teiz im hohen Alter fit. Er ist großer Mathematikfan, spielt Schach, Domino und Billard. Und dann ist da noch seine größte Leidenschaft: die Musik. Gleich mehrere Instrumente spielt der 100-Jährige, darunter unter anderem die Mundharmonika und die sogenannte Garmoschika, ein Instrument das einem Knopfakkordeon ähnelt.

Musik hat Teiz im Blut. Für die Lieder, die er spielt, braucht er keine Noten, die hat er alle im Kopf, besonders die aus seiner Jugend. Einmal die Woche genehmigt er sich ein kleines Glas alkoholfreies Bier – das liebt er, sagt seine Tochter. Am Donnerstag feiert die Familie den Geburtstag im kleinen Kreis, zwei Tage später gibt’s ein großes Fest mit Torte und der ganzen Familie.

Trend zur Langlebigkeit

Im Ortenaukreis lebten im Jahr 2018 insgesamt 14 Personen in Offenburg und Lahr, die 100 Jahre oder älter waren. Das Statistische Bundesamt berichtet, dass Ende 2024 bundesweit rund 17 900 Menschen mindestens 100 Jahre alt waren. Das zeige einen allgemeinen Trend zur Langlebigkeit.