Mit einer Lesung von Peter Stamm startete am Gymnasium am Deutenberg in Schwenningen die schulweite Aktion „Eine Schule liest ein Buch“.
Der Auftakt markiert den Beginn einer besonderen Woche, in der die ganze Schulgemeinschaft gemeinsam Antoine de Saint-Exupérys Klassiker liest, begleitet von kreativen Aktionen und Begegnungen rund um den „Kleinen Prinzen“.
„Der Erwachsenenanteil in meinem Beruf ist eher gering“, sinnierte Peter Stamm bei seiner Lesung aus Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“, mit der der Schweizer Autor in der Schulaula die Lesewoche „Eine Schule liest ein Buch“ am Gymnasium am Deutenberg eröffnete.
Schülerin Tabarak Shaikheleid hatte den Autor ganz persönlich nach seinen Einschätzungen zum Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen gefragt – einer Frage, die in dem Roman über den kleinen Prinzen von einem fernen Planeten eine entscheidende Rolle spielt.
In diese Welt eingetaucht
Und genau in diese Welt, die der Roman so behutsam öffnet, waren die Klassen bereits in einer gemeinsamen Einführungsstunde eingetaucht: Sie begegneten dem abgestürzten Piloten, staunten über die unverstellte Direktheit des kleinen Prinzen und verfolgten dessen Ankunft in der Wüste. So erlebten sie einen stillen, intuitiven Auftakt, der die Schülerinnen und Schüler auf die besondere Leseatmosphäre der Woche einstimmte, teilt die Schule mit.
Aus dieser gemeinsamen Annäherung an den Text heraus wurde auch Stamms Einschätzung verständlich: „Ich glaube, es ist eher ein Buch für Erwachsene. Für Kinder ist es fast zu viel“, lautete sein Fazit.
Den Originaltext habe er vor einiger Zeit aus dem Französischen ins Deutsche übertragen. „Das hat viel Arbeit bedeutet, weil Übersetzen eine sehr langwierige Arbeit ist. Da habe ich schon unter der einen oder anderen schwierigen Passage gelitten“, erzählte Stamm aus seiner Übersetzungsarbeit. Im Vergleich zu seinem eigenen Schreibstil sei der Stil Saint-Exupérys „poetischer, humorvoller, verspielter, manchmal ein bisschen zu verspielt“, schätzte Stamm, der sich indes eher als Autor und weniger als Übersetzer sieht.
15 Minuten gemeinsam lesen
Von hier aus öffnete sich dann der Horizont auf das größere Vorhaben der Schule: Die Lesewoche selbst ist ein schulweites Gemeinschaftsprojekt. Eine Woche lang liest die gesamte Schulgemeinschaft das gleiche Buch. Jeden Tag packen alle das kleine gelbe Büchlein aus und lesen 15 Minuten gemeinsam. Ziel ist es, so eine geteilte Leseerfahrung zu schaffen, Gespräche über Bücher anzuregen und das Lesen als verbindenden Moment für die gesamte Schulgemeinschaft erlebbar zu machen.
Und es gibt kleine Aktionen
Kleine Aktionen, die den Text im Alltag verankern, begleiten die tägliche Lesezeit. So begleiten etwa eine Plätzchenbackaktion, ein Filmabend, ein geplanter Kinobesuch und weitere kreative Ideen die Lektüre und machen die Woche zu einer gemeinsamen literarischen Reise durch die Schule.
Wie eng Literaturerleben, gemeinsames Lesen und vor allem auch das Vorlesen und Zuhören dabei zusammenfallen, zeigte sich nicht zuletzt in der Auftaktlesung selbst: Stamm las die Kapitel drei bis sechs, in denen sich das vorsichtige Gespräch zwischen Pilot und kleinem Prinzen vertieft, der winzige Heimatplanet Form annimmt und die ersten Risse in der sonderbaren Logik der Erwachsenenwelt sichtbar werden.
Ebenso las er die Kapitel 16 bis 20, in denen der Prinz auf der Erde in die Weite der nächtlichen Landschaft tritt, im Fuchs einen leisen Lehrer über Bindung und Verantwortung findet und begreift, warum das Wesentliche oft nur im geduldigen Blick des Herzens erkennbar wird.