Wie umgehen mit der Handynutzung bei Schülern? Das Gymnasium Balingen verfügt über eine Medienordnung. Foto: Eyckeler

Am Gymnasium Balingen regelt eine sogenannte Medienordnung, wann Handys erlaubt sind. Rektorin Michaela Mühlebach-Westfal teilt die bisherigen Erfahrungswerte.

Die Handynutzung an Schulen ist ein medialer Dauerbrenner. Immer wieder ist zu lesen, dass unter Schülern teils obszöne und kriminelle Inhalte über Whatsapp sowie andere soziale Netzwerke verbreitet werden. Fälle von Cybermobbing gehören an den meisten Schulen zum traurigen Alltag. Das Gymnasium in Balingen fährt dieses Schuljahr mit einer klar formulierten Medienordnung eine Strategie, um solche Fälle möglichst gering zu halten. Schulleiterin Michaela Mühlebach-Westfal verrät Details und Hintergründe.

 

„Die Medienordnung, die in unserem Haus gilt, existiert eigentlich schon länger, aber war nicht klar formuliert und wurde während der Corona-Pandemie wieder aufgeweicht“, sagt Mühlebach-Westfal im Telefongespräch mit unserer Redaktion.

Seit dem laufenden Schuljahr gelten jedoch klar formulierte Regeln: So ist die Nutzung von Handys in der Zeit von 7.40 bis 15.30 Uhr auf dem Gelände untersagt. Dieses Modell testet das Gymnasium noch bis zum Ende des Schuljahrs. „Dann werden wir uns zusammensetzen und genau beurteilen, wie die Regelung funktioniert hat“, erklärt die Rektorin.

Alle Parteien gehen den Weg mit

Sie sieht diese Maßnahme nicht als den einen Schritt. Vielmehr beschreibt sie den Umgang mit Handys sowie die Bildung von Medienkompetenz als „langen Prozess“, der sich über viele weitere Schuljahre ziehen wird.

Die geltende Medienordnung wurde am Gymnasium in Balingen nicht von oben nach unten bestimmt, sondern unter Einbindung von Lehrern, Eltern und Schülern so beschlossen. Das ist Mühlebach-Westfal sehr wichtig: Alle Parteien gehen zusammen diesen Weg.

Aus den bisherigen Erfahrungen und Rückmeldungen kann die Rektorin der Medienordnung bislang gute Noten geben. „Auch wenn es natürlich immer Ausreißer gibt und sich manche nicht daran halten, erhalten wir hauptsächlich positives Feedback.“

Das mache sich auf dem Schulhof bemerkbar: So werde unter anderem die Tischtennisplatte mehr genutzt, nennt die Leiterin eine Beobachtung. Allgemein habe sich die Interaktion unter den Schülern verbessert.

Appelle an Eltern

Das Unterbinden der Handynutzung ist aber nur ein Mittel, das die Schule fährt. Weitere sind nötig, um die Schüler für das wichtige Thema Medienkompetenz zu sensibilisieren. Per Elternbrief informieren Mühlebach-Westfal und das Lehrerkollegium über die Nutzungsbedingungen einzelner Chatportale wie Whatsapp. In Klasse 5 etwa, macht die Leiterin klar, seien Whatsappgruppen unter den Schülern nicht erwünscht.

„Das können und dürfen wir zwar nicht direkt kontrollieren, aber wir können an die Eltern appellieren“, sagt die Leiterin. Dass soziale Netzwerke nicht nur Negatives mit sich bringen, wollen die Lehrer ebenfalls kommunizieren. Ein digitales Tagebuch kommt am Gymnasium bereits zum Einsatz und hilft bei der Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. „Nur können hierüber keine verbotenen Inhalte geteilt werden“, so Mühlebach-Westfal.

Richtiger Umgang wird gelehrt

Fälle von Cybermobbing gab es bereits am Gymnasium. „Ich bin mir sicher, dass keine Schule im Land vor solchen Handlungen verschont bleibt“, stellt die Leiterin klar. „Soziale Medien und deren Auswirkungen kann man nicht unterbinden.“

Deswegen ist es wichtig, den richtigen Umgang auch im Unterricht zu behandeln. In den unteren Klassenstufen sensibilisiert die Polizei zum Beispiel. „In den höheren Stufen behandeln wir weitere Felder. Wir erklären etwa, was das Recht am eigenen Bild bedeutet, und wie Daten richtig geschützt werden“, erklärt die Rektorin.

Die Umstellung auf das Schulsystem G9, die fortschreitende Nutzung der Künstlichen Intelligenz sowie die immer häufigere Verbreitung von Fake News sind alles Beispiele dafür, dass die Medienkompetenz an Schulen einen immer größeren Raum einnehmen wird.

Das Land Baden-Württemberg hat bereits vor knapp einem Jahr mit einer Schulgesetzänderung entscheidende Weichen gestellt, damit Schulen mehr pädagogische Handlungsmöglichkeiten erhalten.