Andrea Lindlohr (rechts), Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen, lässt sich von Jochen Herrmann (von links) vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO), Schulleiter Zoran Josipovic, Bürgermeister Detlev Bührer, GHO-Leiter Dieter Kleinhans sowie Michael Eichmann vom Planungsbüro Hotz und Architekten die Geschichte des generalsanierten Gymnasiums am Deutenberg erklären. Foto: Kratt

Noch hat das neue Schuljahr nicht begonnen, dennoch wurde am Donnerstag am Gymnasium am Deutenberg hoher Besuch angekündigt: Staatssekretärin Andrea Lindlohr, die sich auf ihrer Denkmalreise einen Eindruck vom generalsanierten Gebäude als Kulturdenkmal machen wollte.

VS-Schwenningen - Mit gemischten Gefühlen wird der eine oder andere Verantwortliche an die Zeit der Generalsanierung zurückdenken, die durch Bauhürden und Kostenexplosionen in die Länge gezogen und "heiße Diskussionen" hervorgerufen hatte, wie sich auch Bürgermeister Detlev Bührer am Donnerstag erinnerte. Doch das Ergebnis kann sich letztendlich überaus sehen lassen, wie beim Besuch von Andrea Lindlohr von Anfang an deutlich wurde. Auf der diesjährigen Denkmalreise durch alle vier Regierungsbezirke des Landes wirbt die Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen für die wertvolle Arbeit der Denkmalpflege.

 

Günter Behnisch als Architekt der Demokratie

Mit ihr ließen sich zahlreiche Gäste und Vertreter des Landesdenkmalamts in die Geschichte des nun mehr 57-jährigen Baus, der in den Sechzigerjahren vom bekannten Architekten Günter Behnisch geplant wurde, einführen. Was Lindlohr selber an Behnisch, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, fasziniert, das sei der Wille zur Transparenz, aber auch zur Demokratie – typisch für die damals junge Bundesrepublik. So habe mit den Bauten ausgedrückt werden können, "wie demokratisches Miteinander geht". Ein Aspekt, der sich auch im GaD-Gebäude widerspiegeln soll. Über 70 Schulbauten, davon rund zehn in Baden-Württemberg, habe Günter Behnisch entworfen, weiß Claus Wolf, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege. Charakteristisch für sie sei die vorgefertigte Modularbauweise gewesen – wie eben auch beim Schwenninger Gymnasium. "Wie kann man ein Gebäude energetisch sanieren, es aber gleichzeitig als Denkmal erhalten?" Diese Frage, so Wolf, habe sich beim Gymnasium am Deutenberg in den Jahren 2011/12 gestellt – und sei auch für das Denkmalamt Neuland gewesen.

Über 9000 Fertigteile sind verbaut worden

Beim Rundgang erläutert der Architekt zusammen mit Ulrike Roggenbuck-Azad, die beim Landesdenkmalamt als Fachgebietsleiterin für Praktische Bau- und Kunstdenkmalpflege tätig ist und das GaD während der Sanierung betreut hat, die Herausforderungen für alle Beteiligten rund um Planungsbüro, Stadtbauamt sowie Denkmalamt. Beim Fertigteile-System von Günter Behnisch seien über 9000 Teile verbaut und die Fenster schon einbetoniert worden. Schon allein das habe die Sanierung erschwert. Rund 90 Prozent der Gebäudehülle hätten energetisch verbessert werden können, ohne aber das Gebäude zu verändern, betont Michael Eichmann. Es sei nach innen gedämmt worden. So habe man den Wärmeverlust um rund 60 Prozent reduzieren können. Eine neue Be- und Entlüftungsanlage sei zudem notwendig gewesen, die in die alte Struktur miteingepflegt worden sei.

Ein "gesundes Gesamtwerk"

Auch in alte Formen integriert werden konnten die neue technischen Installationen wie das White Board als Ersatz für die klassische Tafel, die auf neuestem Standard sind. Andrea Lindlohr zeigt sich zudem angetan von den hellen und offenen Fluren, die "Gemeinschaft schaffen". Sie seien in das pädagogische Konzept eingebunden, erklärt Architekt Eichmann. Rund 35 Prozent der Gebäudefläche seien sogenannte Verkehrsflächen, das entspreche nahezu dem modernen Standard. Als Herzstück des sanierten Gymnasiums präsentieren die Beteiligten die Aula, die ebenso Technik auf neuestem Niveau hervorbringt, bei der die historische Holzverkleidung aber gleichzeitig erhalten wurde. Es sei ein "gesundes Gesamtwerk" entstanden, fasst die Staatssekräterin ihren Eindruck zusammen. Die Schule habe eine hohe Funktionalität, aber auch eine gute Schulgemeinschaft.

Und was meinen die Verantwortlichen vor Ort? Die Nutzer seien sehr zufrieden, weiß Michael Eichmann, und auch Dieter Kleinhans, Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft und Hochbau, werde regelmäßig von Schülern und Lehrern widergespiegelt, dass sie sich hier wohlfühlen.