Die Abiturprüfungen stellen viele Schüler vor mentale Herausforderungen. Ein Schulsozialarbeiter und ein Lehrer berichten über wachsenden Prüfungsdruck und Wege damit umzugehen.
Mit dem Ende der Osterferien beginnt für die meisten Schüler wieder der Schulalltag. Für die Abiturienten jedoch startet jetzt die entscheidende Phase ihrer Schulzeit – und damit auch eine Zeit besonderer Belastung.
Für Jens Reinbolz ist das nichts Neues: Seit zehn Jahren arbeitet er als Schulsozialarbeiter am Gymnasium am Hoptbühl in Villingen und begleitet Schüler bei ihren Problemen. In der Prüfungsphase selbst erlebe er jedoch eher Zurückhaltung als gesprächsbereite Schüler. Die Schüler würden sich dann vor allem auf die Prüfungen konzentrieren, erklärt er. Sollte es doch zu Gesprächen kommen, handle es sich meist um dringende Notfälle, andere Dinge würden meist nach den Prüfungen besprochen.
Der Druck auf die Abiturienten habe laut dem Schulsozialarbeiter zugenommen, unter anderem durch das G8-System und dem umfangreichen Lehrplan. Zusätzlich spielen laut Reinbolz Zukunftsängste eine Rolle, etwa in Bezug auf Studium oder Beruf. Auch Erwartungen aus dem Elternhaus können diesen Druck verstärken.
Dabei gehen die Schüler mit dem Prüfungsdruck unterschiedlich um. Während einige Schüler relativ stabil durch die Prüfungen kämen, gerieten andere deutlich stärker unter Druck – unabhängig von ihren tatsächlichen Leistungen. „Es gibt beide Umgangsweisen in allen Notensegmenten“, beschreibt er.
Deutliche Unterschiede
Auch im Unterricht wird die Belastung durch die Prüfungen deutlich. Christian Wallner, Lehrer und Oberstufenberater am Gymnasium am Romäusring in Villingen, beobachtet deutliche Unterschiede im Umgang mit dem Prüfungsdruck. Einige Schüler würden sich schon seit längerer Zeit unter Druck setzen, während andere vergleichsweise entspannt in die Abiturprüfungen gingen. „Alles hat seine Vor- und Nachteile“, schätzt Wallner die Situation ein. Besonders auffällig seien die zunehmenden Extreme zwischen intensiver Vorbereitung und großer Gelassenheit. Auch strukturelle Veränderungen im Schulsystem spielen aus Sicht des Lehrers eine Rolle. Durch das G8-System, das am Romäusring seit dem Schuljahr 2024/25 mit Beginn der unteren Klassen durch G9 ersetzt wird, hätten viele Schüler einen höheren Zeit- und Freizeitdruck erlebt. Dadurch seien Prioritäten falsch gesetzt worden und zusätzlicher Stress entstanden. Gleichzeitig gebe es auch hier Unterschiede zwischen den Schülern. Dennoch glaube er, dass dem Großteil mit der Umstellung geholfen werde.
Psychische Belastung
In seiner Arbeit beobachtet Reinbolz eine zunehmende psychische Belastung bei Jugendlichen. Diese reiche von Überforderung und Stress bis hin zu ernsthaften Krisen. Gleichzeitig sei es für viele schwierig, rechtzeitig Hilfe zu bekommen, da Therapieplätze oft knapp seien. „Häufig müssen wir Schulsozialarbeiter dann versuchen die Zeit bis zum Therapiebeginn zu überbrücken und mit engmaschiger Betreuung versuchen große Krisen abzuwenden“, beschreibt Reinbolz die Situation.
Auch Wallner spricht von häufigeren psychischen Problemen oder Angstzuständen. Gleichzeitig betont er jedoch, dass diese heutzutage mehr wahrgenommen werden und die Lehrer sich mehr um die Schüler kümmern würden.
Strategien und Hilfen
Als wichtigste Strategie gegen den Prüfungsdruck nennt Reinbolz eine strukturierte Vorbereitung sowie regelmäßige Pausen und Bewegung. Pausen können helfen, Belastung zu reduzieren und die Konzentration zu verbessern.
Wallner gibt seinen Schülern die Möglichkeit, den Austausch mit ihm zu suchen. In seinem Gemeinschaftskunde-Kurs habe er ein Probeabitur erstellt, bei dem viele seiner Schüler gemerkt hätten, dass diese nicht schwerer sei als normale Klausuren. „Ich möchte ihnen somit die Berührungsängste nehmen“, erklärt er.
Am Freitag, 17. April, ist es soweit: Dann starten in Baden-Württemberg an den allgemeinbildenden Gymnasien die Abiturprüfungen.