"Die Nachricht seines Todes hat uns alle sehr betroffen": Der Lahrer Gemeinderat gedachte am Montagabend des verstorbenen Alt-OBs Werner Dietz. Foto: Bender

Ehemalige Weggefährten haben mit großer Betroffenheit auf die Nachricht vom Tod von Werner Dietz reagiert. Im Gedenken an den Alt-OB legte der Gemeinderat eine Schweigeminute ein.

Lahr – OB Markus Ibert erklärte, dass die Nachricht vom Tod Werner Dietz’ "uns alle sehr betroffen" hat. Er würdigte die Verdienste seines Vor-Vorgängers, der "sein gesamtes berufliches Leben in den Dienst der Stadt gestellt" habe: "Sein Beruf war für ihn eine Berufung." Als Beispiel für Dietz’ "herausragende Verdienste" nannte Ibert die Konversion des Flugplatzes, bei der es galt, Tausende Kanadier aus Lahr zu verabschieden und Tausende Neubürger in der Stadt willkommen zu heißen. Dabei habe der Alt-OB "wegweisende Entscheidungen getroffen". Zudem betonte Ibert Dietz’ großes Engagement um die Städtepartnerschaften mit Dole in Frankreich und Belleville in Kanada, die ihm bis zuletzt sehr wichtig gewesen seien. Mit großer Weitsicht habe der Verstorbene als Lahrer Kreisrat auch die kreispolitischen Geschicke mitgelenkt.

Wolfgang G. Müller: Die Nachricht vom Tod seines Amtsvorgängers hat Alt-OB Müller am Montag bei einem Aufenthalt in Brasilien erreicht, wo er die heiße Phase des Wahlkampfs als Beobachter begleitet. "Mein Mitgefühl und das meiner Familie gilt seiner Frau, seinen Söhnen und allen Verwandten". betont Müller. Dietz habe sein ganzes berufliches Leben in den Dienst der Stadt Lahr gestellt. Auch nach seiner Amtszeit habe er nicht aufgehört, sich um die Geschicke der Stadt zu kümmern und sich mit ihr zu identifizieren. "Dies habe ich besonders an ihm geschätzt, und gerade dieser Aspekt hat uns verbunden", so Müller. Zu den großen Herausforderungen, die Dietz in seiner Amtszeit meistern musste, hätten die Gestaltung der Präsenz des kanadischen Militärs in Lahr und besonders dessen Abzug gehört, so Müller. "Hierfür hat ihn die kanadische Regierung hoch ausgezeichnet. Er unterhielt auch sehr enge private Kontakte zur Stadt Belleville. Die Beziehungen zu Kanada waren für ihn eine Herzensangelegenheit", betont Müller. Die Abfederung der vielfältigen Folgen des Abzugs der Kanadier und die Veränderung der Stadt durch den Zuzug Tausender Spätaussiedler hätten dann die letzten Jahre seiner Amtszeit markiert. Müller: "Werner Dietz hat sich große Verdienste für unsere Stadt Lahr erworben. Er bleibt vor allem in Erinnerung als der Oberbürgermeister, der in einer besonders herausfordernden Zeit an der Spitze der Stadt stand und ihre Geschicke lenkte".

Claus Vollmer: Als Vollmer 1984 in den Lahrer Gemeinderat gewählt wurde, war Dietz bereits drei Jahre OB. Voller zog damals mit drei anderen grünen Mitstreitern in das Gremium ein – und dort prallten dann Welten aufeinander, wie Vollmer sich heute im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert. Zwischen ihm und Dietz habe es teils richtig gekracht – zum Beispiel weil Vollmer nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986 wollte, dass Lahrer Kinderspielplätze auf eine mögliche radioaktive Belastung hin untersucht werden, Dietz aber strikt dagegen war. Und doch fällt Vollmers Urteil über Werner Dietz heute sehr positiv aus: "Er war ein guter, pflichtbewusster OB". Weitere Eigenschaften, die der frühere Fraktionssprecher der Grünen mit Dietz in Verbindung bringt: Sehr korrekt sei er gewesen, als Mensch angenehm, als OB der Stadt "dienend". Dietz habe es verstanden, "Aufgeregtheiten im Gemeinderat zu dämpfen". Obwohl sie beide gerade in Vollmers Anfangszeit im Gemeinderat heftige Meinungsverschiedenheiten ausgetragen hätten, sei zwischen ihnen nichts Negatives zurückgeblieben. "Auch nach dem Ende seiner Amtszeit als OB haben wir uns jeweils gegenseitig mit handgeschriebenen Briefen zum Geburtstag gratuliert", erzählt Vollmer. Er freue sich, dass sie beide später ein so gutes Verhältnis gehabt hätten. Die größte politische Leistung von Dietz sei die Konversion des Flugplatzgeländes nach Abzug der Kanadier gewesen – da habe er sehr gute Arbeit geleistet.

Roland Hirsch: 1989 wurde der heutige Fraktionsvorsitzende der SPD erstmals in den Gemeinderat gewählt. Es seien damals andere Zeiten gewesen, die Auseinandersetzungen in dem Gremium seien "deutlich akzentuierter" als heute verlaufen, erinnert sich Hirsch. In seiner Eigenschaft als OB und Chef der Verwaltung habe Dietz dabei manche Dinge naturgemäß anders als die Mitglieder des Gemeinderats gesehen – aber man habe trotzdem ein gutes Miteinander im Gemeinderat gehabt, was vor allem auch Dietz’ ausgleichenden Charakter zu verdanken gewesen sei. Hirsch schildert ihn als "bestens vorbereiteten OB", der sich in alle Sachverhalte hervorragend eingearbeitet und in den Ratssitzungen dann mit Detailwissen geglänzt habe. Sehr gewissenhaft sei Dietz gewesen, so Hirsch – und menschlich. Als Beleg nennt Hirsch seinen eigenen 40. Geburtstag im Jahr 1990. Dietz sei an dem Tag völlig überraschend um 11 Uhr vor seiner Tür gestanden, um ihm zu gratulieren. Über diese Geste habe er sich sehr gefreut, so Hirsch. Auf die Frage nach Dietz’ größter politischer Leistung kommt auch Hirsch auf die Konversion des Flugplatzgeländes zu sprechen. Letztlich sei es Dietz zu verdanken, dass man dort heute prosperierende Gewerbeflächen habe. Der Abzug der Kanadier sei damals "ein harter Schlag" gewesen, so Hirsch, aber Dietz habe die damit verbundenen Herausforderungen "souverän gemeistert".

Jörg Uffelmann: Der heutige Fraktionssprecher der FDP gehört dem Gemeinderat seit April 1982 an, hat Dietz also somit praktisch während dessen gesamter Zeit als OB begleitet. Doch die beiden kennen sich noch viel länger, im Jahr 1971 war Uffelmann nämlich Rechtsreferendar im städtischen Rechts- und Ordnungsamt, das damals von Dietz geleitet wurde. Bereits damals sei es eine sehr angenehme Zusammenarbeit gewesen, denn Dietz habe nicht den Vorgesetzten raushängen lassen, sondern sei zum Beispiel sehr offen für Verbesserungsvorschläge gewesen. Dieses angenehme, respektvolle Miteinander habe sich dann später fortgesetzt, als Dietz OB und er selbst Gemeinderatsmitglied war, so Uffelmann. Er habe stets ein gutes Verhältnis zu Dietz gehabt, aber das sei auch leicht gewesen, da der ein geradliniger, korrekter und verlässlicher Mensch gewesen sei. Auch Uffelmann nennt als Dietz’ größten Verdienst die Konversion der Ex-Militärflächen – und dass die Stadt Lahr damals auch die Wohnungen der Kanadier im Kanadaring übernommen hat. Um die Lahrer Städtepartnerschaften zu Dole und Belleville habe Dietz sich ebenfalls verdient gemacht, so Uffelmann.

Eberhard Roth: Auch der heutige Fraktionssprecher der Freien Wähler kannte Dietz schon gut, ehe der OB wurde. Denn Roth absolvierte 1975 einen Teil seiner Ausbildung zum Gehobenen Verwaltungsdienst im seinerzeit von Dietz geleiteten städtischen Rechts- und Ordnungsamt. Dietz sei ein fürsorglicher Chef gewesen, erinnert sich Roth, der 1977 mit damals 23 Jahren zum Ortsvorsteher von Kippenheimweiler gewählt wurde. Damit gehörte er dem Gemeinderat bereits als beobachtendes Mitglied an, als Dietz 1991 OB wurde. Ab 1989 hatte Roth dann ein Mandat im Gemeinderat als gewählter Stadtrat. Auch er hat Dietz also während dessen gesamten 16 Jahren als OB begleitet. Im Gespräch mit unserer Redaktion äußerte Roth sich am Montag in den höchsten Tönen über den Verstorbenen. Dietz habe den Bürgern dienen wollen und das Amt des Lahrer OB "als Lebensaufgabe angesehen". Für ihn selbst sei Dietz sogar wie eine Vaterfigur gewesen, da er ihn schon in jungen Jahren auf seinem Lebensweg begleitet habe.