Das Kino wird 130 Jahre alt – und ist lebendiger denn je, findet unser Autor.
Totgesagte leben ja bekanntlich länger. So auch das Kino. Wer wurde nicht alles schon zum Totengräber des Kinos ausgerufen? Das Fernsehen. Die Videokassette. Die DVD. Die Streamingportale. Die Corona-Pandemie. Die Liste ließe sich fortsetzen.
Fakt ist: Das Kino, als dessen Geburtsstunde die Filmvorführungen der Brüder Lumière im Jahr 1895 in einem Café in Paris gelten, trotzt bis heute allen Widrigkeiten. Das allein ist Grund genug, dem quietschfidelen Jubilar zu seinem 130. Geburtstag zu gratulieren und das Sektglas, Pardon: den Popcornbecher auf die nächsten 100 Jahre zu erheben.
Eine der schönsten Sentenzen über die Faszination des Lichtspielhauses stammt von dem Film- und Literaturkritiker Hellmuth Karasek: „Ins Kino ging man, aus Glück, wenn man zu zweit war. Ins Kino ging man, aus Unglück, wenn man allein war. Und das war öfter“, schreibt er in seinem 1994 erschienenen Buch „Mein Kino“. Und weiter: „Ich kannte keinen größeren Tröster, Seelentröster, als das Kino.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.