Wer Nacktradlern begegnet, dem wird der Wert von Kleidung als kulturelle Errungenschaft schlagartig bewusst. Foto: Die Oberbadische

Beim Wandern im Südschwarzwald trifft man aufgeräumte Zeitgenossen mit Rucksack und Funktionskleidung – eigentlich.

„Grüß Gott!“ Bei Streifzügen im Südschwarzwald verbinde ich mit diesem herzlichen Gruß aufgeräumte Zeitgenossen, die mit Rucksack und in naturfarbener Funktionskleidung entgegenkommende Wanderer grüßen. So war’s auch am Sonntagmittag, als wir zwei Mountainbikern begegneten. „Grüß Gott!“ Ich kam leider nicht dazu, den Gruß zu erwidern, weil mir die Klappe offen stand: Die Mountainbiker hatten keine Funktionskleidung an. Genau genommen hatten sie überhaupt nichts an. Hallo?!? Das Nacktradeln, so las ich bei einer kurzen Recherche (Berufskrankheit), hat seinen Ursprung in Spanien. Mittlerweile gibt es offenbar Veranstaltungen, bei denen sich hunderte von Nackedeis auf dem Rad zur Ausfahrt treffen. Indes: Unabhängig davon, ob Nacktradeln im Einzelfall erlaubt ist, oder nicht – mir wurde bei dieser Gelegenheit wieder der Wert von Kleidung als kultureller Errungenschaft bewusst. Denn – offen gestanden – wenn ich mit die Leute auf dem Rad so vor Augen führe: Falls sich dieser Trend nicht durchsetzen sollte, ich fänd’s nicht schlimm.