Lyrik kann den Leser an Orte bringen, zu denen er anders nicht gelangen kann. Foto: Die Oberbadische

Der April wird in der Lyrik ganz verschieden gesehen. Aber ist er wirklich „der grausamste Monat“, wie es bei T. S. Eliot heißt? Unser Autor hat eine Meinung dazu.

Einer macht ja immer den Spielverderber: Da wird der April und mit ihm der Frühling seit dem Mittelalter von Dichtern gefeiert und besungen. Rainer Maria Rilke beginnt sein Gedicht „Aus einem April“ freudig mit „Wieder duftet der Wald“.

 

Und was macht T. S. Eliot? Er eröffnet sein Versepos „Das wüste Land“ von 1922 mit der Zeile „April ist der grausamste Monat“.

Einspruch: Ein Gedicht, das bei seinem Erscheinen als Zeitporträt interpretiert wurde, welches die Erschütterungen durch den Ersten Weltkrieg poetisch verarbeitet – klingt das wirklich nach etwas, was man sich als Leser zu Gemüte führen möchte? Zumal der Autor in sein Werk auch persönliches Leid projiziert.

Stimmt schon: Lesevergnügen sieht auf den ersten Blick anders aus. Und doch ist „Das wüste Land“ bis heute mehr als diesen ersten Blick wert. Ganze Passagen gehören zum Kraftvollsten, was ich an Lyrik kenne.

„Das wüste Land“ ist eine Herausforderung, eine Zumutung mitunter – aber eine, die der Mühe wert ist und den Leser reich belohnt, indem sie ihn an Orte führt, an die er anders nicht gelangen kann. Und das nicht nur im April.