Wer hat eigentlich die Schriftgröße bei Textiletiketten erfunden, fragt sich unsere Autorin regelmäßig.
Da ich gerne Stoffe ohne Kunstfasern trage, gleicht das Einkaufen neuer Kleidung zuweilen einer Hieroglyphen-Forschung. Mit zusammengekniffen Augen – Brille rauf, Brille runter, ein Auge zu, dann das andere – versuche ich zwischen Bulgarisch, Arabisch und Thai den deutschen Hinweis zur stofflichen Zusammensetzung zu entziffern.
Wenn dann eine Verkäuferin jenseits der 40 um Rat gefragt wird, stehen wir beide ratlos vor dem Zettelgewurschtel. Zur Beruhigung: Auch die Jungen tun sich schwer damit. Kein Wunder, dass zuweilen ein Shirt, das meine Waschmaschine verlässt, doppel so groß und ausgelabbert auf der Leine hängt. 60 statt 30 gewaschen? Blöd. Aber wenn man’s halt nicht lesen kann?
Minischrift und Altersweitsicht können aber auch Vorteile haben. So bekam ich jüngst ein Medikament verschrieben. Unter der fettgedruckten Überschrift „Mögliche Nebenwirkungen“ war gefühlt ein Roman abgedruckt. Allerdings seeehr klein gedruckt. Also zusammengeknüllt und weggelegt. Immerhin habe ich die Medikamenteneinnahme überstanden, ohne labbrig über der Leine zu hängen.