Das Open-Air der Puppenparade ist bei vielen Kindern und deren Eltern bestens angekommen. Ein besonderer Hingucker waren am Samstag drei Akteure, die als Obst verkleidet und auf Stelzen durch Lahr flanierten. Ein weiterer Künstler bestritt seine Vorführung mit frischen Lebensmitteln vom Wochenmarkt.
Eine Spezialität der diesjährigen Puppenparade – nur in Lahr – war der Walking-Act Naranja. Drei überdimensionale Orangen (spanisch „Naranja“, ein Trio auf Stelzen, etwa drei Metern hoch) tanzten vom Alten Rathaus über den Sonnenplatz auf den Wochenmarkt. Die Orangen hatten Geschmack, aus der Konserve lief eines der Brandenburgischen Konzerte von Bach. Das Trio ging auf die Musik ein, nur beim Mitträllern gibt es Abzüge in der B-Note. Aber allein die Tatsache, dass die Darsteller sehr elegant auf den Stelzen über das Kopfsteinpflaster balancierten und noch ordentlich Unfug machen konnten, verdient Applaus. Die Klagen waren groß, als sie auf dem Wochenmarkt echte Orangen ausfindig machten: „So klein!“
Am frühen Morgen hatte es über Lahr noch ordentlich geregnet. Doch zum Auftakt der Puppenparade waren die Straßen der Innenstadt dann bereits wieder trocken. Der trübe Himmel hielt, es gab nur vereinzelte Regentropfen, gegen Mittag schaute sogar die Sonne kurz zwischen den Wolken durch.
Guten Zulauf hatte der Kiepenkasper (Uwe Spillmann) auf dem Deck des Marktplatzes. Der Puppenspieler aus Sibbesse war erstaunt über den Andrang gleich zum Start um zehn Uhr. Eine Stunde später haderte der Kasper mit drei Zauberfedern und einer Hexe. Ein Raubritter namens „Graf Pomme des Terre“ (zu deutsch etwa „Graf Kartoffel“) war dann später das Finale. Spillmann hatte, auch das gehört bei seinen Auftritten während der Puppenparade fest dazu, die Figuren zuvor auf dem Wochenmarkt erstanden. Ein „Kohlrabikönig“ und eine Prinzessin „Zitronella“ erlebten einen spannenden Ritterkampf – und am Ende gab es ein Gemetzel, wie das in jeder Küche beim Kampf des Küchenmessers gegen Gemüse die Regel ist.
Kinder besuchen Puppenbauwerkstatt auf Schlossplatz
Bei der Puppenbauwerkstatt auf dem Schlossplatz, wo es ein Zeltdach gab, war man mit dem Besuch der Kinder zufrieden. Im vergangenen Jahr bei deutlich besserem Wetter sei die Nachfrage natürlich besser gewesen, wie die Befragten an den verschiedenen Stationen übereinstimmend berichteten. Aber, so hieß es unter dem Zelt der Werkstatt, es hätte ja auch regnen können.
Etwas Pech hatte Bernd Linde aus Hannover, der am Storchenturm einen festen Stand bezogen hatte. Er nutze den Unterstand, wo zur Chrysanthema Blumen ausgestellt sind, für sein Theater „Die unwiderstehliche Drei“. Das hatten die Organisatoren am Morgen aufgrund der Befürchtungen von Regen kurzfristig arrangiert. Zwei der Vorstellungen waren dann nicht so gut besucht, wie es der Puppenspieler eigentlich verdient gehabt hätte.
Wie kurz hier die Wege auseinander und die Gunst der Besucherinnen und Besucher unterschiedlich sein können, zeigte sich beim Besuch auf dem Museumsplatz nur wenige Meter vom Storchenturm entfernt. Nicole Gospodarek aus Berlin konnte sich dort bei ihrer ersten Vorführung von „Gans, der Bär“ nämlich sicher nicht über fehlende Zuschauer beklagen.
Noch mehr Puppen
Die nächste Vorführung für Erwachsene im Rahmen der Puppeparade Ortenau ist das Stück „Die Ritter der Kokosnuss“ – frei nach dem Kultfilm der Komikertruppe Monty Python. Die Vorführung läuft am Sonntag, 6. April, ab 19 Uhr im Schlachthof.