Am 30. Juni 2025 protestierten Mitarbeiter vor den spiegelenden Fassaden von Ceratizit in Empfingen gegen die Schließung – vergeblich. Ein Horber Unternehmen will das Gebäude weiternutzen. Foto: Jürgen Lück

Zum 30. Juni schließt Ceratizit sein Werk in Empfingen. Eine Horber Firma will es kaufen. Damit droht der großen Kreisstadt ein heftiger Rückschlag.

Gute Nachrichten für Empfingen, schlechte für Horb: Offenbar ist das Ceratizit-Gebäude so gut wie verkauft. An eine Horber Firma. Warum das ein schlimmer Schlag für Horb wäre.

 

30. Juni 2025. Mitarbeiter protestieren gegen die drohende Schließung von Ceratizit in Empfingen. Im Juli verkünden IG Metall und Betriebsrat, dass die Rettungsverhandlungen gescheitert sind. Zum 30. Juni 2026 wird der Standort geschlossen.

Georgii Kobold: Wollen Ceratizit-Gebäude kaufen

Ende September 2025 machte der scheidende Horber OB Peter Rosenberger im Industriegebiet Heiligenfeld seinen letzten Spatenstich. Für 12 Hektar neue Gewerbefläche. Mit dabei: die Geschäftsleitung von Georgii Kobold.

Spatenstich am 26. September 2025 im Industriegebiet Heiligenfeld. Links Stefan und Reiner Vonderschmidt, Geschäftsleitung Georgii Kobold, daneben OB Peter Rosenberger (CDU). Foto: Jürgen Lück

Reiner Vonderschmidt sagte: „Wenn alles klappt, könnte der Umzug auf die neue Fläche im Industriegebiet Heiligenfeld im Herbst 2026 stattfinden.“ Damals war die Rede von 17 bis 18 Millionen Euro Investitionen. 165 Arbeitsplätze sollten entstehen.

Georgii Kobold: Wollen Ceratrizit-Gebäude kaufen

22. Januar 2026. Die Geschäftsleitung von Georgii Kobold sagt unserer Redaktion: „Die Ceratizit-Immobilie passt gut zu den Anforderungen von Georgii Kobold an eine neue Betriebsimmobilie. Wir betrachten den Kauf der gebrauchten Immobilie, auch aus wirtschaftlichen Gründen, als Alternative zum Neubau im Heiligenfeld. Wir stehen hierzu bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Geschäftsleitung von Ceratizit.“

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner sprach auch Ende Juni 2025 bei der Kundgebung gegen die Schließung von Ceratizit. Foto: Jürgen Lück

Laut Informationen dieser Redaktion sollen die Verkaufsverhandlungen bis hin zu einem Notartermin fortgeschritten sein. Ein Ceratizit-Sprecher: „Wir bitten um Verständnis, dass wir derzeit keine Details oder Informationen zum Verkauf unseres Standorts in Empfingen bekanntgeben. Sobald es hierzu offizielle Neuigkeiten gibt, werden wir diese entsprechend kommunizieren.“

Horb würde der Wegzug hart treffen

Georgii Kobold hat seine Produktion bisher in der Weststadt in der Nähe von Bosch-Rexroth. Weil die Firma im Industriegebiet erweitern wollte, hatten Georgii Kobold und die Stadt Horb eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Chance für Horb, die 1,7 Millionen Euro Erschließungskosten für die neuen Gewerbeflächen zu refinanzieren und einen Gewerbesteuerzahler zu halten.

Die jetzige Produktion von Georgii Kobold in der Ihlinger Straße 57 in Horb. Foto: Juergen Lueck

Georgii Kobold will jetzt wohl nach Empfingen abwandern. Horbs OB Michael Keßler (CDU): „Wir würden das bedauern. Die Stadt Horb hat die Erweiterungspläne von Georgii Kobold positiv begleitet. Es ist eine innovative Firma mit Wachstumspotenzial, die auch neue Mitarbeiter einstellen will.“

OB Keßler: „Zweites Unternehmen, das Horb Richtung Empfingen verläßt“

Die Motive von Georgii Kobold könne er verstehen. OB Keßler: „Ein Unternehmen handelt aus finanziellen Aspekten. Sollte der Standort Empfingen erheblich günstiger sein, kann ich das nachvollziehen. Nach Ceratizit wäre Georgii Kobold schon das zweite Unternehmen, das Horb Richtung Empfingen verlässt. Die gute Nachricht: Die Arbeitsplätze bleiben der Region erhalten.“

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner (CDU) : „Als die Schließung des Ceratizit-Werkes bekannt wurde, hatte ich erhebliche Angst um einen Leerstand an prominenter Stelle. Dass jetzt so ein klangloser Übergang stattfindet, ist beachtlich. Natürlich ist es für die Stadt Horb am Neckar ein herber Rückschlag, für Empfingen kann zumindest eine Träne getrocknet werden – die Arbeitsplätze von Ceratizit sind trotzdem verloren. Ich würde mich umso mehr freuen, wenn Georgii Kobold dann noch weitere Arbeitsplätze schafft und gerne das Werk erweitert.“