Vorsitzender Florian Eichin (von links) ehrte Gabi Billharz und Tanja Welke zusammen mit dem stellvertretenden Vortizenden Stefan Blank. Foto: Dorn

Musikalisch aktiv, finanziell solide und mit engagiertem Nachwuchs: Das Akkordeon-Orchester Gutach zog bei seiner Hauptversammlung eine positive Bilanz.

Sehr gut aufgestellt präsentierte sich der Verein Akkordeon-Orchester Gutach auf seiner 51. Jahreshauptversammlung in „Webers Esszeit“ am Freitagabend. Mit der musikalischen Begleitung des Gutacher Neujahrsempfangs waren die Spieler des Vereins gleich zu Beginn des Gutacher Jubiläumsjahrs gefordert und auch über das Jahr verteilt war der Verein zur Stelle, wenn er musikalisch gebraucht wurde, so bei der Eröffnung des Kurparks, dem Trachtentag im Freilichtmuseum und zuletzt bei der Verabschiedung von Pfarrer Dominik Wille.

 

Mit etwa 50 aktiven Spielern, davon zehn unter 18 Jahre, sind die Register im Orchester gut besetzt. Sieben Ausbilder, darunter auch Dirigent Vladimir Konrat, kümmern sich um die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses am Keyboard und am Akkordeon beziehungsweise dessen Vorläufer-Instrument Melodika. Hier würde der Verein gerne noch aktiver sein, wegen fehlender Ausbildungskapazitäten könnten derzeit vier Interessenten nicht „bedient“ werden. Dies war denn auch die einzige negative Nachricht der Hauptversammlung, Kassierer Fritz Ruf berichtete über solide Finanzen mit den Einnahmen vom Weihnachtsmarkt im Freilichtmuseum als „großem Christkindle“ für die Vereinskasse.

Mike Lauble überbrachte in Vertretung von Bürgermeister Siegfried Eckert das Grußwort der Gemeinde Gutach und sparte nicht am Lob für den „Schwesterverein“ Lauble führt als Vorsitzender die Trachtenkapelle Gutach, diese teilt sich mit dem Akkordeonverein das Probenlokal. Jeder Spieler habe mit dem Akkordeon ja eigentlich ein eigenes kleines Orchester in Händen und verstehe dies virtuos zu spielen.

Dirigent Vladimir Konrat blickte in seiner Bilanz mit ein wenig Wehmut auf die Auflösung des Jugendorchesters zurück, war ihm die Spielgruppe in den vergangenen zwei Jahren doch sehr ans Herz gewachsen. Aber schon im vergangenen Herbst konnte Konrat den Start des neuen Kinderorchesters begleiten, welches vor wenigen Tagen sogar noch um eine „Kidsgruppe“ ergänzt werden konnte. „Eine Mischung aus Kindern, Ausbildern, Müttern und Dirigent“, in der alles getan werde, um die Kinder auf die Bühne zu bringen.

Konrat zeigte sich zufrieden mit dem Probenbesuch. Mit Sabine Aberle, Gabi Billharz, Carina Billharz, Manfred Aberle, Michaela Kiefer und Martina Plewa hatte es gleich ein Sextett geschafft, an höchstens drei Probenabenden zu fehlen. Aberle hatte sogar keine einzige „Fehlprobe“ zu verzeichnen.

Wie gut es um die „Chemie“ zwischen Spielern und Dirigent steht, zeigte eine humorvolle Liste der „Top Ten“ Dirigentensprüche, darunter der Klassiker des als Lob verkleideten Tadels „da war schon viel Gutes dabei“ sowie dezente Hinweise auf die Dynamik-Zeichen unter den Noten und die richtigen Töne „das Publikum zahlt auch für die Vorzeichen Eintritt“.

Bei der gefühlten wie gelebten Harmonie im Verein waren die turnusgemäßen Vorstandswahlen ein Selbstläufer, die junge Vorstandsmannschaft um den Vorsitzenden Florian Eichin und seinen Stellvertreter Stefan Blank wurde nach zwei Jahren in den Ämtern bestätigt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Schriftführer Marc Reinbold. Mit einer Satzungsänderung wurde ermöglicht, dass der Schriftführer künftig Aufgabenpakete delegieren kann.

Neuer Schriftführer ist Marc Reinbold

Für langjährige Treue zum Verein wurden Gabi Billharz und Tanja Welke geehrt. Welke wurde vom Deutschen Harmonika-Verband mit der silbernen Ehrennadel für 20 Jahre aktives Spielen geehrt. Mit ihrem „Zweitinstrument“ Bass vergrößert sie das musikalische Spektrum des Orchesters. Mit einem halben Jahrhundert am Instrument hat Gabi Billharz fast ihr ganzes Leben mit dem Akkordeon zugebracht. Im Alter von sieben Jahren war sie 1976 in den Verein eingetreten und hat seitdem eine „Bilderbuchkarriere“ im Verein hingelegt.

Ehrenpräsident Manfred Aberle ließ es sich nicht nehmen, mit einer launigen Laudatio auf die Stationen dieser Karriere zurückzublicken. Bereits 1985 übernahm Billharz musikalische Verantwortung zunächst als Ausbilderin, 1994 dann als Dirigentin des Jugendorchesters, dem sie bis 2020 vorstehen sollte. Von 1994 bis 2004 fungierte Billharz zudem als Jugendleiterin, 1998 initiierte sie das im zweijährigen Turnus stattfindende Singspiel in der Peterskirche, das unter dem Namen „Weihnachtsmusical“ inzwischen eine feste Größe in der Gutacher Adventszeit ist. In all den Jahren habe „unsere Gabi“ ehrenamtlich wohl mehr Akkordeon gespielt und gestreichelt als so mancher hauptamtliche Instrumentenbauer, schloss Aberle. Für dieses Jahr steht das „Weihnachtsmusical“ mit zwei Aufführungen am 4. Advent in der Peterskirche wieder auf dem Programm.

Das Instrument

Das Akkordeon wurde vom Landesmusikrat zum „Instrument des Jahres 2026“ gekürt. Schon 1829 erfunden setzte das Akkordeon hundert Jahre später mit dem Unternehmen Hohner – seinerzeit die größte Musikinstrumentenfabrik der Welt – zum Siegeszug durch die Welt der Musik an. Im südamerikanischen Tango, der französischen Muzette, der deutschen Volksmusik oder dem modernen Jazz hat sich das Akkordeon seine Bedeutung bis heute bewahrt. Wer sich einen Eindruck darüber verschaffen will, dem bietet sich am Samstag, den 18. April 2026 mit dem Jahreskonzert des Akkordeon-Orchesters in der Gutacher Festhalle eine gute Gelegenheit.