Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Gutach Wolf: "Uns sind die Hände gebunden"

Von
Gefährdet der Wolf die Schwarzwälder Kulturlandschaft? Foto: Gabbert

Gutach - Der Wolf polarisiert derzeit wie kein anderes Tier. Nachdem im vergangenen April in Bad Wildbad (Kreis Calw) 44 Schafe gerissen wurden, ist das Medienecho groß. In der Gesellschaft gehen die Meinungen über das Raubtier auseinander. Seit Ende Mai hat Baden-Württemberg ein Wolfsgebiet, das bis nach Wolfach reicht. Kreis- und Bezirksjägermeister Hans-Jürgen Schneider aus Gutach ist der Meinung, dass der Wolf dringend unter das Jagdgesetz gestellt werden sollte.

Herr Schneider, der Wolf ist zurück im Schwarzwald. Müssen wir jetzt Angst haben?

Das kommt auf die Position an, von der aus man die Angst betrachtet. Nein, Angst davor, dass wir nicht mehr in den Wald gehen dürfen, brauchen wir nicht haben. Das ist bei bislang einem Wolf in Baden-Württemberg sicherlich noch zu früh. Wenn die Population größer wäre und es Rudel geben würde, dann wäre es denkbar, dass sich die Tiere den Menschensiedlungen nähern. Aber über Gruselgeschichten, in denen der Wolf Menschen angreift, will ich jetzt nicht spekulieren.

Wie gehen Sie als Bezirks- und Kreisjägermeister nun mit dem Wolf um?

Die heimischen Jäger sind zunächst mal an die gesetzlichen Grundlagen gebunden. Der Wolf ist im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie eingestuft und hat somit den höchsten Schutzstatus überhaupt. Damit sind uns Jägern nicht nur die Hände gebunden. Wir sind auch angehalten, nichts zu tun, außer bisher in den Wind geschlagene Forderungen aufstellen zu dürfen.

Inwiefern könnte das Tier denn unserer Region schaden?

Wölfe würden vor allem dort Schaden anrichten, wo es um die Weidetierhaltung geht. Diese ist gerade in unserer Region ein wichtiger Aspekt. Nicht nur, wenn es um die Einkommen der Landnutzer geht, sondern noch vielmehr, wenn es den Erhalt unserer Kulturlandschaft betrifft. Die vielen Kleinflächen im Schwarzwald würden verschwinden, wenn dort keine Schafe, Ziegen oder Rinder mehr weiden würden. Stattdessen hätten wir mehr Wald – und ob wir das wollen, ist eine andere Frage. Wir sollten meiner Ansicht nach ein großes Augenmerk darauf richten, dass der Wolf uns in Bezug auf die Offenhaltung nicht das ein oder andere kaputt macht.

Was unternimmt die Politik gegen Angriffe auf Weidetiere?

Von der politischen Seite wird der Versuch unternommen, das meiste durch Zäune, Hütehunde und ähnliche Dinge zu regeln. Oder es werden Entschädigungen für die Landwirte besprochen, beschlossen und vor allem beschwichtigt. Ob das letztlich nützt, da habe ich meine Zweifel. Wir werden sehen, was im neu eingerichteten Wolfsgebiet in Baden-Württemberg mit einem 30-Kilometer-Radius um den "Hotspot" in der Nähe von Bad Wildbad, passiert. Dieses reicht bis zur Gemarkung Wolfach und fällt somit ins Gebiet unserer Jägervereinigung Kinzigtal. Jetzt müssen wir abwarten. Zum Schutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild sind – wenn der Halter einen Schadensersatz für von Wölfen geschädigte Weidetiere haben möchte – Schutzzäune mit einer Höhe von mindestens 90 Zentimetern gefordert, die mit einem Elektronetzzaun mit mindestens fünf Litzen versehen sind, auf denen sich Strom mit mindestens 4000 Volt bei 500 Ohm befindet. Ob das wirklich hilft bezweifle ich. Vielleicht im Moment und bei einem einzigen Wolf. Wenn mal ganze Rudel auftauchen, wird das so nicht mehr funktionieren. Diese Schutzzäune werden derzeit mit 90 Prozent der Materialkosten bezuschusst. Zäune für andere Weidetiere, wie Rinder, Pferde oder Esel, werden derzeit nicht bezuschusst.

Die Frage ist, ob wir den Wolf überhaupt überall brauchen. Er ist eingewandert, das ist richtig. Jedoch bezweifele ich, dass das Tier überall freien Zugang haben muss. Deshalb fordern der Deutsche Jagdverband und der Landesjagdverband Baden-Württemberg auch, dass der Wolf dem Jagdrecht unterstellt wird. Was sicher auch richtig ist, denn die Wolfspopulation in Deutschland ist stabil. Aber das wollen die Wolfs-Befürworter, die oftmals aus dem Bauch heraus argumentieren, wie ich meine, nicht wahrhaben.

Ist das ein Problem?

Ich halte es für eine ganz große Katastrophe, dass ein Großteil der Gesellschaft einen "Schmusekurs" mit dem Wolf betreibt. Sobald aber jemand – auch legal – ein solches Tier erlegen würde, würde in den Medien ein "Shitstorm" losgehen. Als der Kampfhund "Chico" seine beiden Halter tötete, und er von amtstierärztlicher Seite eingeschläfert wurde, war die Reaktion immens. Ich warte nur noch darauf, dass jemand auf mich zukommt, und mir droht, weil ich ein Reh erlegt habe. Wenn die Wolfspopulation zunehmen sollte, und das tun die zur Zeit in Deutschland lebenden circa 800 Wölfe mit einer Vermehrungsrate von etwa 30 Prozent, wird es keine andere Möglichkeit geben, als dass wir Jäger sie regulieren müssen. Wir wollen die Tiere nicht ausrotten. Aber es muss Gebiete geben, wo die Population der Wölfe begrenzt wird.

Inwiefern steht jetzt die Politik in der Pflicht?

Viele Politiker waren überrascht, als in Bad Wildbad 44 Schafe gerissen wurden und das ausgerechnet noch am Tag des Wolfs. Dass es zu einem solchen Vorfall kommt, war nur eine Frage der Zeit. Jetzt haben wir als erste Maßnahme eine Richtschnur bekommen und ein Wolfsgebiet wurde naheliegenderweise eingerichtet. Aber was dort passiert, beziehungsweise alles passieren muss, ist noch lange nicht klar und wird noch für viel Diskussionsstoff sorgen. Wir werden da in Zukunft noch einige Überraschungen erleben und feststellen, dass es so nicht weitergeht.

Hans-Jürgen Schneider, Jahrgang 1951, ist seit 1977 Jäger. Der Gutacher ist Kreisjägermeister der Jägervereinigung Kinzigtal und Bezirksjägermeister im Landesjagdverband Baden-Württemberg, Bezirk Freiburg.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Hornberg/Gutach

Lena Stangenberg

Fax: 07832 9752-15

Ausgewählte Stellenangebote

Flirts & Singles

 
 

Top 5

1

Kommentar

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading