Schwabo-Autorin Christiane Agüera Oliver beim Selbstversuch mit dem E-Bike. Foto: Agüera Oliver

Serie "Natürlich Kinzigtal": SchwaBo-Autorin testet E-Bike. Neumodischer Drahtesel beeindruckt bei Selbstversuch.

Gutach - Zum Glück ist es noch nicht so heiß. Pünktlich um 9 Uhr stehe ich am Eingang zum Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, um das für mich reservierte E-Bike abzuholen.

Da bin ich echt mal gespannt, was auf mich zukommt. Ein Vormittag müsste fürs Erste genügen, immerhin bin ich sonst nicht gerade viel mit dem Rad unterwegs. "Naja, das ist ein E-Bike", denke ich. Andererseits muss ich immer an die Worte meines Mannes denken, der des Öfteren mit einem E-Bike unterwegs ist und mir erklärte, dass man auch hier treten müsse, um ans Ziel zu kommen.

Von Horst Biegert, dem technischen Leiter des Freilichtmuseums, werde ich empfangen. Er erklärt geduldig wie das E-Bike funktioniert. Einen Fahrradhelm und "70 Kilometer" gibt er mir mit auf den Weg. So weit kann ich fahren. So lange hält der Akku.

Tatsächlich bin ich aufgeregt, als ich das verhältnismäßig schwergewichtige E-Bike zum Ausgang schiebe und mich auf dem Radweg in Position bringe. Zuerst das Gutachtal hinauf, da hab ich noch all meine Kräfte beisammen. "Ach Quatsch, das ist doch bei einem E-Bike egal", fällt mir ein. Und tatsächlich, die Steigung macht sich kaum bemerkbar und das E-Bike fährt, kaum in die Pedale getreten, zügig los. Schnell hab ich den Dreh raus und brause – so kommt es mir jedenfalls vor – das Tal hinauf, vorbei an den Schwarzwaldhöfen entlang der Bahngleise.

Ein vor mir fahrendes "normales" Fahrrad ist schnell überholt. Die Frau wirkt angestrengt, ich selbst bin völlig entspannt und radle gemütlich und doch rasant in Richtung Dorf.

Der Fahrradweg ist ausgeschildert, an einer Ampel muss ich warten, ansonsten kann ich fahren wie und wo ich will. Über kleine Brücken entlang der idyllischen Gutach, vorbei an schönen Häusern und gepflegten Gärten. Mal grüße ich da, dann dort. Es sind viele Leute an diesem Morgen unterwegs.

Rennradfahrer sausen mir entgegen, sie wirken gehetzt. Ich dagegen fühle mich völlig erholt und genieße meine Fahrradtour. Das geht so lange bis ich mutiger werde und mein E-Bike-Fahrtalent auch am Berg testen möchte.

Nur dumm, dass ich nicht schnell genug geschalten habe. Von der Standardeinstellung mit 100 Prozent Leistung des kleinen Motors hätte ich rechtzeitig in den "High"-Modus mit 150 Prozent Leistung umstellen und ein paar Gänge herunterschalten sollen. Trotz E-Bike steige ich ab und nehme erneuten Anlauf. Es klappt, bis hinauf zum Lehmbauernbühl. Auch wenn der Weg nicht mehr asphaltiert ist, lässt er sich mit dem E-Bike gut befahren.

Von hier aus genieße ich den herrlichen Blick über Gutach und merke, dass ich ganz schön außer Puste bin. Auf dem Weg nach unten muss ich mich und das Fahrrad bremsen. Der Wind bläst mir bei 35 Stundenkilometern, wie mein Tachometer anzeigt, ziemlich um die Ohren.

Es zieht mich wieder zurück, talabwärts. Den Abstecher zu meiner Freundin nehme ich mit dem E-Bike gerne in Kauf, lasse dort das besondere Fahrrad bestaunen und brause weiter. "Noch nie war Fahrradfahren einfacher", überlege ich und will gar nicht damit aufhören, als ich kurz vor meinem Ziel bin.

Der Blick auf meine Uhr verrät, dass ich noch zwanzig Minuten Zeit habe, also schnell noch das Tal in Richtung Hausach hinab gedüst und wieder rauf geradelt. Das ist auch die Gelegenheit, um alle Gänge und jeden Modus auszuprobieren. Bei "Eco", mit 50 Prozent Motorleistung, muss ich mich schon mehr anstrengen und bei "no assists" gar alles selbst machen. Langweilig und deutlich spürbar.

Da schalte ich doch lieber wieder auf 100 Prozent elektronische Tretunterstützung. Koste meine verbleibende Zeit aus und radle glücklich zurück zum Vogtsbauernhof. Als ich dort auf den technischen Mitarbeiter Hans Deusch warte, merke ich, wie heiß es geworden ist und ich beim Fahrradfahren doch ins Schwitzen gekommen bin. Das E-Bike wird an die Kette gelegt und der Akku in der Ladestation in einer kleinen Kammer aufgeladen.

Das ungute Gefühl vor meiner E-Bike-Tour ist von einem Glücksgefühl abgelöst. Da hab ich doch was für mich getan, trotz der wackligen Beine. Die sind auch die einzigen kurzen Nachwirkungen: Der befürchtete Muskelkater bleibt aus. Nun will ein E-Bike mir nicht mehr aus dem Kopf. Das wäre tatsächlich auch was für mich.

Weitere Informationen: Viele Fahrradverleihe haben mittlerweile auch E-Bikes im Programm. In Gutach bietet die Station im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof zwei Elektrofahrräder für Personen ab 14 Jahren zwischen Mai und Oktober an. Die Preise belaufen sich auf 19 Euro pro Tag und zwölf Euro pro halben Tag. Weitere Informationen gibt es auch unter www.vogtsbauernhof.org.