"Gottesdienst ist auch und gerade Menschendienst und für Menschen gehören Ernst und Lachen zusammen - auch in der Kirche", sagte Ansgar Barth in seiner Predigt. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder-Bote

Thematische Gottesdienstreihe in der Peterskirche endet mit der Predigt von Ansgar Barth.

Gutach - Die thematische Gottesdienstreihe in der Peterskirche Gutach endete gestern mit der Predigt von Ansgar Barth über "Heiliger Ernst – erlösendes Lachen in der bäuerlichen Lebenswelt". Der Freud- und Leidchor aus Villingen gestaltete den Gottesdienst musikalisch.Vertonte Gedichte aus dem "Kleinen Kalender" von Josef Heuberger stimmten die zahlreich erschienen Kirchenbesucher auf die mit den Jahreszeiten untrennbar verbundene Daseinsweise der Landbevölkerung ein, die Barth mit historischem Sachverstand betrachtete.

"Viel zu lachen gab es für die Talbevölkerung über Jahrhunderte lang nicht, denn die Wirklichkeit wurde bestimmt vom Kampf und Arbeit für das tägliche Brot und hartem Ringen um das Bestehen in einer unwirtlichen Umgebung", führte der Pädagoge und Heimatforscher aus.

Die Abgaben und Leistungen für Grundherren sowie Amtsleute im benachbarten Hornberg taten ein Zusätzliches, um das Leben als einzige Mühsal zu empfinden.

Der von Barth vorgetragene Tagebucheintrag des Mattenhofbauer Christian Aberlin über den Tod des Vaters aus dem Jahr 1757 belegte eindrücklich die damalige Beschwernis. Und doch leuchten "Blitzlichter gleich" dörfliche Begebenheiten in jeder Epoche auf, die das Leben nicht nur als "Jammertal" schildern. So sorgte die Erklärung der Namensgebung des "Füllbrunnen" in der Nähe des Landwasserecks für große Heiterkeit.

Die Gutacher, die ein Pferdefuhrwerk besaßen, mussten nämlich Wein für den württembergischen Oberamtmann im Ladhof in Prechtal holen. Unterwegs wurde auf der "alten Straße" nach Gutach und Hornberg so manch Fässlein angezapft und, um den Verlust zu kaschieren, an besagtem Brunnen mit Wasser aufgefüllt.

Die Waagschalen des "Heiligen Ernst und erlösendem Lachen" gerieten 1534 nach Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg sehr ins Ungleichgewicht.

Die Pfarrer achteten streng auf die Einhaltung der kirchlichen Vorschriften, was im Dorf durch ein ausgeklügeltes Überwachungs- Kontroll- und Gerichtssystem gesichert wurde. Pfarrer, Vogt und Richter bildeten den Kirchenkonvent, das Kirchenstrafen aussprach für unter anderem Kegeln am Sonntag, Fluchen und frühem Beischlaf.

Vier Männer waren als Kirchenrüger im Tal angestellt, im Volksmund genannt die "Schwätzer im Pfarrhaus". "Viele Volksweisheiten bringen Erkenntnisse aus der Arbeitswelt, der Begegnung der Geschlechter, im Umgang mit Geld und Gut auf den Punkt", so Barth und belegte mit einigen Zitaten wie "Besser ein böses Weib als ein faules" oder das saftig-makabre "Weiber sterben – kein Verderben, Gaul verrecken – großer Schrecken" das kärgliche auf Überleben um jeden Preis ausgerichtete Zeitgefüge.

Die Frage, was aus dem "Heiliger Ernst – erlösendes Lachen" in den letzten zwei Jahrhunderten wurde, beantworte Barth mit: die Gutacher – und nicht nur sie - lernten das Lachen in neuen sozialen Gefügen, im politischen Mitspracherecht und Pfarrern, die nicht nur predigen, wie Menschen sein sollen, sondern für das Sein der Menschen hilfreiche Wege aufzeigen.

Gottesdienst sei auch und gerade Menschendienst und für Menschen gehören Ernst und Lachen zusammen - auch in der Kirche.

Mit einem vom Freud- und Leidchore wundervoll intonierten "Paternoster" von Igor Strawinsky klang der Gottesdienst vollendet aus.

Weitere Informationen: Den letzten Beitrag zur Reihe "Heiliger Ernst – erlösendes Lachen" übernehmen am Freitag Pfarrer Sören Schwesig und Schuldekan Peter Schaal-Ahlers aus Stuttgart mit einem Kirchenkabarett.