Rund 12 000 Fahrzeuge rollen täglich durch Gutach: Besonders der Schwerlastverkehr sorgt für viel Lärm. Foto: Gräff

Laut Lärmkartierung des Landesamts für Umweltschutz ist es in Gutach zu laut.

Mittleres Kinzigtal - Ist es im Kinzigtal zu laut? Die Lärmkarten, die die Landesanstalt für Umweltschutz (LUBW) veröffentlicht hat, zeigen, wo die Belastung für die Menschen zu hoch ist. Ergebnis: Betroffen sind vor allem die Gutacher.

416 Einwohner der Bollenhutgemeinde sind laut der "Betroffenheitsstatistik" der LUBW am Tag und in der Nacht einem Geräuschpegel von mehr als 50 Dezibel ausgesetzt. Das ist fast jeder Fünfte. Damit ist Gutach negativer Spitzenreiter im Kinzigtal – und zwar mit Abstand. Zum Vergleich: Zweiter in der Lärmtabelle ist Steinach mit 7,3 Prozent, gefolgt von Haslach, wo 6,7 Prozent der Einwohner jenseits des Schwellenwerts beschallt werden.

Gutachs Bürgermeister Siegfried Eckert überrascht dieses Ergebnis nicht: "Durch unseren Ort führt nun mal eine Bundesstraße mit täglich 12 000 Fahrzeugen." Das gehe selbstredend mit einem gewissen Geräuschpegel einher.

Doch die Medaille hat für Eckert zwei Seiten: "Von dem hohen Durchgangsverkehr profitieren unsere Geschäftsleute. Der Run auf das Gewerbegebiet ›Hirschacker‹ kommt nicht von ungefähr." Auch die Gastronomie lebe nicht von den Gutachern allein.

Balance finden als"große Aufgabe"

Die Balance zu finden zwischen den Vor- und Nachteilen der Bundesstraße, nennt der Rathauschef deshalb eine "große Aufgabe" für seine Gemeinde: "Für Neubaugebiete ist der Schallschutz gesetzlich verankert. Doch beim Bestand sind umfassende, kommunale Maßnahmen nicht machbar."

Damit gehen die Gutacher konform mit den Vorgaben des baden-württembergischen Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur: Wird die Belastung in einem Ort zu groß, hält es die betroffenen Gemeinden dazu an, sogenannte Lärmaktionspläne zu erstellen. Sie sollen den "Umgebungslärm verhindern, vermeiden oder mindern". Einschränkung: "Ein unverhältnismäßiger Aufwand soll vermieden werden."

Eigeninitiative der Bürger ist gefragt

Daher setzt Rathauschef Siegfried Eckert auf die Eigeninitiative der Gutacher – mit Unterstützung der Gemeinde: "Veränderungen an den Häusern, wie der Einbau neuer Fenster, werden im Rahmen des Landessanierungsprogramms bezuschusst. Ich kann den Leuten nur ans Herz legen, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen", sagt der Bürgermeister, der trotz der erhöhten Lärmbelastung von der Wohnqualiät in Gutach überzeugt ist: "Durch den hohen Waldanteil genießen wir eine sehr gute Luft."

Klagen über ihre Wohnsituation sollten – zumindest was die Umgebungsgeräusche angeht – auch die Mühlenbacher, Oberwolfacher, Hornberger und Hofstetter nicht: Ihre Gemeinden haben es erst gar nicht auf die Liste geschafft. Das heißt, "dass in den Orten keine relevanten Imissionspegel ermittelt wurden", erklärt Heiko Luginsland vom LUBW in Stuttgart. Diese sind laut den Ausführungen zur Betroffenheitsstatistik erreicht bei einer 24-stündigen Lärmebelastung von mehr als 55 und einer nächtlichen Beschallung über 50 Dezibel.

Die restlichen Gemeinden im Kinzigtal kommen übrigens relativ glimpflich davon: In Wolfach sind 205 Menschen (3,5 Prozent) betroffen, in Hausach 108 (1,8 Prozent) und in Fischerbach leiden 74 Einwohner (4,3 Prozent) unter Straßenlärm.

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