Jetzt ist wieder kuscheln angesagt Foto:  

Die Welt scheint wieder voll und ganz auf ­Fortpflanzung eingestellt. Wo man ­hinschaut, wird ­poussiert, gebalzt und geflirtet. Im Frühling spielen die Hormone verrückt – allerdings sind es nicht die Sexualhormone, die unsere Gefühle in Wallung bringen.

Stuttgart - Die Welt scheint wieder voll und ganz auf ­Fortpflanzung eingestellt. Wo man ­hinschaut, wird ­poussiert, gebalzt und geflirtet. Spielen im Frühling die Hormone verrückt?

Tatsächlich sind Frühlingsgefühle nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (Hormon-Lehre) eine Folge von Schwankungen im Hormonspiegel. Anders als im Tierreich sind es allerdings nicht die Sexualhormone, die unsere Gefühle in Wallung bringen.

Unser Organismus schüttet weniger ­Melatonin aus, wenn es abends länger hell bleibt. Dieser Stoff ist wichtig für den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers. Er sorgt dafür, dass wir zur Ruhe kommen und schlafen können. Zu viel Melatonin kann auf die Stimmung schlagen und Winterdepressionen auslösen. Das haben Studien gezeigt. Produziert wird das Schlafhormon unter anderem in der Zirbeldrüse des Gehirns. Bekommt der Kopf mehr Tageslicht ab, hemmt das die Produktion von Melatonin. Die Folge: Man ist munterer.

Verstärkt wird dieser Zustand durch das sogenannte Glückshormon Serotonin, das bei Helligkeit ebenfalls vermehrt im Gehirn entsteht. Dieser Stoff wirkt wie eine Droge auf das zentrale Nervensystem: Mehr Serotonin im Blut kann zu Unruhe, Euphorie und sogar Halluzinationen führen. Diese Symptome kann man dann schon mal mit Verliebtheit verwechseln.

Ein Blick auf die Geburtsstatistik zeigt übrigens, dass Frühlingsgefühle zwar gut für die Stimmung sind, in der Regel aber ohne Folgen bleiben: Die meisten Kinder werden im September und während der Weihnachtstage gezeugt – und das, obwohl der steigende Melatoningehalt dann wieder müde macht.