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Gustav Daiber GmbH Unternehmer übergibt Firma an seinen Neffen

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Zum 100-Jahr-Jubiläum der Gustav Daiber GmbH hat Rolf Daiber die integrative Kita LEO in Albstadt beschenkt und auch damit gezeigt, wie wichtig ihm soziale Verantwortung ist. Foto: Keidel

"Eigentlich wollte ich noch weiter machen - weil es so viel Spaß macht", sagt Rolf Daiber. Zum Jahresende aber übergibt der 66-Jährige die Leitung der Gustav Daiber GmbH an seinen Neffen Kai Gminder - und vollendet eine Karriere voller Erfolge, in der er immer Pionier war. Seine spannende Geschichte lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Albstadt-Tailfingen - Dass ein Film wie "Jurassic Park" einmal Einfluss auf sein Unternehmen haben würde, hat Rolf Daiber nicht geahnt, als er 1972 mit gerade mal 18 Jahren, "von allem keine Ahnung", in die Gustav Daiber GmbH einstieg. Die war am 1. Februar 1912 als Handelsvertretung für "Textilzutaten", Gummilitzen, Nähfaden und Knöpfe in Ebingen gegründet worden, und die Kreise, in denen sich der Gründer seit den 1930er-Jahren bewegte, sponnen sich noch rein über die Schwäbische Alb.

Walter Daiber, sein Sohn, erweiterte die Firma in den 1950er-Jahren in der Poststraße – und produzierte erstmals selbst: Schleifchenbinden für Büstenhalter. Ein Jahrzehnt später versorgte Daiber seine Kunden mit elastischer Raschelspitze aus Frankreich und Schleifchen aus Italien.

"Mit 20 Jahren habe ich gedacht, dass das Geschäftsleben nicht so toll ist, und bin Windsurf-Lehrer geworden", erinnert sich Rolf Daiber lachend. Ein Angebot von einer Surfschule auf Mallorca hatte ihm von Mai bis September aber gerade mal 800 D-Mark eingebracht, und so übernahm Rolf Daiber 1974 die Geschäftsführung von seinem Vater, reiste zuerst nach Taiwan, um neue Produzenten von Gummilitzen zu gewinnen, und war damit Pionier, ebenso wie auf dem Gebiet der Transfermotive, was sich als bahnbrechend erweisen sollte für das Familienunternehmen. Denn in der Zeit der Hippies und ihrer Botschaften in den 1970er- und in der grellbunten Modewelt der 1980er-Jahre mussten Bildmotive auf T- und Sweat-Shirts einfach sein. Rolf Daiber erkannte das früher als alle Anderen, sicherte sich die Alleinvertretung des ersten Herstellers in Deutschland und schuf damit eines der bis heute wichtigsten Standbeine seiner Firma.

Ein weiteres war die 1976 gegründete Stickerei, die mit vier Stickautomaten und vier Mitarbeitern klein anfing, es aber nicht bliebt. Glitzer und Fotodruck auf Textilien rundeten das Portfolio ab, so dass Daiber die Spitze der Textilveredelungsbranche erklomm und die größte modische Kollektion von Textiltransfers zu bieten hatte. Die Gründung von "Daiber Far East" in Hongkong 1988 und der Transferdruckerei in Irland 1990 waren weitere Meilensteine auf diesem Erfolgsweg, der mit Steven Spielbergs Science-Fiction-Blockbuster "Jurassic Park" noch steiler nach oben führte. Daiber kreierte sogar eigene Dino-Motive.

Ein historischer Tag in der Firmengeschichte war der 30. Mai 1996, als der erste Container mit 154.000 Baseball-Caps Deutschland erreichte, wo Daiber auf dem Markt für Caps die Nummer eins werden sollte – und es bis heute ist. Zwei Produzenten hatte Rolf Daiber dafür in Hongkong gewonnen, und gehört auch in Europa zu den führenden Firmen, wenn es um trendige Kopfbedeckungen für die Freizeit geht.

"Wir sind mit allem die Nummer eins geworden"

"Myrtle Beach" – die Marke ist sogar in den USA geschützt – für Caps und Accessoires war 2000, "James & Nicholson" – der Name stammt von einer alten Handelsmarke aus Bielefeld – für textile Werbeartikel und hochwertige Funktionsbekleidung war 2001 je ein weiterer Meilenstein: Die Eigenkollektionen bieten das größte und breiteste Sortiment für modische textile Werbeartikel in Europa.

"Wir sind mit allem die Nummer eins geworden", darauf ist Rolf Daiber auch ein bisschen stolz. Zumal er sich als Pionier auf vielen Gebieten manches ganz neu erarbeiten und dabei auch einen guten Riecher entwickeln musste: "Aus Hongkong sind wir zurückgekommen mit einer Liste von 2000 Cap-Herstellern, die wir alle angeschrieben haben", berichtet er über den folgenreichen Schritt 1996. "Zehn davon hatten Ahnung, wie sich herausstellte, und mit zweien haben wir 15 Jahre zusammengearbeitet, bis sie – als Taiwanesen – aus Hongkong vertrieben wurden."

Abenteuerlich waren für Rolf Daiber freilich nicht nur seine Expansionen, sondern auch die dafür nötigen Geschäftsreisen nach Fernost: Rolf Daiber erzählt von sechsspurigen Straßen, die er zu Fuß überqueren musste, von Hotels, "aus denen wir am liebsten gleich wieder abgereist wären", und dem Übersetzungs-Chaos: Daiber und seine Begleiter sprachen Englisch, die Chinesen nicht – ein Dolmetscher musste sich zwischenschalten. "Mein Vetter war dabei und hat Asien danach nie mehr betreten", erinnert sich Rolf Daiber lachend. Er selbst spricht nur zwei Sätze Chinesisch: "Die Rechnung bitte!" und "Sofort stoppen!" – im Taxi mitunter der wichtigste Satz.

Gelernt hat der mutige Unternehmenspionier in fast 50 Jahren vor allem eines: "Schwierige Schritte gibt es nicht – man muss nur immer den ersten machen." Dabei hat er sich stets an seine 20-Punkte-Regel gehalten: "Man muss 20 Punkte wissen, dann hat man sich das Problem erarbeitet. Und es ist immer toll, zu sehen, wenn etwas funktioniert."

Sich zur Ruhe setzen, nachdem er ein ganzes Jahr lang gehört hatte "Sie sind Nummer eins bei Caps in Deutschland" wollte Rolf Daiber Ende der 1990er-Jahre schon. "Myrtle Beach" und vor allem "James & Nicholson" aufzubauen, auch wenn er viel investieren musste, hat ihm dann aber besonders viel Spaß gemacht und ihn in Länder wie Laos, Thailand, China und Bangladesch geführt. Als Unternehmen, das seine Produktionskette von Beginn an kontrolliert, arbeitet Daiber dort nur mit Fabriken zusammen, die eigene Kläranlagen betreiben und keine Notstromaggregate haben – weil sie die Gebäude zum Schwingen bringen, was bei anderen mehrfach zu Einstürzen geführt hatte.

"Dass man alles schaffen kann und sich nur selbst einschränkt" hat Rolf Daiber von den Asiaten gelernt, dass es besser sei, das Einkommen zu erhöhen als zu knapsen, ist eine Erkenntnis, die der Unternehmer von seiner ersten Reise in die Karibik 1979 mitgebracht hat, wo er mit 3000 D-Mark Bargeld eingereist war – und von wo er mit 500 D-Mark Schulden zurückkam.

Im Sturm einen Plan machen: Was geht noch?

Seit 1979 segeln Daiber und seine Lebensgefährtin Sigrid Gley, mit der er seit seinem 18. Lebensjahr zusammen ist, die auch in der Firma eine treue Begleiterin war und nun ebenfalls in den Ruhestand geht, alljährlich in der Karibik – Wassersport ist seine große Leidenschaft, aus der er auch viel fürs Leben gelernt hat: "Beim Segeln kommt man aus einer Situation nicht heraus, wenn man mal drin ist – aber hinterher geht man gestärkt daraus hervor", betont Daiber. "Jeder Sturm ist eine gefährliche Situation, in der man einen Plan machen sollte: Was ist noch möglich?"

Erfolgreich war er damit unter anderem in der Textilkrise, als viele seiner Kunden vom Markt verschwanden und nicht wenige ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Transfermotive, Textildruck, die Caps und der "Jurassic Park"-Boom waren die Lösung: "Damals habe ich gesagt: Die Dinosaurier haben unsere Verluste weggefressen", erinnert er sich.

Fünf Mitarbeiter hatte die Gustav Daiber GmbH, als Rolf Daiber einstieg. 130 Festangestellte zählt heute das Unternehmen, das seit dem Jahr 1997 seinen Sitz auf Lichtenbol in Tailfingen hat und das er nun an seinen Neffen Kai Gminder übergibt, der "schon dabei ist, seit er über den Sticktisch gucken kann": zunächst als Vertriebsleiter, seit 2012 als Geschäftsführer. Was hat er von seinem Onkel gelernt? "Dass man beharrlich dran bleiben muss – und die 20-Punkte-Regel", sagt Gminder.

"Als ich 1988 das Büro in Hongkong gegründet hatte, hat mein Vater mir einen Zettel an den Kühlschrank geheftet: ›Jeder muss mal den Boden unter den Füßen verlieren.‹" Doch obwohl Rolf Daiber Pionier war mit seinem mutigen Schritt in den fernen Osten: Den Boden unter den Füßen verloren hat er nie. Ein "offenes Vertrauensverhältnis mit Lieferanten" war ihm immer wichtig, und "innige Beziehungen" zu Kunden, die zwischen Lissabon und Kiew, zwischen Reykjavik und Australien sitzen. "Politisch waren die Beziehungen immer erschreckend reibungslos", sagt Daiber mit Blick auf die Staaten, in denen die Firma produzieren lässt: Bangladesch, China, Myanmar und Pakistan.

"Ein gut bestelltes Haus, ein tolles Team"

Dennoch: Kurz vor seinem 67. Geburtstag im Februar freut er sich darauf, die Verantwortung abgeben und seinem Neffen ein "sehr gut bestelltes Haus und ein tolles Team" übergeben zu können, wie Gminder betont. Und mit dem ihm eigenen, gnitzen Humor fügt Rolf Daiber hinzu: "Ich möchte uns nicht als Konkurrenz haben." Seine vielen Sprünge ins kalte Wasser haben sich jedenfalls gelohnt.

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