Wie breit das Spektrum der Gitarrenmusik ist, erfuhren die Gäste in der „34. International Guitar Night“ im Stauffenberg-Schloss in Lautlingen. Neben komplizierten Griffen und ungewohnten Klängen hielt das Konzert noch weitere Überraschungen bereit.
Zum 34. Mal hat Gitarrist und Komponist Peter Finger die „International Guitar Night“ organisiert. Beide Konzerte im Stauffenberg-Schloss waren ausverkauft und stießen wie in jedem Jahr auf durchweg positive Resonanz. Finger setzte wie gewohnt auf hohe Qualität, ein abwechslungsreiches Programm und auf die immense Vielfalt, welche die Gitarrenmusik rund um den Globus zu bieten hat.
Das Konzert begann mit dem Ausnahmemusiker Balawan von der Insel Bali, der sich auf die „Tapping-Technik“ auf einer Doppelhalsgitarre spezialisiert hat. Nur durch Fingerdruck werden auf beiden Hälsen der Gitarre Melodie, Harmonie und Bass gleichzeitig hervorgebracht. Die Zuhörer kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die handwerklichen und intellektuellen Herausforderungen dieser Musizierweise sind enorm hoch, trotzdem schien alles mühelos und leicht abzulaufen.
Alles, was Amerika zu bieten hat
Lässig, abgeklärt und unaufgeregt war der Auftritt von Eric Lugosch aus den USA. Seine Musik könnte man als die Zusammenfassung der amerikanischen Gitarrenmusik der vergangenen 150 Jahre bezeichnen. Country-Folk, Blues, Ragtime, Songs aus dem „American Songbook“ und Jazz verbinden sich bei ihm auf ganz natürliche Weise.
Zischen und Schnalzen
Etwas befremdlich mutete anfangs der Auftritt von Solorazaf aus Madagaskar an. Ständige Rhythmuswechsel, unerwartete melodische Einwürfe und die „Mouth-Percussion“ mit Zischen, Atmen und Schnalzen irritierten zunächst, doch der einzigartige Sound aus afrikanischen Elementen und Jazz-Folk hinterließ einen bleibenden Eindruck. Peter Finger beendete den ersten Konzertteil mit zwei jazzorientierten Stücken, die seine virtuose wie auch seine emotionale Seite zur Geltung brachten. Der volle und warme Klang seines Gitarrenspiels und sein persönlicher Klang sind einzigartig. Fingers launige Moderation des Konzerts war nicht nur erheiternd, sondern auch erhellend. Die Sprachbeiträge seiner Kollegen waren dagegen nur schwer zu verstehen.
Auf Sonny Rollings folgen die Beatles
Auch der zweite Teil des Konzerts war voller Überraschungen. Das Duo Balawan/Solorazaf überzeugte mit dem Jazz-Pop-Titel „Two Of Us“, Lugosch und Balawan mit „St.Thomas“ von Sonny Rollins. „Come Together“ von den Beatles wurde im Trio gespielt und dazwischen gab es fantastische Soli, wobei Peter Fingers Komposition abermals ein besonderer Höhepunkt war.
„Mercy Mercy“ durfte am Schluss nicht fehlen, und als Zugabe sang Eric Lugosch „Autumn Leaves“, instrumental begleitet von seinen drei Kollegen. Wie nach jedem Konzert der „Guitar Night“ dürfen sich die Zuhörer schon auf die Tour im November des nächsten Jahres freuen.