Impressionen von der Gugge-Explosion in Lörrach Foto: Alexandra Günzschel

Die Gugge-Explosion hat die Lörracher Innenstadt am Fasnachtssamstag fest im Griff. Zehntausende feierten die Auftritte der Guggemusiker von nah und fern.

Jedes Jahr am Fasnachtssamstag wird Lörrach mit einem musikalischen Paukenschlag aus dem Winterschlaf geweckt. An der Gugge-Explosion kommt niemand vorbei, der an diesem Tag die Innenstadt betritt oder auch nur im näheren Umfeld wohnt. Mit mehr als 40 Formationen ist das ganztägige Spektakel das größte Gugge-Open-Air-Event in Deutschland und ein wahrlich innenstadtfüllendes Ereignis.

 

Nieselregen tut der Stimmung keinen Abbruch

Bunt, laut und schrill wurde es auch an diesem Samstag: Auf insgesamt fünf Bühnen gaben sich die Guggenmusiken im 20-Minuten-Takt die Klinke in die Hand, um danach auf eine der anderen Bühnen zu wechseln, sich selbst unter die Zuschauer zu mischen oder sich im Burghof bei Speis und Trank eine Pause zu gönnen.

Der immer wieder einsetzende, jedoch kaum merkliche Nieselregen am Vormittag und über die Mittagszeit hinweg tat der Stimmung keinen Abbruch. Viele hielten sogar weiterhin die Stellung, als der Regen am Nachmittag stärker wurde. Die Musiker bedankten sich mit ihren schrägen Tönen.

Auf insgesamt fünf Bühnen gaben sich die Guggemusiken die Klinke in die Hand. Foto: Alexandra Günzschel

Die Schweizer haben‘s erfunden und waren wie immer zahlreich vertreten bei der Lörracher Gugge-Explosion. Mit dabei war mit der Lörracher „Gugge 53“ - die Zahl ist hier Programm. Dies ist die erste deutsche Guggemusik überhaupt, ein Umstand, auf den die Lokalmatadoren stolz hinwiesen – genauso wie auf ihre zweite Auszeichnung für den besten Guggesound beim Guggetreffen in Schwäbisch Gmünd im vergangenen Jahr.

Doch was macht gute Guggemusik eigentlich aus? Viele schwören darauf, dass es sich dabei um Gruppen von Laienmusikern handeln sollte, die nicht nach Noten spielen. Dass die Töne nicht immer exakt getroffen werden, ist dabei Programm. Schräg, schrill und laut soll diese Fasnachtsmusik sein, wurde sie doch einst, so wird es kolportiert, als Parodie auf allzu zackige Marschmusik erfunden. Für das Publikum besteht die besondere Herausforderung darin, die zumeist bekannten, aber verfälschten Melodien zu erkennen. „Wer kommt zuerst drauf“ - ein Spiel für die ganze Familie, das auch am Samstag hin und wieder zu beobachten war.

Guggemusiker mischen sich immer wieder unter das Publikum. Foto: Adrian Steineck

Manche feilen das ganze Jahr über an ihrem Auftritt

Doch nicht alle fühlen sich diesem musikalischen Laienansatz verpflichtet. So mancher dieser speziellen Musikvereine feilt das ganze Jahr über an seinen Auftritten für die Fasnachtszeit, zu denen freilich auch eine schräge Kostümierung mit aufwendig gestalteten Masken oder einer filigranen Gesichtsbemalung gehören.

Das Publikum tanzte Ringelreihen. Foto: Alexandra Günzschel

Ein Guggemusiker will nicht ernst genommen werden, sondern lieber mit einem keinesfalls nur sinnbildlichen „Paukenschlag“ in Erinnerung bleiben, wie auch die Namen der vielen Gruppen zeigten, die am Samstag die Lörracher Innenstadt fluteten: Mal spielten die „Oktave Chratzer“ gegen die „Heavy Blechis“ an, dann wieder die „Kaputte 13“ gegen „Los Chrachos“ oder auch die „Extremgurgler Langenthal“ gegen die „Schädelfätzer Brysach“ – in einigen Fällen gerade eben laut genug, um den Sound von der nächstgelegenen Bühne zu übertönen.

Besonders ausgelassen wurde um die Mittagszeit herum vor der großen Lasser-Bühne auf dem Alten Markt gefeiert. Der gesamte Marktplatz hatte sich mit bestens gelaunten Zuschauern gefüllt, die begeistert im Takt wippten und – sofern sie den Platz dafür fanden – sogar tanzten.

Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz und Moderator Matthias Zeller haben sich unter das Publikum gemischt. Foto: Alexandra Günzschel

„Das ist ja zum Heulen“, kündigte ein in schwarz-weiß kostümierter Moderator Matthias Zeller den nächsten Act an. Denn nach den „Hotze-Hüüler“ betraten doch tatsächlich „Die letzten Heuler Sasbachried“ die Hauptbühne. Der jubelnde Marktplatz freute sich auch auf deren Mini-Konzert – viele weitere sollten noch folgen. Beim Gugge-Corso traten am Abend alle 2000 Beteiligten noch einmal gemeinsam auf. Danach durfte getanzt und gefeiert werden bis tief in die Nacht. Zum Abschluss hatte die Narrengilde zur SWR 3 Party im Burghof geladen.