Beim Bahnkongress in Basel wird über ein lange vernachlässigstes Thema diskutiert.
Endlich wird mal über Güterverkehr gesprochen. Vielfach war diese Bemerkung am Freitag beim Bahnkongress Schweiz zu hören. Schließlich ging es zuletzt fast ausschließlich um die Situation und die Entwicklung des Personenverkehrs im Dreiländereck.
Die hiesige Situation erfordert es, unbedingt alle Teile des Verkehrs zu betrachten. Vor allem die in und um Basel zusammengedrängten Bündel von Gleisen und Straßen schaffen für alle Verkehrsträger komplizierte Bedingungen. Auf den Schienen müssen Nah- und Fernverkehr mit den Güterzügen auskommen, und das sind mindestens ebenso viele wie der gesamte Personenverkehr.
Alle Planungen und auch schon begonnene Ausbauten der Bahnanlagen seien keinesfalls ohne Berücksichtigung des Güterverkehrs umzusetzen, hieß es. Dies müsse unbedingt in enger Zusammenarbeit der drei Länder, vor allem der Netzbetreiber, geschehen. Insgesamt reicht die vorhandene Bahn-Infrastruktur nicht aus, auch weil sie zu stark vermischt ist, hob die Basler Regierungsrätin Esther Keller hervor. Wenn heute vieles nicht mehr so gut funktioniert wie früher, liege das nicht nur an der gewachsenen Transportmenge. Ulla Kempf, freiberufliche Bahnberaterin, kritisierte vor allem, dass wirklich systemkundige Eisenbahner fehlen. Früher hätten sie alle Verkehrszweige aber auch betriebliche Bereiche wie Zugbildung, Abfertigung, Kundenbedienung und Fahrbetrieb durchlaufen. Solche rundum gebildeten Bahner gebe es immer weniger, statt dessen erhielten viele Mitarbeiter nur auf einen Bereich begrenzte Fachausbildung. Damit verschwinde das Verständnis für das System als Ganzes.
Basel ist ein Nadelöhr
Besondere Brisanz erlange das Dreiländereck für den Güterverkehr noch aus anderem Grund, wie der Direktor der Handelskammern beider Basel, Martin Dätwyler beschrieb. Hier treffe sich der internationale Transportstrom von der Nordsee zum Mittelmeer mit einem riesigen Aufkommen aus Quell- und Zielverkehr. Basel sei eine der größten Exportregionen der Schweiz, außerdem trifft die überwiegende Menge alle Importgüter hier ein. Erschwert wird der grenzüberschreitende Güterverkehr durch immer noch zum Teil erheblich unterschiedliche Regelungen. Das betrifft Lokführer, Fahrzeugtechnik und Betriebssysteme.
Bettina Castillo, Vorständin der österreichischen Rail Cargo Gruppe sagte deshalb, es brauche mehr Bahn in Europa, aber die Bahnen selbst brauchen mehr gemeinsames Denken in Europa, vor allem mit mehr Möglichkeiten zu „einfachen Grenzüberfahrten“.
Bedürfnisse der Kunden
Viele Wirtschaftsvertreter forderten von den Bahnunternehmen, stärker in Richtung der Bedürfnisse der Kunden zu denken. Immer noch würden diese kaum gehört, stattdessen vor vollendete Tatsachen gestellt. Vor allem InfraGo, Netzbetreiber der Deutschen Bahn, erhielt viel Kritik wegen vieler kurzfristiger und nicht abgestimmter Sperrungen für Bauarbeiten. Dann müssten die Eisenbahnverkehrsunternehmen selbst Lösungen finden, über welche Strecken und in welcher Zeit sie ihre Züge ans Ziel bringen. Trotz aller Bemühungen, den deutlich klimagünstigeren Schienenverkehr auszubauen biete derzeit die Straße einfach bessere Bedingungen.
Straße hat aktuell Vorteile
Für die Kunden seien Zuverlässigkeit, Dauer und Preis entscheidend für die Wahl ihres Verkehrsmittels.
In diesem Zusammenhang benannte Vincent Ducrot, Vorstandsvorsitzender der Schweizerischen Bundesbahnen, den Zustand der Infrastruktur in Deutschland gegenwärtig als größtes Problem in Europa. Die SBB werden mehr als bisher auf Kundenwünsche eingehen, um den zunehmenden Transportbedarf abzudecken.
Infrastruktur ist schlecht
Zu den derzeitigen Ausbauten mit Folgen für das Gesamtsystem gehören sowohl die neue Wiesebrücke der DB als auch der Ausbau des Weiler DUSS-Umschlagzentrums unmittelbar an der Grenze. Jörg Stephan, Referatsleiter Schienengüterverkehr im deutschen Bundesverkehrsministerium sicherte zu, dass die Netzstabilisierung konzentriert fortgesetzt werde. Für das Dreiländereck spürbar seien die derzeitigen Arbeiten an der Strecke Emmerich/Oberhausen und im Mittelrheintal. Nationalrat John Pult, früher Präsident der Alpeninitiative, mahnte an, die Preisdifferenz zwischen Straße und Bahn auszugleichen. Dies deswegen, weil Transporte mit LKW viel zu billig angeboten werden, weil dabei die meisten externen Kosten nicht in die Preisbildung einbezogen werden. Auch verwies er darauf, dass die neuen Alpentransversalen durch Gotthard- und Lötschbergtunnel für die Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene gebaut wurden.